17. November 2011

Studie: Preis entscheidet bei der Depotbank-Auswahl

Depotbankleistungen weisen einen hohen Homogenitätsgrad auf. Lediglich einige wenige Leistungen werden von einzelnen Instituten explizit und damit ausschließlich angeboten. Zu dieser Einschätzung kommt die aktuelle Depotbankstudie aus dem Hause Bearingpoint.

Nach Ansicht der Autoren stellen Depotbank-spezifische Leistungen kein Differenzierungsmerkmal dar. Auch verkörperten sie „in keiner Weise den Stellenwert eines tatsächlichen Alleinstellungsmerkmals“, der Depotbankkunden veranlassen würde, eine Depotbank wegen dieses zusätzlichen Leistungsangebots bewusst auszuwählen. Das führt die Studienautoren zu der Erkenntnis, dass der Preis zum entscheidenden Faktor für die Auswahl einer Depotbank wird.
Im Rahmen der Neuauflage der Depotbankstudie hat sich die Beratungsgesellschaft ein aktuelles Meinungsbild über den Depotbankenmarkt verschafft. Von 52 kontaktierten Instituten hätten 20 an der Studie teilgenommen. Die Teilnehmer repräsentierten 38 Prozent aller Depotbanken am Markt (2010) und über 70 Prozent des Fondsvolumens – bezogen auf die Assets under Depotbank (AuD).
Wie Bearingpoint erläutert, gab es seit der vorherigen Marktbeobachtung zum Depotbankenmarkt (2008) im Zuge der Krise einige richtungsweisende Veränderungen und Einschnitte, die eine wiederholte Marktbefragung rechtfertigten.
Depotbankrundschreiben im Fokus
Konkret wurde untersucht, wie das Leistungsportfolio und die Mengengerüste der Depotbanken unmittelbar nach der Finanz- und Wirtschaftskrise aussehen und wie die Institute mit den regulatorischen Anforderungen umgehen. 
„Angetrieben war das Ganze nicht zuletzt durch das Depotbankrundschreiben, das verschiedene im Depotbankmarkt vorhandene Unwägbarkeiten durch eine klare und strukturierte Artikulierung der Anforderungen an die deutschen Depotbanken auszuräumen versuchte“, geben die Studienautoren zu bedenken. Das Rundschreiben sei aber nicht nur ein wichtiger Auslöser für die Durchführung der Befragung gewesen, sondern habe auch die gewählte Strukturierung dominiert.
Global Custodians im Blick
Die Ergebnisse der Studie sind mannigfaltig. Laut Bearingpoint zeigt sie insbesondere, dass die Berechnung des Net Asset Value (NAV) überwiegend in der Depotbank selbst oder mit Unterstützung der eigenen Kapitalanlagegesellschaft erfolgt. Auch fungiere die Depotbank bereits als unabhängige, weitere Kontrollinstanz zur Anlagegrenzprüfung.
Den Studienautoren zufolge lassen sich indes Tendenzaussagen, dass zum Beispiel größere Institute eher zu selbst erstellten Leistungen neigen, kleinere Institute hingegen bei zusätzlichen Services eher auf Dienstleister zurückgreifen, mittels des vorliegenden Datenmaterials nicht bestätigen. Gleiches gelte für die (mögliche) Vermutung, dass bestimmte Zusatzdienstleistungen „zum zwingenden Bestandteil einer Depotbank werden und andere nicht“. Hier zeichne sich eher ein differenziertes Bild ab, dass verstärkt auf unterschiedliche Services gesetzt werde.
Die Berater von Bearingpoint schließen daraus, dass „der Depotbankenmarkt in dieser Beziehung noch in der Findungs- oder Definitionsphase ist“. Erläuternd heißt es, dass Dienstleistungen wie etwa Performancemessung oder Risikomanagement als eigenständiges Angebot der Depotbanken fast hinfällig seien. Zur Begründung verweist die Strategieberatung auf marktdominierende Anbieter, die sich in diesem Segment bereits etabliert hätten.
Richtungsweisend seien die Ergebnisse der Analyse vor allen Dingen für Global Custodians, die ihren Service deutschlandübergreifend, auch im Ausland, anbieten. Bearingpoint zufolge profitierten sie von Economies of Scale, „weil es gelingt, zusätzliche, durch das Ausland hinzugewonnene Volumina abzuwickeln, die Effizienz zu steigern und so die Stückkosten zu reduzieren“. Gleichzeitig könnten die Marktanteile kontinuierlich ausgebaut werden.
Die Kunden von Global Custodians profitierten im Gegenzug davon, „dass sie grenzübergreifend bedient werden können und sich so bei internationalen Transaktionen nicht eigenständig um im Ausland agierende Custodians bemühen müssten“.
Handlungsbedarf bei den Instituten
Darüber hinaus kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass das Reporting nicht zu den Standardleistungen einer deutschen Depotbank gezählt werden kann. Grund hierfür sei die Dominanz der Kapitalanlagegesellschaften in diesem Bereich.
Bearingpoint rät den Instituten zur Entwicklung von „Geschäftsmodellen, die eine unternehmensweite Asset Management-Strategie verkörpern“. Darüber hinaus  sollten adäquate Risikomanagementansätze verankert werden, die insbesondere der Verwahrungsthematik professionell Rechnung tragen. An dieser Stelle werde, so Bearingpoint, gerade auf EU-Ebene, weiterer Handlungsbedarf auf die deutschen Depotbanken zukommen.
portfolio institutionell newsflash 16.11.2011/tbü
Autoren:

Schlagworte:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert