Traditionelle Anlagen
22. Juli 2014

Sterne im Fixed-Income-Universum

Welche Investmentstrategien bewähren sich auch im Niedrigzinsumfeld? Diese und viele weiteren Fragen ­diskutierte man beim portfolio institutionell Summit zum Thema Fixed Income­. Das erste „Gipfeltreffen“ fand in München statt. Zum zweiten „Gipfel“ trafen sich Investoren, Anbieter und Consultants­ in Hamburg. Greifen Sie zu auf Präsentationen und Bildmaterial.

Hier finden Sie eineumfangreiche Nachberichterstattung zu diesem Event. Daneben stellen wir Ihnen Präsentationen und Bildmaterial zur Verfügung.
Wie aktives Risikomanagement von Fixed-Income-Anlagen bei ­einer Sparkasse aus­sehen kann, zeigte Markus Putz als Eröffnungsredner­ beim Fixed-Income-Summit in München. In seinem Vortrag weihte der Leiter des Unternehmensbereichs Treasury bei der Münchner Stadtsparkasse die anwesenden Investoren in die hauseigene Zins­risikosteuerung ein. Der Sparkassen-Treasurer nimmt für sich und sein Team freilich nicht in Anspruch, im Niedrigzinsumfeld den Stein der Weisen gefunden zu haben. Ihm geht es bei der Kapitalanlage primär darum, einen möglichst gleichmäßigen und planbaren Ertrag zu erzielen, und nicht darum, eine Benchmark zu übertreffen oder Performance-Spitzen auszureizen. Ob nun Benchmark-orientiert oder nicht – das Umfeld für Fixed-Income-Investoren könnte heraus­fordernder nicht sein. Großen Wert legt Putz insbesondere darauf, dass selbst in schwierigen Marktphasen wie dieser ein stetiger Ertrag fließt. „Wir kaufen die Laufzeiten, die wir brauchen, um ein ausge­glichenes Cashflow-Profil zu erzielen“, erläuterte er eine zentrale Vorgabe,­ wobei die Duration der Rentenbestände ausschließlich über den Gesamtbestand hinweg gesteuert werde. Die Umstände, denen die Stadtsparkasse München (SSKM) ausgesetzt ist, lassen sich ­folgendermaßen auf den Punkt bringen: Fast jeder zweite der 1,4 ­Millionen Münchner ist Kunde bei dem 1824 gegründeten Finanzhaus, das über eine Bilanzsumme von etwa 16,1 Milliarden Euro verfügt. Dank der breit gestreuten Kundenbasis kann von Klumpen­risiken keine Rede sein. Weniger rosig ist die laut Putz „lebhafte Konkurrenz“ unter den Finanzdienstleistern in der Isar-Metropole.

Liquidität hat Priorität
Aufgrund der Bilanzstruktur unterhält die SSKM ein verhältnismäßig großes Depot A. Denn die Kundeneinlagen von zuletzt rund 13,4 Milliarden Euro liegen deutlich über den ausgereichten Krediten, deren Summe Putz auf rund 10,8 Milliarden Euro bezifferte. Was die organisatorische Arbeitsteilung der Stadtsparkasse München betrifft, so liegt die Hauptaufgabe seines Unternehmensbereichs in der Steuerung der Eigengeschäfte. Wesentliche Herausforderungen sieht Putz in der Anpassung der Bilanzstruktur an das aktuelle Umfeld und in der Erfüllung sich verändernder Kundenbedürfnisse. Als Treasury-Chef wacht er auch über das Depot A, das einerseits aus einer rentenlastigen Direktanlage besteht und schwerpunktmäßig in Pfandbriefe sowie Bundesländer- und Förderbankenanleihen investiert. Putz zufolge dient der Großteil der Direktanlage als Liquiditätsreserve. Im Sinne eines ausgeglichenen Bewertungsergebnisses legt die SSKM bei der Auswahl der Wertpapiere großen Wert auf eine hohe Liquidität­ der Titel und eine bestmögliche Kreditqualität.

