Unternehmen kritisieren bAV-Angebote
Zu hoher Aufwand, Rechtunsicherheit und Komplexität. Versicherer schlagen bAV-Basisprodukt vor.
Arbeitgeber schätzen bAV – wünschen sich aber bessere Angebote. Dieses Meinungsbild spiegelt auch eine aktuelle Umfrage von Civey wider. Diese erfolgte im Auftrag des GDV vom 21. Mai bis 4. Juni 2026 online unter 500 Entscheidungstragenden. „Die Umfrage zeigt ein klares Muster. Die Einstellung der Unternehmen zur betrieblichen Altersversorgung ist grundsätzlich positiv“, sagt Janina Mütze, Gründerin und CEO von Civey. „Besonders spannend ist dabei, dass sie nicht nur als reine Altersvorsorge wahrgenommen wird. Rund die Hälfte der befragten Unternehmensentscheider sieht in der bAV heute auch einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“
Interesse der Mitarbeitenden an betrieblichen Angeboten ist grundsätzlich gegeben. Nur gut elf Prozent der Unternehmen nennen dies als Hemmnis. Das Problem liege vielmehr auf der Angebotsseite. Als größte Barrieren benennen jeweils knapp 40 Prozent hohen Aufwand, Rechtsunsicherheit und zu komplexe gesetzliche Regelungen. Besonders schwer wiege zudem das Haftungsrisiko. Für 42 Prozent der Unternehmen hat das Arbeitgeberhaftungsrisiko eine hohe oder sehr hohe Bedeutung. Auf der Wunschliste ganz oben stehen mehr steuerliche Anreize und einfachere Regelungen.
„Gerade kleinere Unternehmen brauchen einfache und rechtssichere Lösungen, die ohne viel Aufwand funktionieren. Politik und Rentenkommission sollten diesen Bedarf ernst nehmen“, sagt Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV. „Fast 60 Prozent der Unternehmen erwarten, dass die bAV in den kommenden Jahren wichtiger wird. Gleichzeitig erreicht sie heute aber noch zu wenige Beschäftigte. Das muss sich ändern. Die betriebliche Altersversorgung ist der stärkste Hebel, um mehr Menschen zusätzlich fürs Alter abzusichern.“
GDV pro bAV-Standardprodukt
Antwort der Versicherungsbranche gerade für kleinere Unternehmen ist ein „stark standardisiertes Basisprodukt für die bAV“ vor. Dieses ist als Direktversicherung konzipiert, baue auf bestehenden Systemen auf und soll weder tarifliche Lösungen noch weitergehende betriebliche Angebote ersetzen. Kernelement des Produkts ist für die Versicherer eine Kapitalgarantie in Höhe von 80 Prozent der eingezahlten Beiträge in der Ansparphase. Das schaffe Sicherheit für Beschäftigte und lasse zugleich Spielraum für Kapitalmarktteilhabe und bessere Renditechancen. Ebenfalls inkludiert ist eine lebenslange Auszahlung im Rentenalter.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Betriebliche Altersversorgung (bAV)
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