Versicherungen
22. Juli 2016

Versicherer knacken 1,5 Billionen-Grenze

An der Rentenlastigkeit der Kapitalanlage hat sich in der deutschen Versicherungsbranche 2015 grundsätzlich nichts verändert. Doch der Teufel steckt im Detail.

Die Kapitalanlagen der deutschen Versicherer haben 2015 erstmals die Marke von 1,5 Billionen Euro übersprungen. Sie stiegen laut Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zum Jahresende 2015 gegenüber dem Vorjahr um rund vier Prozent auf 1.509 Milliarden Euro. Von Lebensversicherern stammte mehr als die Hälfte (851 Milliarden Euro) der Kapitalanlagen.
Der Löwenanteil des Investitionsvolumens entfiel mit 79,9 Prozent auf Zinsanlagen. Staatsanleihen machten dabei jedoch einen sehr viel geringeren Anteil aus, als häufig angenommen wird, wie der GDV in seinem jüngsten Newsletter anmerkt. Dieser lag inklusive Anleihen staatlicher Emittenten bei lediglich 5,7 Prozent. Das sind umgerechnet aber immer noch stolze 15 Milliarden Euro. Den größten Block im Zinsportfolio stellten Rentenfonds, Darlehen und Pfandbriefe. Gut 18 Prozent der Kapitalanlagen flossen in Darlehen – überwiegend an Kreditinstitute und die öffentliche Hand. Aber auch für Privathaushalte seien Versicherer wichtige Kapitalgeber. In Hypotheken zur Immobilienfinanzierung steckten 3,7 Prozent der Kapitalanlagen – das entspricht rund 56 Milliarden Euro, wie der GDV vorrechnet.
„Das Verhältnis von Renten- zu anderen Kapitalanlagen ist seit einigen Jahren weitgehend stabil“, merkt der GDV an. Relativ konstant entfallen seit Jahren lediglich 20 Prozent der Kapitalanlagen auf Investitionen mit höheren Risiken beziehungsweise weniger gut kalkulierbaren Erträgen. Der Aktienanteil lag zum Jahresende 2015 bei lediglich 4,4 Prozent. Mit Blick auf die vergangenen Jahre ist dies jedoch zumindest ein stetiger Anstieg. Zum Vergleich: 2014 betrug die Aktienquote 3,8 Prozent, 2013 waren es 3,5 Prozent und 2012 nur 2,9 Prozent. Der Anteil wurde somit über die vergangenen Jahre sukzessive um 1,5 Prozentpunkte erhöht. Eine solche Steigerung ist bei Immobilien hingegen nicht zu konstatieren. Die Immobilienquote betrug Ende 2015 nur 3,3 Prozent und lag damit auf demselben Niveau wie 2013 und 2014. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Unternehmensbeteiligungen, die Ende 2015 wie schon ein Jahr zuvor bei 9,8 Prozent lagen.  
Schaut man etwas genauer auf die verschiedenen Sparten, fallen – wie zu erwarten – gewisse Unterschiede ins Auge. So weisen Schaden- und Unfallversicherer mit 76,6 Prozent die niedrigste Rentenquote und die höchste Aktien- und Beteiligungsquote (7,6 beziehungsweise 10,0 Prozent) auf. Den größten Rentenblock haben mit 89,9 Prozent die Krankenversicherer in ihren Kapitalanlagen, die sich auf insgesamt 246, Milliarden Euro belaufen. Der Schwerpunkt ihrer Zinsanlagen findet sich im Darlehens- und Pfandbriefbereich mit 28 beziehungsweise 22 Prozent. Beteiligungen sind nicht mehr als eine homöopathische Dosis von 2,4 Prozent. Das gilt auch für Lebensversicherer, die lediglich 2,4 Prozent ihrer Kapitalanlagen in diese Asset-Klasse investiert haben. Auf Aktien entfallen immerhin 4,3 Prozent. Interessanterweise liegt nicht nur die Beteiligungsquote unter der für Aktien, sondern auch die Immobilienquote. Diese machte bei Lebensversicherern lediglich 3,9 Prozent aus.  
Der GDV hat sich auch mit der Bedeutung der Lebensversicherungsbranche befasst und dafür die Kapitalanlagen mit verschiedenen wichtigen volkswirtschaftlichen Größen verglichen (Stand: 2015): So sind die Kapitalanlagen der deutschen Versicherungswirtschaft mit ihren 1,5 Billionen Euro in etwa halb so groß wie das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (3,026 Billionen Euro), fünfmal so groß wie der Bundeshaushalt (299 Milliarden Euro) und etwa 1,7 Mal so groß wie die Kapitalisierung des Dax 30 (892 Milliarden Euro.)   
portfolio institutionell newsflash 22.07.2016/Kerstin Bendix

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