Asset Manager
18. Mai 2020

Studie: PRI-Signatur erhöht Fund Flows, aber nicht ESG-Wert

Erhöhtes Risiko von Umweltkontroversen feststellbar. Zudem sinkt Performance.

Eine neue Studie von Forschern der Georgia Tech und der North­western University zur Investoreninitiative PRI kommt zu wenig ­schmeichelhaften Ergebnissen. Zwar habe eine Unterschrift für unterzeichnende Asset Manager das erfreuliche Ergebnis, dass die Fund Flows nach der Unterzeichnung deutlich im positiven ­Bereich liegen. Weniger erfreulich ist, dass der auf Fondsebene gemessene ESG-Score auch nach Unterzeichnung konstant bleibt. Umweltkontroversen nehmen nach Unterzeichnung sogar zu. Aus Investoren­sicht unerfreulich ist zudem, dass die Performance nach Unterzeichnung sinkt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis: „Insgesamt verbessert nur eine kleine Anzahl von Fonds ESG, während viele andere den PRI-Status nutzen, um Kapital anzuziehen, ohne ­nennenswerte Änderungen der ESG vorzunehmen.“ Untersucht wurden 470 Fonds von 86 amerikanischen Fondsmanager.

Bei PRI werde man diese Forschungsarbeit in vollem Umfang ­berücksichtigen, so Dustin Neuneyer, PRI Head of Germany and Austria, auf Anfrage von portfolio institutionell. Gleichwohl gebe es methodische Bedenken bezüglich der Studie, insbesondere ­hinsichtlich der Stichprobengröße. Auch sei der ESG-Score auf Fonds­ebene nicht zwangsläufig ein Maß für ESG-Performance, so ­Neun­eyer: „So könnten Fonds beispielsweise (oder sogar gezielt) in ­Unternehmen mit schlechterer ESG-Performance investieren und sich durch Active-Ownership-Aktivitäten engagieren, um eine ­ESG- (und finanzielle) Outperformance zu erzielen – was zunächst ­jedoch zu einem niedrigeren oder insgesamt statischen ESG-Fonds-Score führen würde.“ Auch Active-Ownership-Aktivitäten wurden durch die Studie erfasst, jedoch lediglich, ob zu ESG-relevanten Fragen abgestimmt wurde, nicht aber ob zustimmend oder ­ablehnend, wie Neuneyer zurecht anmerkt. Mehr Aufschluss ­lieferte zumindest bezüglich Blackrock und Vanguard, beides PRI-Unterzeichner, eine Studie von Majority Action. Mindestens 16 ­Abstimmungen wären 2019 auf den ­Hauptversammlungen der S&P500-Unternehmen zugunsten ­klimafreundlicherer Unter­nehmenspolitik ausgegangen, wären diese von Blackrock und ­Vanguard unterstützt worden, so die NGO.

Den ESG-Score auf Fondsebene als Entscheidungskriterium auszuschließen und allein auf Active Ownership zu setzen, dürfte ­deshalb schwierig werden. Zumindest, wenn nicht Transparenz an oberste Stelle gesetzt wird, wie es beispielsweise zahlreiche skandinavische Investoren tun. Diese veröffentlichen Ausschlusslisten und kommunizieren transparent die Fortschritte ihrer ­Engagement- und Voting-Aktivitäten. Nach dieser Studie liegt mehr noch als ­bisher die Vermutung nahe, dass mittels des Verweises auf Engagement-Tätigkeiten von zahlreichen Marktteilnehmern Business-as-Usual als engagierte Klimapolitik verkauft wird – zumal wenn auf Fondsebene materiell keine Veränderungen festzustellen sind.

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