US-Regierung und EU-Regulatorik setzen ESG-Fonds zu
Scope: Geopolitik stützt wenig nachhaltige Sektoren. Zudem trifft mehr Regulierung auf sinkende Datenqualität.
Scope Analysis hat Deutschlands Universum der ESG-Fonds vermessen. Das Ergebnis: Zwischen Flensburg und Oberstdorf sind 6.623 Artikel-8-Fonds mit einem Vermögen von 5,76 Billionen Euro zugelassen und 584 Artikel-9-Fonds mit einem Vermögen von 207 Milliarden Euro. Zweites Ergebnis ist, dass sich die beiden Kategorien unterschiedlich entwickeln. Während die Anzahl und das verwaltete Vermögen der Produkte gemäß Artikel 8 im Vergleich zur Scope-Untersuchung vor einem Jahr gestiegen ist, nahmen diese Zahlen für Artikel-9-Fonds um etwa sieben Prozent ab.
Gegenwind durch Trump-Effekt
Für die Analysten von Scope zeichnet sich hier ein Trump-Effekt ab: Geopolitische Verschiebungen führen dazu, dass Rüstungsunternehmen und fossile Energien attraktiver werden. Der zunehmende Druck auf Europa, stärker in Verteidigung zu investieren, hat die Rüstungsindustrie zu einem der stärksten Performer gemacht. Von dieser Entwicklung profitieren Anleger stärker bei der Verwendung von Artikel-8-Fonds, die mit ihren Investitionen flexibler sind. Die Anleger ziehen diese daher gegenüber Artikel-9-Produkten vor, da letztere strengere Ausschlüsse und zusätzliche Beschränkungen erfüllen müssen.
Herausfordernde EU-Regulatorik
Eine weitere Herausforderung für Anbieter nachhaltiger Produkte ist die EU-Regulatorik. Mit der Novelle der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR 2.0) und einer weiter dynamischen Entwicklung der regulatorischen Landschaft wachsen die Herausforderungen für Portfoliomanager und Anleger, so Scope. Zudem sind Fonds verpflichtet, ihre Transparenz und Glaubwürdigkeit trotz sinkender Datenqualität zu steigern.
Scope geht in der Studie auf verschiedene regulatorische Entwicklungen und Unterschiede ein. Zu letzterem zählt, dass die EU-Offenlegungsverordnung nachhaltigen Fonds unter bestimmten Bedingungen Investitionen in Rüstungstitel erlaubt. Die EU-Taxonomie als weiteres maßgebliches Regelwerk für ESG-Investitionen stuft Rüstung dagegen nicht als nachhaltige wirtschaftliche Aktivität ein.
Einen weiteren Einschnitt habe die Umsetzung der ESMA-Leitlinien zu Fondsnamen markiert. Innerhalb von rund einem Jahr, so Scope, sank die Zahl der Fonds mit ESG-Bezug im Namen um 29 Prozent, das entsprechende Fondsvermögen um 18 Prozent. Insgesamt seien 610 Fonds umbenannt worden – etwa jeder vierte Fonds, dessen Name im Oktober 2024 einen Nachhaltigkeitsbezug hatte. Die Auswertung zeige zudem, dass größere Fonds den höheren Compliance-Aufwand häufiger akzeptierten als kleine. Letztere passten ihre Fondsnamen häufiger an oder strichen Nachhaltigkeitsbegriffe ganz, informiert Scope.
Mehr Regulierung, weniger Daten
Paradox wirke aus Sicht der Fondsmanager die regulatorische Gesamtlage: Einerseits steigen für die Fondsanbieter die Anforderungen an Transparenz und Nachweisführung, andererseits sinke durch Erleichterungen für Unternehmen bei EU-Taxonomie und der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) die Verfügbarkeit granularer Nachhaltigkeitsdaten. Eine strengere direkte Regulierung treffe damit auf eine indirekte Deregulierung.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Nachhaltigkeit/ESG-konformes Investieren
In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar