Stiftungen
27. November 2013

Stiftungen müssen professioneller arbeiten

Die Arbeit von Stiftungen ist in der Niedrigzinsphase bedroht. Das zeigt eine Befragung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Gleichzeitig treten Schwächen im Anlageprozess offen zutage.

Die Mehrheit der deutschen Stiftungen ist bisher offenbar relativ gut durch die Krise gekommen, so lautet eine der zentralen Erkenntnisse einer Umfrage unter 250 Stiftungen des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Der Dachverband wollte mit der Online-Befragung im vergangenen Juli herausfinden, welche Auswirkungen die Niedrigzinsphase für die Einrichtungen des sogenannten Dritten Sektors hat. 
Der Bundesverband hat sich in der Befragung auf die Resultate des Geschäftsjahres 2012 konzentriert. Im Vergleich zu den Jahren 2010 und 2011 sind im vergangenen Jahr die ordentlichen Erträge, wie Zinseinnahmen, Dividenden und Mieten, bei knapp 40 Prozent der befragten Stiftungen gleich geblieben. Die außerordentlichen Erträge, die auf realisierte Kursgewinne zurückgehen, blieben bei 57 Prozent der Stiftungen gleich. Interessanterweise verzeichnete mehr als ein Viertel der befragten Einrichtungen eine Zunahme der ordentlichen Erträge. Bei knapp 30 Prozent der Stiftungen hätten die außerordentlichen Erträge zugenommen, so der Bundesverband. 
Sinkende Renditen geben Anlass zur Sorge 
Zu den Ergebnissen der Befragung erläutert der Generalsekretär des Bundesverbandes, Prof. Dr. Hans Fleisch: „Die Erträge haben sich bei den verschiedenen Stiftungen unterschiedlich entwickelt, im Stiftungssektor insgesamt sind sie bislang stabil geblieben.“ Nominale Vermögensverluste habe es kaum gegeben, so Fleisch, der nicht nur gute Nachrichten in petto hat: „Je länger die Niedrigzinsphase andauert, desto dünner wird die Luft für Stiftungen.“ 
Am Verlauf des Renditetrends lässt sich die zunehmend schwierige Situation deutlich ablesen. Während die Rendite auf das Stiftungsvermögen im Jahr 2008 bei einer ähnlichen Befragung im Durchschnitt noch bei 4,4 Prozent lag, sank der Vermögensertrag im Jahr 2010 zunächst auf 3,5 Prozent ab und rutschte 2011 und 2012 auf im Schnitt drei Prozent. 
Auch wenn die Renditen im zurückliegenden Geschäftsjahr deutlich unter Druck geraten sind, haben lediglich 7,3 Prozent der Stiftungen Vermögensverluste realisiert. Im Jahr davor waren es noch 11,5 Prozent der Stiftungen. Kritischer stellt sich die Situation bei den Buchverlusten dar: 14,3 Prozent der Befragten verzeichneten im vorigen Jahr Buchwertverluste.
Vor diesem Hintergrund sind die Aussichten auf den realen Erhalt des Stiftungsvermögens bei vielen Stiftungen gedämpft. Ein Fünftel der befragten Stiftungen befürchtet, das Stiftungsvermögen in den kommenden zwei Jahren real, also inflationsbereinigt, nicht erhalten zu können. Das ist insofern problematisch, da Stiftungen in der Regel zeitlich unbegrenzt tätig sein wollen. Das unterscheidet sie von den sogenannten Verbrauchsstiftungen, deren Tätigkeit zeitlich befristet ist. 
Stiftungen, denen es nicht gelingt, die Kaufkraft ihres Vermögens zu erhalten, drohen langfristig Zäsuren bei der Ausübung ihres Stiftungszwecks. Bislang sind allerdings kaum Einschnitte in der Stiftungsarbeit zu erkennen. Laut der Befragung des Bundesverbandes sind die Ausgaben für die Verwirklichung der individuellen Stiftungszwecke im vergangenen Jahr nur bei jeder fünften Stiftung zurückgegangen. 
Fundraising als Ausweg
Einen Ausweg aus der zunehmend bedrohlichen Situation besteht für immer mehr Stiftungen darin, Spenden und Zustiftungen einzuwerben. Besonders kleine Stiftungen mit weniger als eine Million Euro Stiftungskapital wollen neue Einnahmequellen erschließen. Große Stiftungen planen eher durch Kooperationen die Hebelwirkung ihrer Stiftung zu verstärken, heißt es beim Bundesverband. 
Ein weiterer Ausweg besteht nach Angaben des Generalsekretärs Fleisch darin, zunächst Anlagerichtlinien zu schaffen oder bestehende Anlagerichtlinien zu überarbeiten. Lediglich 53 Prozent der befragten Stiftungen haben ihre Anlagestrategie in Form einer Anlagerichtlinie ausformuliert. Das ist ein außerordentlich bedenklicher Wert. Insbesondere bei den kleineren Einrichtungen besteht offenbar noch erheblicher Nachholbedarf, wenn es darum geht, die Eckpfeiler der eigenen Kapitalanlage zu definieren. Hochprofessionellen Umgang mit den Kapitalanlagen kann man nur den größeren Stiftungen attestieren. 61 Prozent von ihnen haben ihre Anlagestrategie niedergeschrieben. Bei den kleineren Stiftungen sind es lediglich 46 Prozent. 
Flexible Anlagerichtlinien sind sinnvoll 
Dass es den Einrichtungen des Dritten Sektors häufig an schriftlich fixierten Anlagegrundsätzen und -richtlinien mangelt, die die Vorstellungen und Ziele der Stiftung als Investor konkretisieren, kristallisierte sich jüngst auch bei einem Expertenseminar von portfolio institutionell in Stuttgart heraus. Fehlende Anlagerichtlinien scheinen demnach ein Grund dafür zu sein, weshalb Stiftungsvertreter häufig an Staatsanleihen als zentrale Komponente im Portfolio festhalten, statt die Vermögenswerte über verschiedene Anlageklassen und Renditetreiber zu streuen.
Nach Darstellung des Stiftungsexperten Christoph Mecking sollten konkrete Anlagegrundsätze allerdings schon deshalb formuliert werden, um das Haftungsrisiko für den Vorstand zu verringern. Vermögensverwalter Karl-Heinz Nagel ergänzte im Rahmen des Expertenseminars „Professionelle Vermögensverwaltung in Stiftungen“, dass Anlagerichtlinien so formuliert werden müssen, dass die Allokation problemlos an sich ändernde Marktsituationen angepasst werden kann. Auch sollten Stiftungsvorstände genau definieren, welches Risiko sie zu tragen bereit sind, wie Nagel forderte. 
Nach Angaben von Peter Anders, Mitglied der Geschäftsleitung beim Stifterverband  für die Deutsche Wissenschaft, haben viele Stiftungen kaum Vorstellungen darüber, wie Anlagerichtlinien aussehen können. „Sie erwarten das oftmals von uns“, moniert Anders, jüngst im Rahmen des Stiftungs-Roundtable auf dem Trendforum von portfolio. 
portfolio institutionell newsflash 27.11.2013/Tobias Bürger
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