Stiftungen
10. Mai 2022

VBL will in alternative Anlagen einsteigen

Die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder will nun auch alternative Anlagen kaufen. Die Pläne fallen in eine günstige Marktphase, weil andere Großanleger Käufe zurückstellen.

Die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) will jetzt auch in alternative Anlagen einsteigen. Das wurde bei einer Konferenz des Bundesverbands Alternative Investments (BAI) deutlich. Auf dem Einkaufszettel der größten deutschen Zusatzversorgungskasse für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes stehen unter anderem Private-Equity-Fonds.

Stefan Schütte leitet seit Oktober 2021 den Bereich Fixed Income & Private Debt bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Die Stelle wurde neu geschaffen.

Seine Aufgabe sei es, die alternativen Investments aufzubauen. Man befinde sich sozusagen auf der grünen Wiese, betonte Schütte im Rahmen einer von Private-Equity-Spezialistin Dajana Brodmann (Eon) moderierten Gesprächsrunde. Weitere Teilnehmerinnen waren Kathrin Kalau-Reus (Bayerische Versorgungskammer) und Martina Nitschke von der Verwaltungsgesellschaft für Versorgungswerke.

Käufer halten sich zurück

Bei ihren Investmentplänen profitiert die VBL von einem ungewöhnlichen Umfeld. Aus dem Gespräch der vier Akteure ging hervor, dass Anleger aus Deutschland derzeit mit Zukäufen bei alternativen Investments eher zurückhaltend sind, während sich die Anbieterseite weiterhin voller Tatendrang auf der Suche nach frischem Kapital befindet. Das Angebot trifft also auf eine rückläufige Nachfrage. Eine ungewöhnliche Konstellation, wo doch das Interesse an alternativen Anlagen unstillbar zu sein schien.

Ein Grund für die Zurückhaltung ist nach Einschätzung von Martina Nitschke die gute Performance bei Private-Equity-Fonds im vergangenen Jahr. 2022 ziehe man daher bei Private Equity die Bremse und gehe zunächst weniger neue Engagements ein. „Wir und viele andere können nicht mehr so viel zeichnen wie vorher“, betonte Nitschke. Kathrin Kalau-Reus von der Bayerischen Versorgungskammer pflichtete Martina Nitschke bei: „Früher musste man als Investor viel zeichnen, um überhaupt etwas zu bekommen.“ Das sei jetzt anders. Offenbar können die General Partners ihre Pläne für neue Fonds aktuell nicht so einfach umsetzen, wie sie das geplant hatten, weil Anleger nicht so viel zeichnen.

Hinzu kommt noch ein mathematischer Effekt: Vor dem Hintergrund der nun wieder steigenden Zinsen sinkt der Barwert der künftigen Kupons. Und damit fällt der Marktwert des Zinsträgerdirektbestandes, etwa im Anlageportfolio von Versicherungsunternehmen. Im Gegenzug geht der Anteil der alternativen Anlagen im Portfolio automatisch nach oben. Die Sachwertequoten sind also (darüber sprachen die vier Panelisten nicht) in den vergangenen vier, fünf Monaten überall gestiegen – ohne dafür etwas getan zu haben.

Aktuelle Situation hilft beim Zugang

Vor dem Hintergrund der geringen Investitionen der anderen Anleger betonte Stefan Schütte von der VBL, dass ihm die Situation beim Einstieg in Private Equity helfe. Wie genau seine Investmentpläne aussehen, erläuterte Schütte, der vor seinem Wechsel zur VBL bei der R+V-Versicherungsgruppe für den Aufbau der Alternative Debt Investments verantwortlich war, zwar nicht. Jedoch verwies er während der Podiumsdiskussion auf den Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (Kenfo). Diese Institution habe die strukturellen Fragestellungen bereits abgearbeitet.

Der Kenfo ist eine öffentlich-rechtliche Stiftung, die im Jahr 2017 durch Gesetz gegründet wurde, um die Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Abfälle aus der gewerblichen Nutzung der Kernenergie zur Erzeugung von Elektrizität in Deutschland sicherzustellen. Die Stiftung verwaltet Kapitalanlagen im Wert von rund 24 Milliarden Euro. Die verantwortlichen Investmentmanager des Kenfo haben das Geld in der Zwischenzeit unter anderem in liquide und illiquide Anlagen investiert.

Gemessen an den Kapitalanlagen ist die VBL etwas größer als der sogenannte Atomfonds. Laut Geschäftsbericht 2020 verwaltet die vom Bund und den meisten Bundesländern – außer Hamburg und Saarland – getragene Zusatzversorgungskasse Kapitalanlagen mit einem Bilanzwert von 29,2 Milliarden Euro. Im Februar 2022 kündigte die Versorgungsanstalt an, mit Hilfe der Fondsgesellschaft Amundi eine Milliarde Euro in nachhaltige Bonds zu investieren.

(Textversion vom 11. Mai 2022 (13:50 Uhr)).

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