Pensionskassen
12. November 2012

Studie: Versicherer nicht ausreichend auf Solvency II vorbereitet

Das Drei-Säulen-Konzept verzögert sich und wird nicht vor dem 1. Januar 2015 in Kraft treten. Insofern kommt der in die Länge gezogene, keinesfalls jedoch fixierte Zeitplan Versicherern zugute, die noch offene Baustellen haben.

Unter dem Stichwort Solvency II wird eine Harmonisierung der europäischen Versicherungsregulierung sowie eine Verbesserung des internen Risikomanagements der Assekuranz angestrebt. Doch daraus wird so schnell nichts. Wie einer aktuellen Studie von Axa Investment Managers unter 50 Versicherungsunternehmen und zwölf Pensionskassen zu entnehmen ist, ist ein Großteil von ihnen auf die Einführung des neuen Regelwerks noch nicht vorbereitet. So fühlen sich 46 Prozent der Versicherer und 75 Prozent der Pensionskassen zum ursprünglich geplanten Umsetzungstermin nicht gerüstet.
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass vor allem kleinere Versicherungsunternehmen mit jährlichen Brutto-Prämieneinnahmen von weniger als einer Milliarde Euro zum ursprünglichen Termin nicht ausreichend vorbereitet wären. Bei einem Blick auf die unterschiedlichen Versicherungsanbieter zeigt die Umfrage, dass sich im Gegensatz dazu die Schaden- und Unfallversicherer am besten gerüstet sehen.
Christina Böck, Chefstrategin bei Axa Investment Partners, lässt sich mit den Worten zitieren: „Das Ergebnis mit Blick auf die Größe von Versicherungsunternehmen ist nicht wirklich überraschend, kleine Unternehmen haben kaum die Möglichkeit, ein eigenes Modell zu entwickeln, das ihnen geringere Kapitalanforderungen als im Standardmodell ermöglichen würde.“ Somit müssten sie für die gleichen Risiken vergleichsweise mehr Kapital bereitstellen als größere Versicherer, die sich ein internes Modell leisten.
Rückversicherer ächzen
Den größten Nachfragebedarf haben der Axa-Studie zufolge die Rückversicherungsunternehmen. 71 Prozent gaben an, zum ursprünglichen Termin nicht „komplett gerüstet“ zu sein. Dass Rückversicherer sich nicht bereit fühlen, ist für Christina Böck nachvollziehbar: „Solvency II belegt die Passiva von Rückversicherern mit sehr hohen Eigenkapitalanforderungen.“ So werde zum Beispiel geografische Diversifikation kaum als risikomindernd anerkannt.
Die größten Sorgen bereiten vor allem die Säulen zwei und drei. Im Bereich des Risikomanagements (Säule II) gaben 65 Prozent der befragten Unternehmen an, in ihren Vorbereitungen lediglich auf einem befriedigenden oder gar schlechten Stand zu sein. Hinsichtlich der Transparenzanforderungen und Reportingpflichten liegt dieser Wert sogar bei 93 Prozent.
Die größten Auswirkungen durch das neue Aufsichtsregime sehen 72 Prozent der Versicherer übrigens in der Senkung der Durationslücken, also des Auseinanderklaffens der durchschnittlichen Laufzeiten von Kapitalanlagen und Verbindlichkeiten. Die Bewertungen durch die Pensionskassen fallen dagegen mit 33 Prozent deutlich geringer aus, gibt Axa zu bedenken. Außerdem gingen 60 Prozent der Befragten davon aus, dass durch Solvency II das Portfolio mehr diversifiziert werde. „Das Zinsrisiko zu tragen, indem man Durationslücken bestehen lässt, bringt an sich keine Rendite“, ist Böck überzeugt. Daher lohne es sich nicht, dieses nun mit Kapitalbedarf belegte Risiko weiter zu tragen. „Die Aussage, dass die Diversifikation steigen wird, ist sehr erfreulich – der risikomindernde Effekt wird von Solvency II sehr wohl gesehen. Allerdings werden auch schlicht kapitalintensive Anlageklassen zurückgefahren werden“, lautet ihr Fazit.
Solvency II sollte ursprünglich Anfang nächsten Jahres in der Europäsichen Union eingeführt werden und zwar mit einer einjährigen Frist, in der die Assekuranz zwar Risikodaten nach den neuen Regeln erheben sollte, aber noch nach den alten Regeln (Solvency I) hätte arbeiten können. Vollständig gelten sollte Solvency II dann ab 2014.
portfolio institutionell newsflash 12.11.2012/tbü
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