Stromspeicher elektrisieren Anleger
Für Ende 2026 werden in Deutschland neun GWh prognostiziert. Ikav gelingt First Close bei 75 Millionen Euro.
Im Jahr 2025 verzeichnete der Markt für Großbatteriespeicher eine deutlich dynamische Entwicklung mit stark steigenden Umsätzen. Parallel dazu wuchs auch die installierte Infrastruktur spürbar. Die Gesamtkapazität stieg auf rund vier Gigawattstunden, während die installierte Leistung etwa 2,5 Gigawatt erreichte. Dies geht aus der im Mai veröffentlichten Branchenanalyse des Bundesverband Energiespeicher Systeme, BVES, hervor.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber war für den Verband – neben den Investitionen – die zunehmende aktive Vermarktung der Speicher. Insbesondere durch die Teilnahme an Regelenergiemärkten sowie die Nutzung von Spotmarkt-Arbitrage seien die Erlöse deutlich gesteigert worden.
Co-Location und Arbitrage
Für das Jahr 2026 erwartet der BVES eine weitere deutliche Expansion des Großbatteriespeichermarktes. Zentrale Wachstumstreiber seien insbesondere Co-Location-Modelle sowie ein zunehmendes Arbitragepotenzial an den Strommärkten. Auf dieser Grundlage stellt die Analyse einen Ausbau der installierten Kapazität auf rund neun Gigawattstunden sowie eine installierte Leistung von etwa fünf Gigawatt bis Ende 2026 in Aussicht. Darüber hinaus bestehe ein erhebliches langfristiges Wachstumspotenzial: Im Rahmen des Netzentwicklungsplans Strom für 2037/2045 werden Speicherbedarfe in einer Größenordnung von 41 bis 93 Gigawatt angemeldet, wobei ein großer Teil bereits Netzanschlusszusagen habe.
Um den Gigawatt-Speicher-Ausbau verdient machten sich zuletzt insbesondere die Allianz und der Asset Manager Ikav (Eigenschreibweise IKAV). Wie berichtet erwarb der Versicherungskonzern 51 Prozent an der Green Energy Storage Initiative (Gesi; Eigenschreibweise GESI). Das deutsche Unternehmen entwickelt, errichtet und betreibt nach eigenen Angaben leistungsstarke und digitalisierte Großbatteriespeicher zur Bereitstellung von Flexibilität im Energiesystem. Aktuell realisiere Gesi drei Großbatteriespeicherprojekte an verschiedenen Standorten in Bayern und Niedersachsen mit insgesamt rund 2,6 Gigawatt Anschlussleistung.
Ikav-Fonds bietet Zugang zu Late-Stage-Speichern
Die Ikav konnte nun ein überzeichnetes First Closing seines deutschen Batteriespeicher-Fonds melden. Die Kapitalzusagen in Höhe von 75 Millionen Euro stammen von deutschen institutionellen Investoren. Das Portfolio umfasse derzeit fünf exklusiv gesicherte Standalone-Projekte mit einer Gesamtkapazität von über einem Gigawatt. Zwei Projekte sollen im Herbst 2026 in Betrieb gehen; für die übrigen Projekte ist die kommerzielle Inbetriebnahme für 2027 und 2028 geplant.
Nach eigenen Angaben konnte Ikav durch den frühzeitigen Markteintritt ein Portfolio sichern, das kurz vor Inbetriebnahme von dem Artikel-8-Fonds übernommen wird. Dies begrenzt Entwicklungs- sowie Bauverzögerungsrisiken und ermöglicht laufende Cash-Renditen bereits im ersten Jahr nach den Kapitalabrufen. Constantin von Wasserschleben, Chairman von Ikav, kommentiert: „Die Energiewende in Deutschland und der massive Ausbau erneuerbarer Erzeugung erfordern eine flexible Energieinfrastruktur. Großbatteriespeicher tragen dazu bei, Volatilität zu reduzieren und Energiepreise zum Nutzen von Marktteilnehmern und Verbrauchern zu stabilisieren. Der aktuelle Zubau an Batteriespeichern wächst robust, bleibt jedoch deutlich hinter dem Marktbedarf zurück. Vor diesem Hintergrund erwarten wir eine solide Wertentwicklung für Marktteilnehmer, die in der Lage sind, BESS-Assets (Battery Energy Storage System) kurzfristig in Betrieb zu nehmen.“
Verbände fordern regulatorische Sicherheit
Trotz des offensichtlichen Bedarfs an Stromspeichern bestehen allerdings – wie auch der BVES schreibt – regulatorische und wirtschaftliche Unsicherheiten, die das Wachstum bremsen. Besonders relevant seien dabei Unsicherheiten rund um flexible Netzanschlussverträge sowie Diskussionen über das mögliche Ende der Netzentgeltbefreiung für Speicher. Nach geltendem Recht sind Großbatterien und andere Stromspeicher, die vor dem 4. August 2029 ihren Betrieb aufnehmen, von Netznutzungsentgelten befreit.
Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, BDEW, sagt in einem aktuellen Kommentar zum Gesetzesentwurf zur Sicherung der Versorgungssicherheit Strom und zur Bereitstellung neuer Kapazitäten (StromVKG), dass es entscheidend ist, dass die Ausschreibungen von Beginn an Rechts- und Investitionssicherheit bieten. „Das StromVKG kann nur erfolgreich sein, wenn Unternehmen, die neue Kraftwerke, Speicher oder Flexibilitäten realisieren sollen, vor der Gebotsabgabe mit verlässlichen Rahmenbedingungen über Kosten, Pflichten und Risiken kalkulieren können“, so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Energiewende | Infrastruktur / Infrastructure Equity
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