Andererseits hat die Stadtsparkasse München, ebenso wie andere Sparkassen auch, einen Teil des Depot A in Spezialfonds angelegt. Zum Einsatz kommen im Rentenbereich unter anderem deutsche Pfandbriefe, Unternehmens- und Wandelanleihen, aber auch Covered Bonds kerneuropäischer Länder, wobei Putz größten Wert darauf legt, Transparenz über den Inhalt der zugrundeliegenden Deckungsstöcke zu besitzen. Investiert werde nur, wenn man den Deckungsstock vernünftig durchschauen könne. Neben Rentenpapieren werden dort schwankungsintensivere Anlageklassen mit stillen Reserven umgesetzt. Beispielsweise versucht das Institut mit der Beimischung von Aktien und globalen Zinsträgern die Diversifikation zu erhöhen. „Auch im Niedrigzinsumfeld bestehen Chancen für Ertragssteigerungen. Die Umsetzung der Ertragsmaßnahmen setzt jedoch eine aktive Risikosteuerung voraus“, betont Putz. Darüber hinaus setzt das ­Treasury außerbilanzielle Derivategeschäfte ein, steuert das Zinsbuch unter anderem mit Hilfe von Swap-Geschäften und sichert damit insbesondere zinstragende Kundengeschäfte gegen Zinsänderungsrisiken ab. Außer in Fixed-Income-Bestände investiert die Stadtsparkasse auch in Immobilien. In den vergangenen Jahren wurden Objekte im Stadtgebiet Münchens erworben. Nach einem beschleunigten Preisanstieg der Münchner Immobilien prüft die SSKM inzwischen aber auch die Anlage außerhalb der Metropole.

Bedarf hält Nachfrage nach Festverzinslichen hoch
Zwar verlieren Fixed-Income-Anlagen im aktuellen Marktumfeld an Attraktivität. Doch wie der Sparkassenexperte zu bedenken gibt, ergibt sich die Nachfrage nach festverzinslichen Anlagen auch in Zukunft aus dem Bedarf nach liquiden, planbaren und stetigen Erträgen in der Liquiditäts­reserve und aus aufsichtsrechtlichen Vorgaben, wie beispielsweise den Mindestquoten für hochliquide Aktiva. Bedacht werden muss aber auch das begrenzte Eigenkapital von Sparkassen, das einen Engpassfaktor bei den verschärften Eigenkapitalanforderungen darstellt. Bei Sparkassen könne es nur aus der Ertragskraft und nicht durch die Ausgabe neuer Eigenkapitaltitel generiert werden. Überhaupt müsse das Eigenkapital auf der Aktivseite so ver­wendet werden, dass ein optimaler Ertrag erzielt werden kann und ­regulatorisch bedingte Eigenkapital-Abzugspositionen begrenzt werden. „Wenn die Aufgabe darin besteht, nichts zu verlieren, kann man nach oben auch nicht jeden Weg mitgehen“, resümiert Pütz. Durch die mittel- bis langfristige Refinanzierung, zum Beispiel durch Pfandbriefe, kann die SSKM dem Niedrigzinsumfeld aber auch positive Seiten abgewinnen. Denn die Emissionsbedingungen seien attraktiv.

