Strategien
2. September 2016

Vom individualisierten Spezialfonds zum Co-Investment

Binnen weniger Jahre hat das Evangelische Johannesstift einen Spezialfonds ins Leben gerufen und diesen auch für Co-Investoren ­geöffnet. Inzwischen sind 15 weitere Anleger im Fonds engagiert. Was sie sich davon versprechen, ­erläutern zwei der größten Co-Investoren im Roundtable-Gespräch.

Herr Güldner, Sie und Ihren Arbeitgeber, das Evangelische Johannesstift (EJS) in Berlin, verbindet auf der Kapitalanlageseite eine ­enge, um nicht zu sagen eine innige Zusammenarbeit mit Allianz Global Investors (AGI) in Frankfurt am Main. Seit wann verwalten Sie Seite an Seite mit Dr. Jan Bernhard den ­liquiden Teil Ihres Grundstockvermögens ­unter nachhaltigen Gesichtspunkten?
Jens Güldner: Die ersten Gespräche fanden 2008 statt. In jenem Jahr bin ich zum Evangelischen Johannesstift gekommen. Aber ­Allianz Global Investors respektive die in ihr aufgegangene DBI (Dresdnerbank Investment Management, Anm. der Redaktion) kenne ich seit gut 15 Jahren. Seinerzeit war ich in einer anderen Stiftung tätig. Und schon damals habe ich gemeinsam mit der damaligen DBI einen großen Spezialfonds konzipiert und weiterentwickelt.

War zu jener Zeit das Thema Nachhaltigkeit schon so präsent, wie es beim gemeinsam mit AGI konzipierten EJS-Stiftungsfonds der Fall ist, über den wir uns ­genauer unterhalten möchten?
Güldner: Noch nicht in der Qualitätsstufe, wie wir es mittlerweile bei unserem haus­eigenen Spezialfonds installiert haben, der im Februar 2010 aufgelegt wurde.

Der EJS-Stiftungsfonds, ein offener Spezial-AIF mit festen Anlagebedingungen, wurde exklusiv für das Evangelische Johannesstift maßgeschneidert konzipiert. Seit einigen Jahren ist der Spezialfonds nun schon in der Kapitalanlage Ihrer Stiftung fest integriert. Wie kam es dazu?
Güldner: Die ersten Ideen wurden bei uns in der Zentrale in Berlin-Spandau entwickelt. Das fing damit an, dass ich unmittelbar nach meinem Einstieg beim Johannesstift die zu jener Zeit recht komplexe Finanzanlagestruktur der Stiftung hinterfragt habe. Die Analyse zog sich hin bis 2009. Zu jener Zeit haben wir uns entschlossen, eine Ausschreibung durchzuführen, um den für uns passenden Fondsmanager zu finden. Die Ausschreibung hatte konkret zum Ziel, die Vorteile zu nutzen, die die Mandatierung eines externen ­Asset Managers mit sich bringt. Er soll für uns eine bereits diversifizierte Kapitalanlage betreuen. Im Zuge der Ausschreibung haben sich besonders zwei Anbieter mit ihren ­Konzepten qualifiziert und sehr positiv abgegrenzt. Ihre Maßkonzepte wurden von unserem Finanzausschuss auf Herz und Nieren geprüft. Das war damals ein spezialisiertes Gremium des Kuratoriums. Vor dem Finanzausschuss haben AGI und noch eine andere Gesellschaft ihr auf die Stiftung zugeschnittenes Anlagekonzept präsentiert. Im Anschluss wurde nach einem umfassenden Auswertungsprozess das Mandat an AGI vergeben.

Bitte erläutern Sie ganz konkret die Gründe für das Evangelische Johannesstift, den liquiden Teil der Kapitalanlagen – Sie haben auch zahlreiche selbst genutzte und vermietete ­Immobilien im Portfolio – in einem Spezialfonds verwalten zu lassen?
Güldner: Im Zuge meiner beruflichen Laufbahn kam ich aus dem institutionellen Geschäft einer anderen Stiftung. Dort hatten wir Assets in einem erheblichen Umfang von mehreren Milliarden Euro, während die ­Bilanzsumme hier beim Johannesstift mit rund 264 Millionen Euro und demnach auch das Kapitalanlagevolumen deutlich niedriger ist. Bei meinem Arbeitsplatzwechsel fand ich zunächst drei externe Vermögensverwaltungsmandate vor, die von ihrem Konzept und Charakter her tendenziell eher unter ­Private Wealth als unter institutionell subsummiert werden konnten. Es gab zu dem Zeitpunkt auch noch keine einheitliche ­Anlagerichtlinie über alle Mandate, wie wir sie inzwischen definiert haben, und es gab kein einheitliches Risikomanagement-Tool. Eine Nachhaltigkeitsstrategie, die sich jetzt wie ein roter Faden durch den Fonds zieht, war damals in der Ausgestaltung der Asset-Management-Strategie des Evangelischen ­Johannesstifts so nicht implementiert. Mir war es sehr wichtig, eine streng modell­gestützte Architektur zu installieren mit einer einheitlichen Anlagerichtlinie und einem einheitlichen Risikomanagement-Tool.

Warum, wenn ich fragen darf?
Güldner:
Das Vermögensmanagement einer Stiftung sollte stets personenunabhängig und jederzeit für Dritte nachvollziehbar sein. Das ist mir sehr wichtig. Darüber hinaus war es mir und meinen Kollegen ein großes ­Anliegen, überall die Handschrift ethisch nachhaltiger Investments zu sehen. Und zwar nicht etwa als Feigenblatt, wie man das leider immer noch allzu häufig unter insti­tutionellen Investoren beobachten kann, sondern Nachhaltigkeit ist von Anfang an in die Asset Allocation eingebunden. Und zwar in das gesamte Management.

Herr Dr. Bernhard, Sie fungieren bei Allianz Global Investors als Mitglied des Multi-Asset-Teams. Dort sind Sie fokussiert auf Spezialfonds für institutionelle Kunden, ein zusätz­licher Spezialisierungsgrad liegt auf der ­Betreuung von Anlegern, die dem Thema Nachhaltigkeit eine besondere Bedeutung beimessen, so wie Jens Güldner und die ­Co-Investoren. Bitte erläutern Sie kurz das Anlagekonzept des EJS-Stiftungsfonds.
Jan Bernhard:
Im Rahmen der Anlagericht­linien des EJS-Stiftungsfonds genießen wir eine große Flexibilität. Das war bewusst bei Auflage des Fonds so vorgesehen.
Derzeit wird über ein Drittel des Portfolios in globale Aktien allokiert. Dazu kommen Euro-Anleihen und Satelliten-Investments. Dabei berücksichtigen wir zum Beispiel Schwellenländer-Aktien, Schwellenländer-Anleihen, Green Bonds und nachhaltige Unternehmensanleihen. Wir haben außerdem die Möglichkeit, Private Equity, Microfinance und Immobilienfonds in Gestalt von Real ­Estate Investment Trusts beizufügen. Außerdem ist die Anlageklasse Volatilität ein möglicher Baustein im Portfolio. Die Steuerung der Anlageklassen erfolgt durch ein dynamisches Multi-Asset-Anlagekonzept mit integriertem Risikomanagement. Hiermit streben wir an, über einen Kapitalmarktzyklus attraktive risikoadjustierte Renditen zu erzielen.

Wie groß ist das Fondsvolumen?
Bernhard:
Das Fondsvolumen beträgt derzeit rund 62 Millionen Euro.

Der EJS-Stiftungsfonds wird nach streng ethischen, nachhaltigen Kriterien gemanagt. In den vergangenen sechs Monaten haben Sie einschneidende Veränderungen vorgenommen, um noch schlagkräftiger zu werden. Was hat es damit auf sich?
Güldner:
Mit Blick auf die Nachhaltigkeit in unserer Anlagestrategie setzen wir nun ­deutlich stärker auf den Nachhaltigkeits­ansatz „Engagement“. Das gelingt uns, ­indem wir einerseits bewusst auf Einzeltitel statt auf Zielfonds setzen, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Andererseits üben wir ­unsere Stimmrechte aus. Das machen wir natürlich nicht alleine. Denn auf dem ­Gebiet kann man nur erfolgreich sein, wenn man seine Stimmen bündelt. Wir haben daher­ ­unsere Stimmrechte an AGI delegiert.

