Versicherungen
5. April 2024

Versicherer sind wieder risikofreudiger

Globale Umfrage von GSAM: Privatmarktfinanzierungen erfreuen sich großer Beliebtheit. 42 Prozent wollen 2024 das Durationsrisiko erhöhen.

Angesichts anhaltender makroökonomischer Bedenken nutzen die globalen Versicherer das Umfeld langfristig höherer Zinsen, um ihre Vermögensallokation in hochwertige Anleihen und Private Credit zu beschleunigen. Gleichzeitig erhöhen sie das Durations- und das allgemeine Anlagerisiko. Das sind Kernergebnisse einer aktuellen weltweiten Umfrage von Goldman Sachs Asset Management (GSAM) unter 359 CIOs und CFOs von Versicherungsunternehmen, die zusammen mehr als 13 Billionen US-Dollar an Bilanzvermögen repräsentieren („Risk and Resilience“: Global Insurance Survey 2024).  Die Umfrage wurde im Januar und Februar 2024 durchgeführt.

Befragte wollen wieder mehr Durationsrisiken nehmen

„Im vergangenen Jahr erlebte Fixed Income ein starkes Comeback und Versicherungsunternehmen zeigten wieder deutlich mehr Interesse an der Anlageklasse“, sagt Volker Anger, Leiter Insurance Asset Management für Kontinentaleuropa bei Goldman Sachs Asset Management. „In diesem Jahr sind sie risikofreudiger und bevorzugen neben hochwertigen Fixed-Income-Anlagen auch Private Credit, das zu einer schrittweisen Ertragssteigerung, besserer Diversifikation, Schutz vor Verlustrisiken und stabilen Renditen beitragen kann.“ Versicherungsunternehmen böten sich damit aktuell optimale Voraussetzungen für die Vermögensallokation. „Dennoch ist ihnen bewusst, dass sie sich an diesem Punkt nicht zurücklehnen dürfen“, so Anger. Um sich höhere Renditen zu sichern, wollen 42 Prozent der Befragten 2024 das Durationsrisiko erhöhen. Damit ist der Anteil so hoch wie noch nie in der Geschichte der Umfrage. 2023 waren es noch 38 Prozent. Nur fünf Prozent planen, die Duration zu senken.

US-Aktien und Private Credit

Interessant sind auch die Antworten auf die Frage, welche Asset-Klassen bei den Versicherungsunternehmen aus Renditesicht für die kommende Zeit hoch im Kurs stehen. So werden aus Sicht der Investoren US-Aktien und Private Credit als renditestärkste Asset-Klassen der kommenden zwölf Monate eingeschätzt, Kryptowährungen und Real Estate Equity als renditschwächste Asset-Klassen.

Die größten makroökonomischen Risiken liegen laut der Umfrage in einem Wirtschaftsabschwung/Rezession in den USA (52 Prozent), der Volatilität des Anleihen- und Aktienmarktes (48 Prozent), den geopolitischen Spannungen (46 Prozent). Inflationsängste bestehen aktuell noch bei 42 Prozent der Befragten, im Vorjahr waren es noch 55 Prozent.

US-Rezession in zwei bis drei Jahren erwartet

Der Anteil der Versicherer, die im laufenden Jahr mit einer US-Rezession rechnen, sank von 44 Prozent im Jahr 2023 auf 16 Prozent. Allerdings sagen 58 Prozent der amerikanischen Investoren der Studie zufolge, dass sie in den kommenden zwei bis drei Jahren eine Rezession der US-Wirtschaft erwarten. In Europa sind 41 Prozent der Investoren dieser Meinung.

„Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken im weiteren Verlauf des Jahres allmählich Lockerungen vornehmen werden. Dies dürfte risikobehafteten Anlagen sowohl im Anleihe- als auch im Aktienbereich zugutekommen. Angesichts steigender Makrorisiken und der anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA ist es jedoch möglich, dass die Volatilität zunimmt und die Renditeszenarien zum Jahresende sind sehr heterogen“, kommentiert Alexandra Wilson-Elizondo, Co-CIO Multi-Asset Solutions bei Goldman Sachs Asset Management.

83 Prozent der Befragten erwarten, dass die Renditen auf zehnjährige US-Treasuries bis Ende 2024 auf dem gleichen oder unter dem Niveau liegen werden, auf dem sie sich zum Zeitpunkt der Umfrage befanden. Dagegen gehen nur 17 Prozent davon aus, dass die Renditen 4,25 Prozent übersteigen werden.

Private-Debt-Anlagen werden aufgestockt

Bei der Wahl der Asset-Klassen, bei denen die Versicherer in den kommenden zwölf Monaten ihre Allokation zu erhöhen planen, sticht die Asset-Klasse Private Credit gleich an mehreren Stellen hervor. So planen 52 Prozent der Befragten, Private Credit aufzustocken, gefolgt von Investment-Grade Private Debt (43 Prozent), Developed Markets Investment-Grade Corporate Debt (37 Prozent), Infrastructure Debt (30 Prozent) und Private Equity (27 Prozent) sowie Staatsanleihen und staatsnahe Anleihen (Government and Agency Debt) mit 26 Prozent der Befragten. 25 Prozent wollen bei Green Bonds oder Impact Bonds aufstocken.

„Nachdem die wirtschaftlichen Erträge im vergangenen Jahr besser als erwartet ausgefallen waren, sind die Versicherer für die Märkte und die Weltwirtschaft im Jahr 2024 verhalten optimistisch“, erklärt Michael Siegel, globaler Leiter Insurance Asset Management und Liquidity Solutions bei Goldman Sachs Asset Management. „Die schwachen Renditen aus 2022 sind noch nicht vergessen und die Inflation bleibt weltweit auf erhöhtem Niveau.“

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