Im Anschluss an den Vortrag von Markus Putz referierte Jakob von Kalckreuth, Händler und Credit Analyst bei Credit Suisse in London, über die Chancen und Risiken erstrangig besicherter Kredite, wie Senior Loans. Von Kalckreuth, der mit seinem Team ein Kapitalanlage­volumen von rund 30 Milliarden Dollar, bestehend aus Senior Loans, High Yield und ABS-Investments, betreut, gab zunächst einen Überblick über die Eigenschaften von Senior Secured Loans. Er hob hervor, dass es sich um erstrangige Verbindlichkeiten in der Kapitalstruktur von Unternehmen handelt, deren Rating im Non-Investment-Grade-Bereich liegt. Insofern müssten sich Anleger die spezifischen Risiken vor Augen führen, die mit diesem Anlage­segment einhergehen. Investoren müssen in dieser Anlageklasse zwar grundsätzlich mit Zahlungsausfällen und Insolvenzen rechnen. Allerdings liege die erwartete Ausfallrate­ nach Aussage von Kalckreuths für das laufende Jahr nur zwischen zwei und vier Prozent des Gesamtmarktes. Das heutige Marktvolumen schätzt von Kalckreuth im Übrigen auf über 1,3 Billionen Dollar in den USA und 400 ­Milliarden Euro in Europa.­ Wichtig zu wissen: Der Handel findet ausschließlich over the counter statt und ist längst nicht so liquide wie beispielsweise der US-Aktienmarkt, was sich in höheren Bid-Offer-Spreads von um die 100 Basispunkten widerspiegelt. Der daraus ­resultierenden Kosten müssten sich die Investoren bewusst sein, so von Kalckreuth. Für ein Investment in Senior Loans spreche indes die variable Verzinsung von etwa 400 Basispunkten über Libor/Euribor­. Zudem seien die Kredite durch Pfandrechte auf Vermögenswerte ­besichert. „Wenn es einem kreditnehmenden Unternehmen nicht gutgehen sollte, werden zügig Gespräche über eine Neuverhandlung des Kreditvertrages geführt“, so der Credit-Suisse-Experte, der die ­Kreditwürdigkeit an der Kennzahl Ebitda festmacht. Sollte es dennoch zum Konkurs des Emittenten kommen, seien bestimmte Sicherheitspakete für die Kreditgeber reserviert, die sich positiv auf die Recovery Rate auswirkten. Nach einem Konkurs liegt die Erlösquote bei vor­rangigen Krediten bei rund 80 Prozent, unbesicherte Anleihen bringen im Durchschnitt nur 29 bis 64 Prozent des Nennwertes ein.

Mittel zur Verkürzung der Duration
Wer sich ein Bild machen will, wie erstrangig besicherte Kredite in Phasen steigender Zinsen abschneiden, sollte sich die Entwicklung vom Dezember 1999 vor Augen führen. Damals standen Investment Grade Bonds mit einem Verlust von zwei Prozent ebenso unter Druck wie zehnjährige US-Treasuries, die mehr als acht Prozent an Wert einbüßten. Das Gegenteil war bei Senior Loans der Fall. Sie legten im Schnitt um gut fünf Prozent zu. Der Schutz vor steigenden Zins­risiken ist in der Gegenwart insbesondere für jene Investoren interessant, die die Duration in ihrem Portfolio reduzieren wollen. Die ­Duration für Senior Loans bezifferte der Referent auf lediglich 25 bis 45 Tage. Bestehende Zinsverträge würden zum Quartalsende angepasst, so von Kalckreuth. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die vergleichsweise niedrige Korrelation zu anderen Asset-Klassen. Die Korrelation gegenüber zum S&P 500 bezifferte von Kalckreuth auf 0,42. Zudem seien­ Senior Loans weniger volatil. Während die annualisierte Volatilität des S&P 500 bei 16,1 Prozent liegt, betragen die Schwankungen des Credit Suisse Leveraged Loan Index 5,7 Prozent.

In seinem Vortrag „Finding value in Euro Corporate Bonds“ erläuterte­ David Stanley, Portfoliomanager bei T. Rowe Price, seinen Investmentansatz und machte keinen Hehl daraus, dass er sich in seinem fundamentalen Credit Research nicht auf die Untersuchungen von Rating-Agenturen verlässt. Vielmehr will er mit Hilfe eines eigenen Kredit- und Kapitalmarkt-Research-Prozesses Markt­ineffizienzen identifizieren. „Das Kredit-Research steht für uns an oberster Stelle, wenn es darum geht, attraktive Anlagen zu sondieren“, so Stanley, der sich der individuellen Wertpapierauswahl verschrieben hat und auf der Suche nach den Anlageideen auch das Kleingedruckte in Emissions­prospekten liest. Investoren rät er, sich bei der Wertpapierauswahl nicht nur an den Titeln zu orientieren, die in den bekannten Indizes enthalten sind. Vielmehr sollte man nach weniger gefragten Alter­nativen Ausschau halten. Beispielhaft verwies er auf eine jüngst emittierte Anleihe von Pro Sieben Sat1.

