Versicherungen
28. Oktober 2026

Versicherer halten den Private Markets die Treue

Im Versicherungslager werden Fundraiser noch fündig. Die Mehrheit will ihre Allokationen aufstocken; dabei sind selbst Quoten von mehr als 15 Prozent keine Seltenheit.

Bei Versicherungsunternehmen ist das Interesse an Private Equity und anderen Privatmarktanlagen noch intakt. Drei Viertel von ihnen wollen ihre Allokationen in Privatmärkten weiter aufstocken.

Das zeigt die 15. jährliche globale Umfrage von Blackrock unter Versicherungsunternehmen (im Original: 2026 Global Insurance Report). Die am 27. Oktober 2026 veröffentlichten Studienergebnisse umfassen die Einschätzungen von 463 Versicherern aus 31 Märkten. Diese Großanleger repräsentieren ein Vermögen von insgesamt mehr als 24 Billionen Dollar.

Die Studienmacher beschreiben das globale Anlageumfeld als zunehmend komplex. Vor diesem Hintergrund bleibt das Inflationsrisiko die am häufigsten genannte makroökonomische Sorge von Versicherern (62 Prozent) – ein Wert, der dem Stand von 2025 entspricht.

Auch die allgemeine Risikobereitschaft bei Investitionen bleibt stabil; 82 Prozent der Befragten planen, ihr Risikoprofil beizubehalten. Allerdings gaben 50 Prozent zu Protokoll, dass sie eine stärkere Diversifizierung innerhalb ihres bestehenden Risikobudgets anstreben.

Laut der Umfrage unter den Versicherern übernehmen Private Markets eine zunehmend strategische Rolle

Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts haben sich Private Markets von einer alternativen Renditequelle zu einem festen Bestandteil von Anlageportfolios entwickelt, heißt es im aktuellen Global Insurance Report. Er zeigt, dass heute mehr als neun von zehn Versicherern weltweit (92 Prozent) mindestens 5 Prozent ihres Anlageportfolios in Private Markets investieren. Mehr als 40 Prozent der Großanleger berichten von einer Quote von über 15 Prozent.

Und es wird erwartet, dass die Verbreitung weiter zunimmt: 76 Prozent der Befragten planen, ihre Allokationen in Private Markets in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen, während 24 Prozent ihr aktuelles Niveau beibehalten wollen.

Damit ist der Anteil der Versicherer, die planen, ihre Allokationen im Privatmarkt zu erhöhen gegenüber den historischen Höchstständen der vergangenen drei Jahre deutlich zurückgegangen. Im Vorjahr hatten 94 Prozent entsprechende Pläne bekräftigtm ach 91 Prozent im Jahr 2024 und 89 Prozent im Jahr davor.

Diese Entwicklung deutet laut den Studienmachern auf einen Wandel hin: Die Anlageentscheider bei den Versicherungen gehen weg von pauschalen Aufstockungen, hin zu einer selektiveren Mittelallokation, heißt es. Sie konzentrierten sich dabei verstärkt auf den Portfolioaufbau, die relative Bewertung (Relative Value) sowie die Umsetzung innerhalb bestehender Allokationsvorgaben.

Am stärksten ist die Nachfrage im Bereich Private Debt; 41 Prozent gaben an, ihre Allokation in diesem Segment ausweiten zu wollen.

Auch andere Großanleger ändern ihren Blickwinkel

Limited Partners (LPs) halten an ihrem Engagement an den Privatmärkten fest. Sie verändern jedoch die Art und Weise, wie sie ihre Portfolios aufbauen. Das hatte kürzlich eine neue Studie von Goldman Sachs Alternatives gezeigt. Die „Global Alternatives Survey 2026 – The LP View: Neuausrichtung statt Rückzug“ (im Original: Rethinking, Not Retreating) basiert auf einer Befragung von 225 LPs und weiteren institutionellen Investoren. Die Umfrage, die also nicht nur Versicherungen berücksichtigt, fand zwischen Juni und August 2026 statt.

