Versicherungen
23. März 2016

Talanx setzt auf Fremdwährungen und Infrastruktur

Die Anlagestruktur der Talanx ist im Grundsatz unverändert, doch im Detail hat sich einiges getan. Die 2015 erzielte Nettorendite bezeichnet der Talanx-Vorstandschef trotz eines Rückgangs um 0,5 Prozentpunkte als „sehr erfreulich“.

Der Lenz ist da und damit auch die Dividendensaison in Deutschland, die von den Anlegern freudig erwartet wird. Die Aktionäre der Talanx-Gruppe dürfen sich für 2015 auf eine Dividendenerhöhung freuen. Wie Herbert Haas, Vorstandsvorsitzender der Talanx, auf der Bilanzpressekonferenz am Montag verriet, wurde infolge des guten Geschäftsverlaufs vorgeschlagen, die Dividende von 1,25 auf 1,30 Euro zu erhöhen. Das entspreche einer Dividendenrendite auf den Durchschnittskurs der Talanx-Aktie im abgelaufenen Geschäftsjahr von 4,6 Prozent. „Wir haben 2015 unsere Erwartungen übertroffen. Daran wollen wir die Aktionäre partizipieren lassen“, so Haas. In konkreten Zahlen heißt das: Die gebuchten Bruttoprämien stiegen im vergangenen Jahr um 9,7 Prozent auf 31,8 Milliarden Euro und das operative Ergebnis um 15 Prozent auf ein Rekordniveau von 2,2 Milliarden Euro. 
Einen Rückgang musste die Talanx 2015 unterdessen in ihrem Kapitalanlageergebnis hinnehmen. Dieses fiel um fünf Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Wie der Versicherungskonzern erklärte, resultierte dies aus einem rund 450 Millionen Euro geringeren außerordentlichen Kapitalanlageergebnis. Das ordentliche Ergebnis sei trotz Niedrigzinsumfeld um etwa 240 Millionen Euro gestiegen. Mit 3,6 Prozent fiel auch die Nettorendite der Kapitalanlagen 2015 niedriger als im Vorjahr aus. 2014 waren es noch 4,1 Prozent. Trotz dieses Rückgangs nannte Haas dieses Ergebnis „sehr erfreulich“. 
An der Struktur der selbst verwalteten Kapitalanlagen, die sich inzwischen auf stolze 100,8 Milliarden Euro belaufen (Vorjahr 90,5 Milliarden Euro), hat sich im vergangenen Jahr grundsätzlich nichts verändert. Mit einem Anteil von 90 Prozent dominieren nach wie vor die festverzinslichen Wertpapiere, wobei nahezu 80 Prozent der Festzinsanlagen in Anleihen mit einem Rating von mindestens A investiert sind. Doch im Detail gab es dennoch einige Veränderungen, wie Dr. Immo Querner, Finanzvorstand der Talanx, wissen ließ. So habe sich beispielsweise der Anteil der Nicht-Euro-Anlagen deutlich erhöht. In US-Dollar hält die Talanx derzeit 20 Prozent ihrer Kapitalanlagen. Hinzu kommen noch andere Fremdwährungen, so dass insgesamt 33 Prozent der selbst verwalteten Kapitalanlagen in Fremdwährungen gehalten werden. 
Aber nicht nur außerhalb des Euros sucht die Talanx angesichts des Niedrigzinsumfeldes nach Anlagealternativen, sondern auch im Bereich der alternativen Anlagen, allen voran in Infrastrukturprojekten. Im vergangenen Jahr hat der Versicherungskonzern etwa 647 Millionen Euro in diese Asset-Klasse investiert. Neben dem Offshore-Windpark „Gode Wind 1“, für den die Talanx als Konsortialführer die Finanzierung in Höhe von 311 Millionen Euro umsetzt, trat der Versicherungskonzern 2015 auch auf der Eigenkapitalseite bei zwei französischen und einem deutschen Windpark als Investor auf. Es gibt aber nicht nur Wind im Infrastrukturportfolio der Talanx. Im vergangenen Jahr flossen auch 52,7 Millionen Euro in ein portugiesisches Wasserversorgungsprojekt. Zudem hat sich die Talanx als Co-Investor mit einem Volumen von rund 73 Millionen Euro an Neubau, Renovierung und Betrieb von sieben Gerichtsgebäuden in Irland beteiligt. 
Auch im ersten Quartal dieses Jahres war die Talanx bereits recht rührig. So wurden unter anderem 125 Millionen Euro in einen norwegischen Windpark (Fosen Vind) sowie 54 Millionen Euro in den deutschen Windpark Parchim/Rehain und 44,1 Millionen Euro (davon rund zehn Millionen als Fremdkapital) in den deutschen Windpark Ludwigsau investiert. Und damit ist die Talanx noch längst nicht am Ende ihrer Investitionstätigkeit. Bis zum Jahr 2017 soll das in Infrastruktur investierte Volumen, das derzeit nahezu 1,3 Milliarden Euro umfasst, auf circa zwei Milliarden Euro ausgedehnt werden. Dr. Immo Querner ist zuversichtlich, dass dies gelingt. „Wir haben uns in den letzten Jahren ein gutes Netzwerk aufgebaut, so dass auch Folgeprojekte an uns herangetragen werden“, erklärt der Finanzvorstand. Er kauft aber nicht um jeden Preis. „Wenn die technischen Daten, die Zinsen oder rechtliche Deputation nicht passen, sagen wir auch Nein. Die Erreichung einer vernünftigen Kapitalanlage ist wichtiger als die Erreichung einer bestimmten Volumenvorgabe“, so Querner.  