Das Medienhaus besitzt kein Rating einer der drei großen Rating-Agenturen. Das sei für ihn aber kein Grund, sich das Papier nicht ­näher anzuschauen. Im internen Rating bei T. Rowe Price stuft man den Emittenten mit einer Bonität ein, die BBB- entspricht. Das wiederum ermöglicht den direkten Vergleich mit gerateten Unternehmen. Die Pro-Sieben-Anleihe biete einen Renditeaufschlag zu vergleich­baren Bonds, weil einerseits kein offizielles Rating besteht und es sich auf der anderen Seite um die erste­ Emission des Unternehmens handelt. „Wenn man außerhalb der Indizes nach Anlageopportunitäten sucht, kann man eine Reihe von Anhaltspunkten berücksichtigen“, erläutert Stanley. Investoren könnten, um flexibel und innovativ zu sein, beispielsweise die Anleihen europäischer Unternehmen in ­Betracht ziehen, die in ausländischen Währungen emittiert wurden. Interessant seien auch Emerging Market Corporate Bonds und Euro High Yielder jenseits der Benchmarks. Ein Beispiel: Der italienische Energiekonzern Enel hat eine Vielzahl von Anleihen in einer Reihe von Währungen begeben. Beim Blick auf die Zinsstrukturkurve fällt auf, dass die Corporate Bonds unterschiedliche Liquiditätsprämien aufweisen, was Stanley auf den Home Bias zurückführt. Sprich, manche Anleihen sind weniger gefragt und entsprechend attraktiver.

Regulatorisch bevorzugt: Covered Bonds
Jürgen H. Müller, Seniorfondsmanager Credits bei Bayern Invest, widmete seine Präsentation der Asset-Klasse „Covered Bonds“, die er als attraktive Alternative im Rentenuniversum bezeichnete. Renditen oberhalb der Inflation böten unter anderem dänische Covered­ Bonds und spanische Single Cedulas mit einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren. Höher rentierende Covered Bonds aus der Euro­raumperipherie zeichneten sich nach Einschätzung Müllers neben dem realen Kapitalerhalt durch eine geringere Volatilität im Vergleich zu Staats­anleihen aus. Covered Bonds sind aus Sicht des Credit-Experten auch deshalb ein sinnvolles Investment, weil das Angebot im Verhältnis zur Nachfrage stark zurückgehe. Das geschätzte Neuemissions­volumen für Benchmark-Anleihen bezifferte er für dieses und die beiden Folgejahre auf jeweils 100 Milliarden Euro. Gleichzeitig lägen die Fälligkeiten in allen drei Perioden mit 130 bis 150 Milliarden Euro deutlich darüber. Auch das regulatorische Umfeld bevorzugt nach Einschätzung Müllers Covered Bonds. Durch den Ausschluss von Verlustbeteiligungsmechanismen der Banken genießen sie eine ­Sonderstellung. Zudem weisen sie seiner Einschätzung nach ein historisch attraktives Risiko-Ertrags-Profil auf. Speziell dänische Covered Bonds bieten Müller zufolge neben Sicherheit und Liquidität­ einen systemisch bedingten Mehrertrag gegenüber deutschen ­Pfandbriefen. Dieser sei insbesondere auf den Renditeaufschlag der Kündigungs­option zurückzuführen. Durch die Beimischung dänischer Covered­ Bonds in einem deutschen Pfandbrief-Portfolio lasse sich das Risiko-­Ertrags-Verhältnis optimieren, lautete sein Fazit.