Eine zentrale Erkenntnis bei den Studienmachern von Goldman Sachs Alternatives lautet: 84 Prozent der LPs planen mit Blick nach vorn, genauso viel oder mehr Kapital zu investieren als im Vorjahr. Das entspricht in etwa dem Wert des Vorjahres (83 Prozent). Allerdings wollen weniger LPs ihre Investitionen ausweiten (37 Prozent nach 43 Prozent). Zugleich planen auch weniger, sie zurückzufahren (11 Prozent nach 14 Prozent).

Zur Rolle der Künstlichen Intelligenz

Im Einklang mit allgemeinen Entwicklungen in verschiedenen Branchen investieren Versicherer laut der neuen Blackrock-Studie weiterhin in Künstliche Intelligenz (KI): 60 Prozent der Befragten geben an, dass sie mindestens einen KI-Anwendungsfall bereits skaliert oder in ihre Prozesse integriert haben.

Während die Einführung zwar breit gefächert sei, verlaufe die Skalierung uneinheitlich, heißt es: 21 Prozent der Befragten berichten von skalierten oder integrierten Anwendungen in den Bereichen Underwriting und Preisgestaltung, verglichen mit nur 3 Prozent bei der Auswahl von Kapitalanlagen und der Kreditüberwachung.

Gleichwohl hat sie die KI zur wichtigsten strategischen Priorität für globale Vermögensinhaber entwickelt. Darauf hatte das Thinking Ahead Institute Mitte Oktober 2026 im Zusammenhang mit der neuen „Global Asset Owner Technology Peer Study 2026“ aufmerksam gemacht, über den wir ausführlich berichtet haben. Mit einer Zustimmungsquote von 67 Prozent rangiert KI vor Aspekten wie der Anpassung an ein Umfeld höherer Inflation (44 Prozent), der Bewältigung von Liquiditätsdruck (33 Prozent) sowie der Reaktion auf die wachsende Bedeutung privater Märkte (28 Prozent).

Kein Fun im Fundraising

Auf den Private Markets Kapital einzusammeln, erweist sich jedoch nach wie vor als zäh. Die Daten-Experten von Pitchbook zählten für den Zwölfmonatszeitraum bis Mitte 2026 1,348 Billionen an eingesammelten Dollars. Dies sind 12,7 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum von Mitte 2024 bis Mitte 2025. Zugesagt wurden die ­Gelder 3.763 Fonds. Dies waren 37 Prozent weniger Vehikel.

Der prozentuale Rückgang in der Gesamtentwicklung spiegelt sich ziemlich exakt auch in der Asset-Klasse Private Equity wider. ­Besonders große Rückgänge waren für Real Estate, Real Assets und Dachfonds zu verzeichnen. Einziger Lichtblick war Private Debt. In dieser Asset-Klasse fiel die Fondsanzahl zwar um 40 Prozent auf 259, immerhin stieg aber das eingesammelte Volumen um 14 ­Prozent auf 309 Milliarden Dollar.

Pitchbook führt zur Begründung des Rückgangs die Fundraising-Erfolge der Vergangenheit an. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich privates Kapital zu einer treibenden Kraft auf den Finanzmärkten entwickelt. Das verwaltete Vermögen (AuM) hat sich seit 2016 fast verdreifacht und stieg von 6,1 Billionen Dollar bis Ende 2025 auf 16,7 Billionen Dollar. Dieses Wachstum wurde jedoch zum Teil durch eine Phase der Euphorie für Risikoanlagen angetrieben, wobei die Mittelbeschaffung durch privates Kapital im Jahr 2021 ­ihren Höhepunkt erreichte“, kommentiert Lead Analyst Juan Mier.

Seitdem ist die Mittelbeschaffung rückläufig. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 wurden über 1.499 Fonds hinweg 658,1 Milliarden Dollar eingeworben. Sollte sich dieses Tempo bis zum Jahresende fortsetzen, schrumpft das weltweite Kapitalaufkommen das fünfte Jahr in Folge.

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