Neben Infrastruktur stehen auch Immobilien auf dem Einkaufszettel der Talanx. Die Quote, die derzeit bei rund drei Prozent liegt, soll erhöht werden. Zu Querners Leidwesen ist es inzwischen jedoch „schwierig, geeignete Objekte zu finden.“ Eine Zeit lang habe es dem Versicherungskonzern geholfen, sich nicht mit Refinanzierungsthemen befassen zu müssen. Doch diese Zeit scheint vorbei. Das Geld der Banken sitze wieder lockerer. Eine andere Lösung, die die Talanx deshalb wählt, ist die Zusammenarbeit mit ausgewählten Projektentwicklern. „Schon in der Erstellungsphase vergeben wir Darlehen. Die Laufzeiten sind relativ kurz, doch darum geht es uns hierbei nicht, sondern darum Zugang zu Objekten zu bekommen“, berichtete Querner. Leider habe man sich diese Idee nicht patentieren lassen können, so dass es auch hier mittlerweile schwieriger geworden sei. 
Kein Gold und Bares
Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) macht auch der Talanx Kopfzerbrechen. Deshalb Goldbarren oder Bargeld zu bunkern, wie dies die Munich Re tut, hat der Versicherungskonzern jedoch nicht geplant. „Das einzige Gold, das Sie bei uns finden, ist an unserem Finger – in Form von Eheringen“, bemerkte der Finanzvorstand auf die Frage eines Journalisten. „Das Problem ist weniger das kurze Ende, das spielt eine vergleichsweise geringe Rolle in der Kapitalanlage“, führte Querner mit Blick auf die Zinsstrukturkurve aus. Das Problem sei vielmehr am langen Ende und dass die EZB auch dort als Käufer auftritt. Der Finanzvorstand sieht darin „Konkurrenz um Material“. Kein Wunder also, dass die Pläne der Europäischen Zentralbank, auch Unternehmensanleihen kaufen zu wollen, „keine Begeisterungsstürme“ bei Querner ausgelöst haben. Für ihn ist dies ein „weiterer Baustein in einer problematischen Entwicklung“. „Das macht die Verzinsung der Neuanlage noch schwieriger“, so der Talanx-Finanzvorstand. Er sieht darin die Gefahr, dass Risiken zu niedrig bepreist werden.    
Wie die Talanx auf ihrer Bilanzpressekonferenz weiter mitteilte, stand das Jahr 2015 im Zeichen einer strategischen Neuausrichtung ihrer deutschen Privat- und Firmenversicherung. So wurde beschlossen, zum Jahreswechsel 2016 das Geschäft mit traditionellen Lebensversicherungen „alter“ Bauart weitgehend einzustellen und durch Produkte der „modernen Klassik“ zu ersetzen. Bei diesem Konzept werden laut Unternehmensangaben dem Vertrag jährlich Überschüsse gutgeschrieben. Mindestens jedoch würden die eingezahlten Beiträge am Ende der Laufzeit garantiert. Durch die Endfälligkeit dieser Garantie verringere sich das Risikokapital, das die Lebensversicherer unterlegen müssen. Neben dieser Umstellung wurde 2015 planmäßig auch das Einmalbeitragsgeschäft begrenzt, was in diesem Segment zu leicht rückläufigen Bruttoprämieneinnahmen von 6,7 Milliarden Euro (2014: 6,9 Milliarden Euro) führte. Dagegen habe sich der Absatz von biometrischen Produkten, die Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen von 83 auf 88 Millionen Euro erhöht. Die Zuführung zur Zinszusatzreserve (ZZR) lag im Geschäftsjahr 2015 bei rekordhohen 493 Millionen Euro. Damit sei die ZZR im Geschäftsjahr 2015 auf 1,56 Milliarden Euro gestiegen. Laut dem zuständigen Vorstand, Dr. Jan Wicke, erfolgte die Zuführung im vergangenen Jahr aus der Versicherungstechnik und nicht den stillen Reserven. Die stillen Reserven der Talanx Deutschland lagen zum Geschäftsjahresende bei sieben Milliarden Euro. 
portfolio institutionell newsflash 22.03.2016/Kerstin Bendix
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