Herr Dr. Bernhard, Sie übernehmen damit ­eine große Verantwortung. Treten Sie auch mit jenen Unternehmen in den Dialog, deren Handlungsweisen Sie unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten oder wegen anderer Aspekte kritisch einstufen?
Bernhard:
Ja, der Unternehmensdialog ist ein Teil der Gesamtstrategie bei der Allianz Global Investors. Da wir im Multi-Asset-Team in der Regel selten direkten Kontakt zu Unternehmen haben, übernehmen dies aber vor allem die Kollegen und Kolleginnen aus unserem ESG-Research-Team mit Unterstützung der Portfoliomanager und Analysten aus dem Aktienbereich.
Wir nehmen dabei treuhänderisch die ­Aktionärsrechte für die Anleger wahr. Bei der Stimmrechtsausübung orientieren wir uns an unseren schriftlich ­fixierten Leitlinien. Dazu gehört, dass wir ­selektiv mit Unternehmen zu bestimmten Themen den Dialog ­suchen.
Güldner: Der Stiftungsfonds hat übrigens verschiedene Stadien hinter sich. Ursprünglich war er als ETF-Mischfonds mit einem ­Risiko-Overlay gedacht. Von der Idee haben wir uns allerdings relativ schnell verabschiedet. Indexfonds beziehungsweise passiv verwaltete Exchange Traded Funds bleiben ­jedoch investierbare Vehikel und werden in einzelnen Asset-Klassen eingesetzt.

Was war der Grund für den jüngsten ­Strategieschwenk?
Güldner:
Der EJS-Stiftungsfonds investierte bei Aktien zunächst ausschließlich in Zielfonds, bei Renten in Direktanlagen. Bei Satellitenthemen, wie zum Beispiel Emerging Markets, wurden auch Rentenzielfonds hinzugenommen. Mittlerweile hat der Fonds ein erhebliches Volumen erreicht, so dass ein globales Aktienportfolio auch mit Einzel­titeln diversifiziert und effizient darstellbar ist. ­Mitte 2014 haben wir beraten, wie wir die Aufstellung im Portfolio noch weiter optimieren können.
Fragen damals waren: Wie können wir das Risiko besser managen? Und wie können wir die Nachhaltigkeitsqualität steigern? Das war über Zielfonds teilweise schwierig, besonders bei den indexnachbildenden ETF. Sowohl die Zielfondsmanager als auch Oekom Research haben uns das so gespiegelt. Vor diesem Hintergrund haben wir uns überlegt, das Konzept zu optimieren. Das Resultat ist, dass unser Stiftungsfonds im Laufe des ersten Halbjahres 2016 sukzessive von Aktienzielfonds – wir hatten sowohl ETF als aktive Fonds – auf Einzeltitel umgestellt wurde. Zielfonds sind weiterhin ein Bestandteil im EJS-Stiftungsfonds, haben aber nicht mehr den Stellenwert wie zuvor.

Das klingt nach mehr Komplexität, schließlich ist die Auswahl von Einzeltiteln eine ­gewaltige Herausforderung, der Sie sich bewusst stellen. Worin liegt der Reiz auf Einzeltitelebene zu investieren?
Bernhard:
Das Investieren in Einzeltitel bringt einige Vorteile mit sich. Zum einen ­erfolgt die Selektion der Einzel­titel sowohl auf der Renten- als auch auf der Aktienseite in unserem Hause durch speziali­sierte Teams mit dem Ziel, anhand bewährter Wertpapierselektionsstrategien einen Mehrertrag zu ­generieren. Damit haben wir die volle ­Transparenz über die investierten Titel im Portfolio und den Selektionsprozess. Und ­genau das hilft uns beim Risikomanagement. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir Nachhaltigkeitskriterien bei den verschiedenen Anlageklassen besser berücksichtigen können. ­Dazu gehört auch die bereits erwähnte Möglichkeit der Stimmrechtsausübung und des Unternehmensdialogs.

Wie groß ist die Anzahl der Einzeltitel im Portfolio des EJS-Stiftungsfonds?
Bernhard:
Derzeit gehören etwa 320 Einzel­titel und themenorientierte Publikumsfonds zum Portfolio.

