Transformationskompetenz hilft im Fundraising
Res Futura und WWF Deutschland erforschen, wie Beteiligungsgesellschaften die Klimakrise angehen. Ein Ergebnis: Der LP spielt hier eine wichtige Rolle.
Der Sommer 2026 sorgte für Temperaturrekorde, Waldbrände und Wasserknappheit. Auch wenn die Temperaturen wieder gesunken sind, steigt das Interesse von Family Offices und institutionellen Investoren an dem Thema, wie Private-Equity- und Venture-Capital-Gesellschaften die Klima- und Naturkrise einordnen. Der Initiative „Transforming Performance“ von Res Futura und WWF Deutschland gebührt das Verdienst, erstmals über 120 VC- und PE-Gesellschaften zu ihrer Haltung diesbezüglich befragt zu haben. Das Ergebnis: Die Notwendigkeit der Transformation ist im Markt angekommen, aber die Umsetzung hinkt hinterher.
Drei Viertel der 129 teilnehmenden Gesellschaften ordnen laut der Befragung die Transformation der Wirtschaft für sich als strategierelevant ein. Rund die Hälfte verfolgt einen operativen Wertsteigerungsansatz (Digitalisierung, Ressourceneffizienz, Lieferkettenoptimierung), vier von zehn investieren gezielt in klima- und ressourcenschonende Technologien. Doch zwischen strategischer Selbstverortung und operativer Umsetzung klafft eine Lücke. Nur zwölf der 129 Gesellschaften weisen eine durchgängige Implementierung von Transformation in Strategie, Prozessintegration, Governance, konkreten Zielen und finanziellen Anreizen auf.
GPs hören auf LPs
Die Anforderungen der LPs spielen dabei eine große Rolle: Je klarer und konkreter sie Erwartungen, wie zum Beispiel Klimaanpassungen oder Treibhausgasreduktion, formulieren, desto häufiger werden diese systematisch integriert: 95 Prozent der Häuser, die angeben, ihre LPs würden sie auffordern spezifische Themen wie Klimaverträglichkeit im Investmentprozess zu priorisieren, adressieren diese auch systematisch. So ermittelte die Befragung, dass die Zahl der Investmentphasen, in denen Klimaaspekte berücksichtigt werden, bei 5,3 von möglichen sieben liegt – fehlen spezifische Vorgaben der Investoren, sinkt sie auf 3,3.
Moderat positive Renditewirkung
Fast die Hälfte der Gesellschaften gibt zwar gegenüber „Transforming Performance“ an, keine klare Evidenz für Out- oder Underperformance von transformativen Investments zu erkennen. Gleichzeitig beschreiben vier von zehn Häusern moderat positive Renditewirkungen oder gar signifikante Wertsteigerungseffekte, während nur vereinzelt moderat oder signifikant negative Performanceerfahrungen mit transformativen Investments gemacht worden sind. Wer positive Erfahrungen gesammelt hat, zeigt eine klare Tendenz die transformative Arbeit weiter auszubauen.
Damit werde Transformationskompetenz zunehmend zu einem wettbewerbsrelevanten Qualitätsmerkmal im Fundraising. Manager, die strukturelle Anpassungsfähigkeit systematisch operationalisieren und transparent dokumentieren können, erhöhen ihre Attraktivität gegenüber langfristig orientierten Kapitalgebern, so „Transforming Performance“. Umgekehrt bleibe Kapital, das ausdrücklich in transformative Zwecke investiert werden soll, unscharf allokiert, solange Transformationsleistung nicht sichtbar und vergleichbar ist.
Die Autorinnen, Prof. Dr. Yvonne Brückner und Vanessa Bolmer, dokumentieren nach eigenen Angaben mit der Studie erstmals einen Referenzrahmen, der unterschiedliche Ansätze einordnungsfähig macht. Die Ergebnisse zeigen für die Autorinnen: Die Logik der Kapitalallokation verschiebt sich leise, aber beständig. Geplant ist, die vollständige Studie im Verlauf des Oktobers transforming-performance.info zum Download zur Verfügung zu stellen.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Erneuerbare Energien / Renewables | Klimawandel | Venture Capital
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