Immobilien
30. März 2022

Studentisches Wohnen wird unattraktiver

Savills: Fundamentaldaten bleiben insgesamt positiv. Spitzenrendite sinkt auf 3,3 Prozent.

Mehr Angebot trifft auf weniger Nachfrage: Dies konstatiert ein Bericht von Savills zum studentischen Wohnungsmarkt in Deutschland. Nach 20 Jahren Wachstum zeichne sich bei der Zahl der Studierenden eine Trendwende ab. Die Zahl der Studienanfänger in Deutschland lag im Jahr 2021 um rund sieben Prozent niedriger als noch vor zwei Jahren. „Mit rund 2,9 Millionen Studierenden waren noch nie so viele Menschen an einer Hochschule eingeschrieben. Diese Rekordzahl resultiert allerdings primär aus einer geringen Zahl an Studienabschlüssen, denn die Zahl der Studienanfänger sinkt bereits seit einigen Jahren“, berichtet Matti Schenk, Associate Research Germany bei Savills und ergänzt: „Für die kommenden Jahre ist daher mit leicht sinkenden Studierendenzahlen zu rechnen, denn selbst ein starker Anstieg der internationalen Studienanfängerzahlen würde demografisch bedingte Rückgänge bei inländischen Erstsemestern nicht ausgleichen können. Außerdem dürfte es bei der Zahl der Studienabschlüsse zu einem Nachholeffekt kommen.“

Hinzu komme, dass sich auch an den Wohnungsmärkten die Angebots-Nachfrage-Situation etwa zu Gunsten der Mieter verschieben könnte. Zwar seien die Wohnungsmärkte der 30 größten Hochschulstädte noch weit von einer Entspannung entfernt, doch zum ersten Mal seit Jahren ist die Leerstandsrate zuletzt nicht weiter gefallen. Im Gegensatz zu den Vorjahren dürfte die Wohnungsverfügbarkeit für Studierende somit nicht weiter abnehmen.

Angebot entwickelt sich weiterhin dynamisch

Gleichzeitig wächst das Angebot am Markt für Studentisches Wohnen weiter. Laut einer Erhebung von Savills gab es zum Ende des Jahres 2021 in den 30 größten Hochschulstädten etwa 66.100 Betten in privatwirtschaftlichen Studierendenwohnanlagen. Die gesamte Versorgungsquote (private und gemeinnützige Anbieter) lag in den Top-30-Hochschulstädten bei durchschnittlich 14,2 %. Das Privatangebot hat sich in den letzten zehn Jahren fast vervierfacht und in den kommen drei Jahren dürften circa 16.300 Betten von privaten Anbietern hinzukommen.

Anstieg bei Volumen und Preise

Mit dem wachsenden Angebot wächst auch der investierbare Bestand für Immobilieninvestoren. Nach Meinung von Savills dürften viele Investierenden ihr angestrebtes Anlagevolumen noch nicht erreicht haben. Außerdem traten und treten neue Akteure in den Markt ein. „Die Bieterverfahren um gut positionierte Studierendenwohnanlagen sind weiterhin intensiv. Dementsprechend ging die Spitzenrendite im vergangenen Jahr auf 3,3 Prozent zurück“, berichtet Alexander Bräul, Associate Director Operational Capital Markets bei Savills und blickt voraus: „Insgesamt rechnen wir bei Spitzenobjekten mit einer weiteren leichten Renditekompression.“ Im Jahr 2014 lag die Spitzenrendite noch bei fünf Prozent.

Details werden wichtiger

Savills kommt zum Schluss, dass der deutsche Markt für Studentisches Wohnen nach einer jahrelangen Boomphase nun in eine Reifephase übergleitet. Die eingeleitete Trendwende auf der Nachfrageseite dürfte bei wachsendem Angebot zu einem intensiveren Wettbewerb zwischen den Wohnanlagen führen. „Angesichts der im Langfristvergleich weiterhin hohen Studierendenzahlen, der fortwährenden Angebotsknappheit am Wohnungsmarkt sowie des derzeitigen Ausgangsniveaus bei der Versorgungsquote erwarten wir keine verbreiteten erheblichen Auslastungsschwierigkeiten von Studierendenwohnanlagen“, konstatiert Florian Gust, Director Corporate Finance – Valuation bei Savills und merkt an: „Allerdings könnten Wohnanlagen mit Defiziten bei der Lage- oder Preis-Leistungs-Qualität, die bisher vor allem vom deutlichen Nachfrageüberhang profitierten, zukünftig Schwierigkeiten bei der Erzielung der angestrebten Auslastung oder Mieten bekommen.“

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