Als weniger attraktiv als dänische Pfandbriefe haben sich jüngst die Schwellenländer erwiesen. Viele Investoren traten die Flucht an. Carsten Klude, Chefökonom bei M.M. Warburg, hielt auf der Ver­anstaltung in Hamburg Emerging-Markets-Risiken dennoch für ­attraktiv. Neben High Yields seien nur noch dort vier Prozent Rendite möglich. „In absehbarer Zeit ist kein Umdenken der Notenbanken zu erwarten. Ein nachhaltiger Renditeanstieg ist sehr unwahrscheinlich“, ist der Chefökonom überzeugt. Aus fundamentaler Sicht können Investoren seines Erachtens das Risiko erhöhen und in High Yields und Emerging Market Debt investieren. Allerdings warnt er: „Buy and hold geht nicht. Es muss ein flexiblerer Investmentansatz gewählt werden.“ Damit spricht er Alexander Froschauer, Head of Fixed Income bei Axa Investment Managers Deutschland, aus dem Herzen. Trotz der jüngsten Turbulenzen hält auch er die Bewertungen in den Emerging Markets nach wie vor für attraktiv: „Es führt im aktuellen Niedrigzinsumfeld kein Weg an Bonds aus den Emerging Markets vorbei – zumindest nicht, wenn man entsprechende Ren­diten erzielen will.“ Der Axa-Rentenexperte weist darauf hin, dass die derzeitigen Spreads von 420 Basispunkte kein Tief darstellen: „Vor fünf Jahren waren die Spreads dieselben. Investoren hatten damals ­allerdings noch die Wahl, weil sie mit deutschen Staatsanleihen noch etwas verdienen konnten. Das ist heute nicht mehr der Fall.“

Aufgrund dieser Alternativlosigkeit sind die Emerging Markets für Froschauer heute sogar noch attraktiver als je zuvor. Aber auch aus fundamentaler Sicht bieten Schwellenländer seines Erachtens eine gute Perspektive: „Die Emerging Markets stellen 85 Prozent der Weltbevölkerung, sie sind jung und besitzen zwei Drittel aller Rohstoffvorkommen.“ Im Investmentstand spiegelt sich dieser Stellenwert bisher allerdings nicht wider. Schwellenländer sind nur ein Randthema: Obwohl sie etwa die Hälfte des globalen Bruttoinlandsproduktes stellen, machen sie nur 15 Prozent der globalen Marktkapitalisierung aus. Trotzdem sei eine gute Diversifikation im Fixed-Income-Bereich der Emerging Markets möglich. Das Anlageuniversum umfasst 700 Credit-­Emittenten, davon 50 Länder, und 1.800 Anleihen. Das Marktvolumen beläuft sich auf zwölf Billionen US-Dollar. „Die Zeit ist vorbei, um Staats- und Unternehmensanleihen getrennt zu betrachten und sich nur auf Fremdwährungen zu konzentrieren. Außerdem besitzen Schwellenländeranleihen im Gegensatz zu Industrieländern zumindest das Potenzial für Rating-Verbesserungen“, führt Froschauer­ aus. Seit 2002 ist der Anteil an Investment-Grade-Anleihen im Emerging-Market-Universum von unter zehn Prozent auf über 50 Prozent gestiegen. Natürlich ist sich der Rentenexperte von Axa des poli­tischen Risikos in Schwellenländern bewusst: „Die Frage ist jedoch, ob es zum Tragen kommt. Egal welcher Despot an der Macht ist, er will ­seine Wirtschaft stabil halten, weil das Devisen ins Land bringt.“ ­Angesichts der aktuellen Unsicherheiten in den Schwellenländern empfiehlt Froschauer jedoch Zinsinstrumente mit kurzer Duration. Diese bieten zwar im Vergleich mit Langläufern einen geringeren Mehr­ertrag, sind zugleich aber weniger anfällig gegenüber Zinsschwankungen. Da die Zinskurve nicht linear verläuft, was natürlich für alle Märkte gilt, werden durch ein
Verkürzung der Laufzeit das Risiko und der Ertrag aber nicht in gleichem Maße reduziert. „Das Risiko wird um 50 bis 60 Prozent gesenkt, der Ertrag um 40 bis 50 Prozent“, erläutert Froschauer. Für Versicherungen bietet sich mit Blick auf Solvency II noch ein weiteres Schmankerl: Durch eine Kürzung der Duration­ lässt sich die Eigenmittelunterlegung reduzieren.

