Pensionskassen
29. April 2020

Vertrauen in Finanzdienstleister rückläufig

CFA Institute: Nur 25 Prozent der Befragten sehen gleichgerichtete Interessen. 65 Prozent haben Gebührenstrukturen neuverhandelt.

In einer groß angelegten Umfrage hat das CFA Institute institutionelle und private Investoren weltweit zu ihrem Vertrauen in die Finanzindustrie befragt. Dabei stellte sie gegenüber der letzten Umfrage im Jahr 2018 sinkendes Vertrauen seitens institutioneller Investoren fest: Der Anteil der Befragten, die der Finanzdienstleistungsindustrie Vertrauen entgegenbringen, sank von 72 Prozent auf 65 Prozent. Bei Retailinvestoren nahm das Vertrauen leicht zu – allerdings ist dieses mit nun 46 Prozent insgesamt deutlich geringer. Zu bemerken ist, dass die durchschnittliche Anlagesumme der Privatanleger über 100.000 US-Dollar liegt und diese somit keinesfalls einen Querschnitt der Gesellschaft widerspiegeln.

Für die Umfrage wurden im Zeitraum Oktober und November 2019 weltweit 3.525 Privatanleger sowie 921 institutionelle Investoren befragt, 75 institutionelle Investoren davon in Deutschland. Unter den befragten institutionelle Investoren fanden sich auch über 400 Defined Benefit Pension Plans, die nach der Wahrscheinlichkeit, ihre Pensionsverpflichtungen zu erfüllen befragt wurden. Die Ergebnisse geben zu denken: 48 Prozent geben an, dass es wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich sei, dass der Fonds nicht 100 Prozent der Verpflichtungen in den kommenden zehn Jahren erfüllen könne.

Insgesamt geben sich institutionelle Investoren gegenüber neuen Technologien sehr aufgeschlossen. 71 Prozent geben an, in Fonds investieren zu wollen, welche künstliche Intelligenz im Investmentprozess zum Einsatz bringen. Zudem legte die Umfrage eine Schwerpunkt auf Gebühren und die Frage des Alignment of Interest. Immerhin 65 Prozent aller befragten institutionellen Investoren gaben an, im vergangenen Jahr Gebührenstrukturen mit Managern erneut verhandelt zu haben. Insgesamt geschieht dies vor dem Hintergrund eines niedrigen Vertrauens, dass Interessen institutioneller Investoren gut mit denen von Finanzdienstleistern gekoppelt sind. Nur 25 Prozent gaben an, dass dies der Fall sei.

Erfreulicher sind die Ergebnisse hinsichtlich ESG: 76 Prozent aller institutionellen Investoren sowie 69 Prozent aller Retail-Investoren melden hier Interesse an. Im Umkehrschluss könnte das jedoch bedeuten, dass immerhin noch 24 Prozent aller institutionellen Investoren Nachhaltigkeitsrisiken schlichtweg ignorieren. Die Motivationen für die Einbeziehung variieren dabei. Während 47 Prozent der an ESG Interessierten primär ein besseres Risiko-Rendite-Profil erzielen wollen, werden 32 Prozent von ihren Werten getrieben. Für 22 Prozent gilt dies gleichermaßen. Immerhin 73 Prozent der wertebasierten Investoren sind zudem bereit, für die Erfüllung dieser Werteziele Rendite aufzugeben.

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