Stiftungen
20. Juli 2015

Stiftungen sind zäh

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen wirft in einer Befragung ein Schlaglicht auf aktuelle Stiftungsrenditen, Erträge und Ausgaben. Eine zentrale Erkenntnis besagt, dass Stiftungen ihre Ausgaben trotz Niedrigzins konstant halten wollen.

In Zeiten niedriger Zinsen wird es für viele Stiftungen immer schwieriger, genügend Erträge aus ihrem Kapital zu erwirtschaften. Darauf weist der Bundesverband Deutscher Stiftungen in einer aktuellen Mitteilung hin. Aber an einem wollen Stiftungen nicht sparen: den Ausgaben für den guten Zweck. Dies ergab eine Befragung des größten Stifterverbands in Europa im Rahmen des sogenannten Stiftungspanels; dabei handelt es sich um ein Erhebungsinstrument zur Erforschung der Stiftungslandschaft. Hier können die Einrichtungen schnell und einfach ihre Meinung zu aktuellen Themen einbringen. An der jüngsten Befragung haben 184 Stiftungen teilgenommen. Das entspricht über 40 Prozent, der 456 registrierten Teilnehmer des Stiftungspanels, so der Verband. 
Wie der Befragung zu entnehmen ist, planen knapp 60 Prozent der befragten Stiftungen die Ausgaben auch künftig konstant zu halten; ein weiteres Viertel will die Ausgaben sogar steigern. „Stiftungen sind zäh, sehr zäh. Das beweist auch der Optimismus, mit dem sie auf ihre Ausgaben in den kommenden Jahren schauen. Stiftungen haben schon schwierigere Phasen als die der niedrigen Zinsen hinter sich. Wir nehmen die Lage aber nicht auf die leichte Schulter und versuchen Austausch, Voneinander-Lernen und Kooperationen anzukurbeln. Nur so kann der Stiftungssektor schlagkräftig bleiben“, sagt Prof. Dr. Michael Göring, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. 
Die Großen verdienen deutlich mehr
Die Rendite aller befragten Stiftungen lag 2014 durchschnittlich bei 3,3 Prozent (Median). Dies ist laut dem unabhängigen Dachverband eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr (3,1 Prozent). Stiftungen unter einer Million Euro Kapital mussten sich 2014 mit drei Prozent begnügen, Stiftungen über einer Million Euro Kapital erzielten eine Rendite von 3,5 Prozent. Unter den Teilnehmern der Befragung waren auch elf Stiftungen mit einem Kapital von über 100 Millionen Euro. Sie erwirtschaften im vergangenen Jahr sechs Prozent Rendite (Median). Der Grund für die gute Performance: Größere Stiftungen profitieren häufig über einen höheren Immobilien- und Aktienanteil vom Erfolg dieser Anlagen, vermutet der Bundesverband Deutscher Stiftungen. Zudem haben sie in der Regel eigene hauptamtliche Mitarbeiter für das Vermögensmanagement. Und das können längst nicht alle Stiftungen von sich behaupten.
Ausgaben sind gestiegen
Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat in der aktuellen Befragung auch die Ausgabenseite hinterfragt. Erkenntnis hier: Die Mehrheit der befragten Stiftungen konnte ihre Zweckausgaben im Jahr 2014 steigern (43,3 Prozent) oder auf dem Niveau der beiden Vorjahre halten (37,1 Prozent). Bei einem Fünftel (19,7 Prozent) sind sie gesunken. Wohl auch deshalb schauen die befragten Stiftungen recht optimistisch in die Zukunft und erwarten überwiegend keine Einschnitte bei den Ausgaben, heißt es beim Bundesverband.
Bei 28,5 Prozent der befragten Stiftungen sind im vergangenen Jahr die ordentlichen Erträge, dazu zählen Zinsen, Dividenden und Mieteinnahmen, gestiegen; bei 40,8 Prozent sind sie jedoch gesunken. Auch 2015 rechnen 40 Prozent der Stiftungen mit einer Abnahme. Bei den außerordentlichen Erträgen, zum Beispiel realisierte Kursgewinne, ist das Verhältnis umgekehrt: 36,3 Prozent der Stiftungen hatten 2014 mehr außerordentliche Erträge als in den beiden vorangegangenen Geschäftsjahren, 21,4 Prozent weniger. 
Wie Stiftungen bei gesunkenen Erträgen die Ausgaben stabil halten wollen, lässt sich nur vermuten: Frühere Befragungen und aktuelle Statements zeigen, dass Stiftungen vor allem auf Fundraising, Wirkungssteigerung, mehr Kooperation und Kostensenkungen setzen. 
portfolio institutionell newsflash 20.07.2015/Tobias Bürger
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