Axa Investment Managers setzt diese Anlagephilosophie in ihrem Fonds „Axa WF Emerging Markets Short Duration Bonds“ um, der einen­ Benchmark-freien Absolute-Return-Ansatz verfolgt. Der Fonds diversifiziert über das gesamte Credit-Spektrum – von Investment-Grade bis High Yield und von Staats- bis Unternehmensanleihen –, wobei es sich vornehmlich um Hartwährungsanleihen auf US-Dollar handelt. Die durchschnittliche Duration liegt bei 2,64 Jahren, das Durchschnitts-Rating bei BB. Für VAG-Anleger gibt es jedoch zwei Probleme: In dem Fonds befinden sich auch CCC-Anleihen, sie machen etwa fünf Prozent des Portfolios aus. Auch mit einem Track Record kann der Fonds noch nicht aufwarten, da er erst im September 2012 aufgelegt wurde. Für 2013 steht eine Performance von 2,96 Prozent bei einer Volatilität von 4,45 Prozent zu Buche. „Die Emerging-Market-Short-Duration-Strategie hilft, die Timing-Gefahr und damit das Risiko für den Einstieg zu reduzieren“, so Alexander Froschauer.

VPV: Gelassenheit im Umgang mit dem Niedrigzinsumfeld
Alle Welt redet über das Niedrigzinsumfeld, bei der VPV in Stuttgart herrscht dennoch Gelassenheit. „Unser Wiederanlagebedarf ist in den nächsten Jahren gering, denn unser Fokus im Neugeschäft liegt außerhalb der klassischen Lebensversicherung“, erklärt Dr. Oliver Lang, Vorstand der VPV Versicherungen. Diese Gelassenheit half der Versicherung auch, Zeitfenster abzuwarten, in denen sich Opportunitäten im Markt ergeben. „2013 gab es Opportunitäten, die eine drei vor dem Komma ermöglichten. Die Tapering-Diskussion bot uns ein Fenster, um in kurzer Zeit einen Großteil unseres Jahres-Wiederanlage­bedarfs zu tätigen“, führt er aus. Unter anderem wurden in der Peripherie Anleihen von Infrastrukturunternehmen gekauft, zum Teil mit Renditen deutlich über vier Prozent. „Wer heute mehr als drei Prozent Rendite will, hat nur noch Sonderthemen auf dem Tisch“, so Lang mit Augenzwinkern. Zugleich räumt er ein: „2014 wird es schwer, solche Opportunitäten zu finden.“

