Strategien
20. April 2020

Versicherer und Pensionsfonds gehen mehr ins Risiko

Bundesbank sieht mehr Wertpapiere und Fondsanteile sowie weniger Bankeinlagen. Längere Laufzeiten.

Versicherungen und Pensionseinrichtungen allokieren riskanter als früher. Seit Anfang 2010 bis zum dritten Quartal 2019 verschob sich das Gewicht in den Portfolios der beiden Sektoren von risikoarmen Bankeinlagen zu Wertpapieren. Diese Erkenntnisse veröffentlichte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht April 2020.

Weiter konstatierte die deutsche Zentralbank, dass bei den Versicherungsgesellschaften und Pensionseinrichtungen der Portfolioanteil der Investmentfondsanteile deutlich angestiegen ist. Zudem gewannen Schuldverschreibungen leicht an Gewicht. Stark rückläufig war hingegen die Bedeutung von Einlagen. Anteilsrechte verloren etwas an Gewicht. Insgesamt betrachtet habe sich die Zusammensetzung des Portfolios somit hin zu riskanteren Instrumenten verlagert.

Bei einer Betrachtung des Wertpapierportfolios stellte die Bundesbank fest, dass deren Risikogehalt etwas gestiegen ist. Hierfür spreche vor allem die höhere durchschnittliche Laufzeit der Schuldverschreibungen und die hiermit einhergehenden Zinsänderungsrisiken. Den Risikogehalt des Portfolios erhöht haben könnte aus Sicht der Bundesbank auch die größere Bedeutung von auf Fremdwährungen laufenden Aktien und Schuldverschreibungen von Schuldnern außerhalb des Euroraums. Allerdings lassen sich hieraus resultierende Wechselkursrisiken grundsätzlich absichern. Darüber hinaus stehen dem durch ein höheres Gewicht von Papieren aus Schwellen- und Entwicklungsländern (möglicherweise) gestiegenen Kreditnehmerrisiko Vorteile durch eine stärkere Risikodiversifikation gegenüber.

Unter Garantiedruck

Mit Blick auf die höhere Gewichtung von riskanten Instrumenten und Papieren im Wertpapierportfolio verhärten sich somit die Indizien für eine höhere Risikoübernahme in diesen beiden Sektoren. Verantwortlich hierfür dürften bei den Versicherungen und Pensionseinrichtungen nach Einschätzung der Bundesbank insbesondere hohe nominale Zinsgarantien im Bestand sein. So erhöht sich durch das gesunkene Zinsniveau die Duration der Verbindlichkeiten stärker als die Duration der Forderungen. Hierdurch vergrößert sich die sogenannte Durationslücke („duration gap“). Um diese Lücke wieder zu verkleinern, können Versicherungen und Pensionseinrichtungen längerfristige Anleihen kaufen. Aber auch die Substitution von kurzfristigen Einlagen durch Investmentfondsanteile kann aus Sicht der Zentralbank als eine Erhöhung der Duration des Gesamtportfolios im weiteren Sinne interpretiert werden.

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