Der EJS-Stiftungsfonds hat sich in der jüngeren Vergangenheit für externe Gelder geöffnet und durch die aktive Ansprache von Jens Güldner mehrere Co-Investoren gewonnen. Wie stimmen Sie sich untereinander ab?
Bernhard:
Der Austausch und die Abstimmung zu wichtigen strategischen Themen erfolgen beispielsweise im Rahmen der halbjährlichen Anlageausschusssitzungen. Dort besprechen wir unter anderem die Wert­entwicklung und die Auslastung des Risikobudgets.
Wir erörtern auch Themen zum Kapitalmarktausblick und zur strategischen Ausrichtung. Last but not least wird auch das Nachhaltigkeitsprofil in diesem Rahmen regelmäßig analysiert und bewertet. Die Anlage­ausschusssitzungen werden durch Workshops ergänzt, in denen wir in der Vergangenheit zum Beispiel Details zum Nachhaltigkeitsansatz und Risikomanagement diskutiert haben.

Bitte beziffern Sie Ihre Zielrendite?
Bernhard:
Die Zielrendite des EJS-Stiftungsfonds liegt bei ein bis zwei Prozent oberhalb der Inflation per annum auf der Grundlage eines gleitenden Durchschnitts über fünf Jahre hinweg.

Mussten Sie das Renditeziel im Zuge der Zinsmisere zurückfahren?
Güldner:
Ja, so ist es. Unser ursprüngliches Renditeziel im Zuge der Ausschreibungs­kriterien lag bei ‚Inflation plus drei Prozent per annum‘. Und zwar auch damals über fünf Jahre hinweg im Durchschnitt.

Wie bereits kurz angeschnitten war der EJS-Stiftungsfonds ursprünglich für das Johannesstift und seine Beteiligungsgesellschaften konzipiert. Mittlerweile öffnen Sie den Fonds für externe Anleger. Ist das ein Strategieschwenk, der dem Niedrigzinsumfeld und dem Wunsch nach sinkenden Kosten im ­Asset Management geschuldet ist?
Güldner:
Ich hatte schon immer die Idee für einen Fonds dieser Art im Hinterkopf. Aber es war tatsächlich ein Stufenprozess. ­Ursprünglich ist der Fonds, wie Sie richtig sagen, für das Evangelische Johannesstift maßgeschneidert worden. Kurze Zeit später auch für die Tochtergesellschaften. Dazu muss man wissen, dass wir strukturell als ­Beteiligungsträger-Stiftung aufgesetzt sind. Daneben betreiben wir ein eigenes Stiftungszentrum. Dort managen wir etliche Stiftungen umfassend.

War der Track Record für die Aufnahme ­neuer Mittel von Bedeutung?
Güldner:
Ja, das war so und der Track Record ist weiterhin wichtig, schließlich möchten wir gern weitere Co-Investoren an Bord ­holen. Als der Fonds eine gewisse Historie ausweisen konnte, haben wir die Möglichkeit von Investments für externe Gelder freigezeichnet. Ein wichtiger Treiber hier war der Wunsch, anderen Stiftungen, die nicht direkt in unserem Stiftungszentrum umfassend gemanagt werden, zu zeigen, wie transparent wir alles tun. Das war der Auslöser, uns für weitere Anteilseigner zu öffnen.

Wer ist Ihre Zielgruppe?
Güldner:
Im EJS-Stiftungsfonds können nur Anleger investieren, die von der Aufsicht als semi-professionell oder professionell eingestuft sind. Für Privatanleger ist der Fonds nicht zulässig.

Das heißt, Sie richten sich nicht nur an Stiftungen. Salopp gefragt: Gibt es noch Spielraum für neue Anleger, für frisches Geld?
Güldner:
Es gibt selbstverständlich noch ­einen Spielraum. Momentan sind neben dem Evangelischen Johannesstift 15 weitere Investoren im Fonds engagiert. Meines Erachtens gibt es anhand der derzeitigen Rechtslage keine Probleme bis zu einem Umfang von 100 Co-Investoren. Wichtig ist, dass die ­Mittel mit einem Anlagehorizont von mindestens drei bis fünf Jahren in den Fonds investiert werden.

