Pensionsfonds
17. Januar 2018

Stress nach dem Test

Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die bAV hat im Dezember die Ergebnisse ihres zweiten Stresstests für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) veröffentlicht. Nach einem verheerenden medialen Echo wird nun Kritik an dem Test laut.

„Stresstests können sinnvoller Bestandteil des Risikomanagements sein. Sie müssen aber praxisgerecht sein und die Ergebnisse sollten richtig interpretiert und kommuniziert werden. Sonst können sie sich absolut kontraproduktiv auswirken und sinnvolle Altersversorgung erschweren”, kritisiert Dr. Georg Thurnes, Chefaktuar des Beratungsunternehmens Aon Hewitt, die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa). Die Behörde hatte Mitte Dezember 2017 die Ergebnisse ihres zweiten Stresstests für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) veröffentlicht.
Thurnes kritisiert, dass daraufhin in der medialen Berichterstattung von einer „verheerenden Unterdeckungen“ berichtet wurde. Bis zu 700 Milliarden Euro würden zur Abdeckung von Betriebsrentenansprüchen fehlen. „Selbstverständlich ist die augenblickliche Niedrigzinsphase für alle EbAV belastend. Der Stresstest unterstellt aber, dass ganz extreme Belastungen an einem Stichtag plötzlich und gesammelt auftreten und die Situation sich dann auf Dauer nicht mehr verändert. Hieraus tatsächliche Bedeckungslücken oder gar bedrohliche Auswirkungen für die Trägerunternehmen dieser EbAV abzuleiten ist praxisfern”, so Thurnes.
Seien Sanierungsmaßnahmen erforderlich, würden diese in der Regel behutsam, möglichst frühzeitig und vorbeugend über längere Zeiträume geplant und umgesetzt. Bewertet man die Verpflichtungen nach nationalem Recht, was laut Thurnes Teil der Eiopa-Übung sei, dann sind die Verpflichtungen der deutschen EbAV aktuell bedeckt – vor und nach Stress auf die Vermögenswerte.
Schon auf der Pressekonferenz der Finanzaufsicht Bafin am 10. Mai 2016 wurde die Situation der EbAV thematisiert. Die Aufseher bestätigten, dass sieben PKs den Stresstest der Bundesfinanzaufsicht nicht bestanden hätten. Der Chef der Versicherungsaufsicht, Frank Grund, warnte: „Möglicherweise können daher bald einzelne Pensionskassen nicht mehr aus eigener Kraft ihre Leistungen in voller Höhe erbringen.“ 
portfolio institutionell 16.01.2018/Tobias Bürger

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