Schwarzer Schwan
29. November 2013

Studenten im Bündel abzugeben

Die britische Regierung hat ein großes Bündel notleidender Studentenkredite an einen privaten Schuldeneintreiber verkauft. Es ist nicht das erste Mal, dass man in dem Bereich der Privatwirtschaft mehr Leistungsfähigkeit zutraut.

In Großbritannien hat man mal wieder die Nase voll von Akademikern, die ihre Studentenkredite auch nach Jahren nicht tilgen. Nachdem das Königreich bereits kurz vor der Jahrtausendwende Studentenkredite versilbert hat, trennte sich nun auch die amtierende britische Regierung unter David Cameron von einem Paket angejahrter Darlehen. Insgesamt wurden Kredite der staatseigenen Student Loans Company im Nennwert von 890 Millionen Pfund an einen privaten Schuldeneintreiber verkauft. Maggie Thatcher wäre amused.
Man wolle sich nun um die Verwaltung neuerer Darlehen kümmern, heißt es zur Begründung. Nun ließe sich trefflich darüber spekulieren, ob die Regierung in arger Geldnot ist, oder was sie dazu bewogen hat, für die non-performing loans lediglich 160 Millionen Pfund zu verlangen, also 82 Prozent ihres Einsatzes abzuschreiben. Wie es heißt, soll der Erlös für den Abbau der Staatsverschuldung verwendet werden. Nun, das klingt eher nach dem Tropfen auf den heißen Stein – liegt doch die Staatsverschuldung Großbritanniens im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung in diesem Jahr bei ungemütlichen 93 Prozent. 
Asset Liability Management mit Studenten
Wie es heißt, sei „die Privatwirtschaft am besten dazu in der Lage“, die ausstehenden Gelder einzusammeln. Cameron & Co scheinen sich anscheinend keine Sorgen zu machen, dass der verschuldete Akademikernachwuchs nun von Distressed-Investoren und deren Schuldeneintreibern aus der russischen Privatwirtschaft unter Stress gesetzt werden könnten. Das mag sein, denn schließlich ist es nur schwer vorstellbar, dass britische Regierungsbeamte den klammen 250.000 Hochschülern, die die Kredite zwischen 1990 und 1998 aufgenommen haben, auf die Pelle rücken.
Dem Investor steht es frei, das toxische Kreditpaket, dessen Recovery Ratio sich nur schwer abschätzen lässt, institutionellen Investoren anzudrehen, die auf diese Weise ihre Portfolios diversifizieren könnten. Zuvor muss allerdings geklärt werden, inwieweit non-performing student loans mit traditionellen Anlageklassen korrelieren, welche Rolle dabei die Fachrichtung spielt und mit wie viel Eigenkapital man Studenten hinterlegt. Interessant zu erfahren wäre auch, ob zahlungsschwache Studenten im Asset-Liability-Management einer Pensionseinrichtung eher als Aktiva oder Passiva einzustufen sind. 
In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein schönes Wochenende. 
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