Versicherungen
23. Februar 2021

Versicherungskammer erschließt sich Immobilien-Pipeline

Beteiligung an Domicil RE. Eigenkapital hilft Domicil, den Expansionskurs fortzusetzen.

Der Konzern Versicherungskammer hat sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit 9,76 Prozent der Unternehmensanteile am Immobilien- und Investmenthaus Domicil Real Estate AG beteiligt. Kerngeschäft der ebenfalls in München ansässigen Domicil ist der An- und Verkauf von Wohnimmobilien im gesamten Bundesgebiet. Im vergangenen Jahr hat bereits die Versicherung Die Bayerische für zehn Millionen Euro einen Anteil von 5,4 Prozent an der Domicil erworben.

Hinter der Beteiligung an Domicil steht bei der Versicherungskammer die Überlegung, sich eine Pipeline an Investitionsmöglichkeiten in Wohnimmobilien und Real Estate Debt zu erschließen. Vorgesehen ist nämlich „eine Zusammenarbeit bei der Akquisition von Wohnimmobilien für die Versicherung und der Zugang zu Krediten für das Immobilienunternehmen“. Isabella Pfaller, Finanzvorstand im Konzern Versicherungskammer, erklärt: „Wir freuen uns auf die Kooperation, vor allem auch in der Finanzierung und dem Ankauf von Wohnimmobilien für unsere Kapitalanlage.“ Khaled Kaissar, CEO der Domicil und mit nun 85 Prozent nach wie vor Mehrheitseigner, sagt: „Mit der Kapitalerhöhung der Versicherungskammer stärken wir die Nachhaltigkeit unseres starken Wachstumskurses der vergangenen Jahre und können diesen weiter fortsetzen.“

Unterschiedliche Ankaufsprofile

Anders als im Fall der Bayerischen, die zuvor bereits Fremdkapital bereitstellte, bestanden zwischen Versicherungskammer und Domicil zuvor keine Geschäftsbeziehungen. Einen Interessenkonflikt zwischen den neuen Miteignern sieht André Schmöller, für Investments zuständiger Vorstand der Domicil, nicht. „Wir planen in diesem Jahr Immobilien im Wert von bis zu 200 Millionen Euro für unseren eigenen Bestand zu erwerben und benötigen hierfür bis zu 180 Millionen Euro an Fremdkapital. Da gibt es genug Spielraum für unsere Fremdkapitalgeber, zu denen auch Banken gehören. Auf der Akquisitionsseite sind wir für die Versicherungskammer, nicht aber für die Bayerische tätig.“ Allerdings kauft Domicil auch für die dänische Pensionskasse PFA und einen Eigenbestand ein. Schmöller verweist auf unterschiedliche Ankaufsprofile und somit geringe Überschneidungen: „Die Versicherungskammer ist an Bestandsimmobilien in Top-7-Standorten und ausgesuchten bayerischen Städten interessiert. Die PFA erwirbt auch schlüsselfertige Projekte als forward deals und im Segment Mikrowohnen. Wir selbst erwerben Bestandsimmobilien lieber im Umfeld von A-Städten sowie in B- und C-Städten. Auch die jeweiligen Investitionsvolumina weichen voneinander ab.“ Grundsätzlich sind in der Immobilienbranche Interessenüberschneidungen zwischen Eigentümern von Immobiliengesellschaften und Asset-Management-Kunden sowie zwischen Asset-Management-Kunden untereinander nicht unüblich. „Mit steigender Größe und je mehr Beteiligte, desto anspruchsvoller wird es, diese Herausforderungen zu lösen“, meint dazu André Schmöller.

Dass die Versicherungskammer die Domicil auch für die Verwaltung ihres Direktbestands nutzt, ist aktuell nicht vorgesehen. Die Versicherung ist einer der größten Immobilieneigentümer in München. Über die neue Beteiligung profitiert die Versicherung aber auch an Mieteinnahmen und Verkaufserlösen des Immobilieneigenbestands der Domicil und an deren Gebühreneinnahmen, welches das Drittkundengeschäft abwirft. 2019 kam der Eigenbestand auf ein Volumen von etwa 200 Millionen Euro, die sogenannten Fee-generierenden Assets under Management auf 833 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr kamen im Drittkundengeschäft noch 200 Millionen Euro aus einer „Fonds-Partnerschaft“ mit Wealthcap und ein größerer Ankauf an deutschen Mikroapartments für die dänische Pensionskasse PFA hinzu. Insgesamt handelt es sich um 13 Objekte und ein Bruttoinvestitionsvolumen von über 252 Millionen Euro. Zwölf Objekte gehen in den von der Domicil gemanagten PFA-Bestand an deutschen Immobilien über, ein Wohnhaus in Frankfurt kauft Domicil auf das eigene Buch. Verkäufer war ein Fonds der Aviarent Invest AG.

Weitere Beteiligungen: Indus, Encavis und Baywa-Tochter

Die Versicherungskammer hat bereits zuvor mit vergleichbaren Transaktionen Minderheitsanteile an Asset Managern erworben. Seit längerem hält die Versicherung etwa ein Fünftel der Indus Holding, ein auf Mittelständler fokussiertes Beteiligungsunternehmen. In der jüngeren Vergangenheit erwarb man Anteile an den Renewables-Spezialisten Encavis und der Baywa-Tochter Baywa RE Renewable Energy. Nun erfolgte eine Beteiligung an einem Spezialisten für Wohnimmobilien.

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