Die Kapitalanlage der VPV Lebensversicherungs-AG ist in zwei Töpfe unterteilt: das Bestands- und das Marktportfolio. Jedes dieser Teilportfolien ist auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet. Das Bestands­portfolio, das etwa zwei Drittel des Anlagebestands von rund 8,3 ­Milliarden Euro ausmacht, ist punktgenau auf das Cashflow-Profil der versicherungsseitigen Verpflichtungen abgestimmt. Diesen Luxus kann sich die Versicherung leisten, weil das Stornorisiko, so Lang, ­gering ist. Das Bestandsportfolio setzte sich ausschließlich aus ­risikoarmen festverzinslichen Wertpapieren zusammen, die mit ­Halteabsicht bis zur Endfälligkeit ausgewählt wurden. „Wir schauen uns jeden Emittenten genau an, ob er ins Raster passt“, erläutert der VPV-Vorstand. Derzeit hält sein Haus 350 Titel von 160 Emittenten. Die Duration liegt im Schnitt bei 7,5 Jahren. Das restliche Drittel des Anlage­bestandes, das Marktportfolio, nutzt die VPV, um losgelöst von Cashflow-Anforderungen mit einem vorgegebenen Risikobudget ­einen optimalen Ertrag zu erwirtschaften. Für 2014 liegt die Mindest­ertragsanforderung bei 3,45 Prozent. Zum Universum dieses Port­folios gehören Fixed Income in allen Spielarten, Real Estate und ­Aktien. In Aktien ist die Versicherung, zumindest im Lebensbereich, derzeit aber nicht investiert, was nicht daran liegt, dass man diese ­Asset-Klasse als unattraktiv einstuft. „Unser begrenztes Risikobudget haben wir derzeit vor allem in Real Estate allokiert. Wir versuchen aber, uns das Aktiensegment wieder zu erschließen“, so Lang.

Eurolandskeptiker, aber Globalisierungsgläubiger
Skeptisch zeigt sich die VPV weiterhin gegenüber der Eurozone. Deshalb wurde vor zwei Jahren im Fixed-Income-Bereich des Marktportfolios, das auf europäische Staatsanleihen verzichtet, die Anlage­entscheidung getroffen, einen Schwerpunkt außerhalb der EU zu setzen. Inzwischen bestehen zwei Ex-Euroland-Mandate, die nicht als reine Emerging-Markets-Mandate missverstanden werden dürfen. Dort finden sich beispielsweise auch Anleihen kanadischer und ­australischer Provinzen. Vornehmlich bewegen sich beide Mandate im Investment-Grade-Bereich, es sind aber auch Sub-Investment-­Grade-Positionen erlaubt. Zudem seien offene Währungspositionen zulässig. „Letztes Jahr war das Timing nicht ideal, aber der fundamentale Trend der Globalisierung ist intakt. Deshalb fühlen wir uns mit dieser Entscheidung weiterhin wohl“, erläutert Lang.

Ein zweiter Schwerpunkt in dem Marktportfolio der VPV sind ­Immobilien. „Hier hatten wir ein besseres Timing. Wir haben 2011 begonnen, ein global diversifiziertes Portfolio aufzubauen. Wir haben in Luxemburg ein FCP aufgesetzt, in das diese globalen Mandate ein­gebracht werden“, führt Lang aus. Immobilien sollen acht Prozent der Kapitalanlage ausmachen. Bisher sind circa 60 Prozent der Mittel ­abgerufen und neun Mandate vergeben. Im vergangenen Jahr hat die VPV entschieden, sich auch auf die Fremdkapitalseite zu begeben. Geplant ist der Aufbau eines Kreditbuchs im mittleren dreistelligen Millionenbereich, wobei ausschließlich deutsche Gewerbeimmobilien­ finanziert werden sollen. Das erste Vorhaben wurde bereits realisiert. „Wir hatten uns den Einstieg in diesen Markt leichter vorgestellt. Der Markt ist vor allem in den weniger risikobehafteten Finanzierungen sehr over-crowded. Dass sich die Banken zurückziehen und Lücken in der langfristigen Finanzierung hinterlassen, hat mit der Realität unserer Erfahrung nach wenig zu tun“, so Lang. Auf den Umweg eines Fondsvehikels verzichtet er. „Wir sind schon lange im Bereich der privaten Baufinanzierung unterwegs. Das ist im administrativen Bereich eine Basis, auf der man aufbauen kann“, so Lang. In der Anbahnung von Geschäften, den Vertragsverhandlungen und der Due Diligence arbeitet die Versicherung mit externen Partnern zusammen.

Kerstin Bendix und Tobias Bürger

portfolio institutionell, Ausgabe 6/2014

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