Und wie kommt man eigentlich in den Fonds hinein? Er trägt zwar eine Wertpapierkennnummer, ist aber nicht frei erhältlich?
Güldner:
Der EJS-Stiftungsfonds ist kein frei erwerbbarer Publikumsfonds, sondern ein Spezialfonds. Auch diese haben eine Wertpapierkennnummer. Ein neuer Investor kann mit Zustimmung des Evangelischen Johannesstifts Anteile erwerben. Dazu führe ich zunächst Gespräche mit den Interessenten.

Frau Pollex, Sie arbeiten für die Fachgemeinschaft Bau und sind einer der größten Co-­Investoren des EJS-Stiftungsfonds. Welchen Posten haben Sie inne? Und was verbirgt sich hinter der Organisation?
Annette Pollex:
Ich leite die Abteilung Finanzen bei der Fachgemeinschaft Bau, Berlin und Brandenburg e.V.; dabei handelt es sich um einen Berufsverband. Und zwar sind wir ein Arbeitgeberverband für die Bauwirtschaft in Berlin und Brandenburg. Unsere Mitglieder sind vorrangig kleine und mittlere ­Unternehmen, in erster Linie Handwerks­betriebe, aber auch Industriebetriebe aus dem Baubereich.

Wozu dient die Fachgemeinschaft?
Pollex:
Sie vertritt die Interessen der Mitglieder gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit und berät in juristischen, technischen und betriebswirtschaftlichen Fragen.  Außerdem betreibt die Fachgemeinschaft Bau ein Berufsförderungswerk. Dort findet die überbetriebliche Ausbildung der Azubis der Bauwirtschaft in unserer Region statt.

Die Fachgemeinschaft Bau ist einer der Co-Investoren, von denen Jens Güldner gesprochen hat. Seit wann sind Sie an Bord? Und woher stammen die Mittel, die Sie anlegen.
Pollex:
Wir sind seit Ende 2014 Co-Investor im EJS-Stiftungsfonds. Die von uns investierten Gelder sind überschüssige Liquidität aus dem Tagesgeschäft. Gleichwohl können wir die Mittel dem Fonds langfristig zur Verfügung stellen.

Ein anderer Co-Investor ist die Universität der Künste in Berlin. Wie kam es zu dem ­Engagement, Frau Scholz? Und ­haben Sie im Tagesgeschäft mit Stiftungen zu tun?
Petra Scholz:
Ich bin ausgebildete Stiftungsmanagerin und habe an der European Business School in Oestrich-Winkel ein Intensivstudium Stiftungsmanagement absolviert. Für die Universität der Künste betreue ich 18 Treuhandstiftungen. Ihre Stiftungszwecke erstrecken sich über sämtliche Disziplinen, die an der Universität der Künste gelehrt werden. Das kann etwa ein Stipendium sein, das wir gewähren. Wir führen Wettbewerbe durch, loben Preisgelder aus und gewähren Zuschüsse für Instrumentenkäufe.

Wir reden also von nicht unerheblichen Kosten, um die Studierenden laufend zu fördern.
Scholz:
So ist es. Zusätzlich unterstützen wir auch die Teilnahmen an nationalen und internationalen Wettbewerben.

Das erinnert mich an das klassische Bild einer­ Stiftung, die regelmäßig Barmittel benötigt, um ihrer Arbeit, ihrer Fördertätigkeit nachzukommen. Machen Ihnen das aktuelle Zinsumfeld und die Situation an den Zinsmärkten zu schaffen?
Scholz:
Für uns besteht die oberste Priorität im Stifterwillen und der Erfüllung des Stiftungszweckes. Insofern sind wir an auskömmlichen Zinserträgen interessiert, aber ich denke, dass wir uns durch die Investition in den EJS-Fonds gut aufgestellt haben. Und da unsere Ausrichtung auf einen mittelfristigen Zeitraum ausgerichtet ist, halten wir auch diese Niedrigzinsphase aus.

Wie sind Sie auf Herrn Güldner und den von ihm mit initiierten Fonds gestoßen? Kennen Sie sich vom Sport, Herr Güldner ist passionierter Radfahrer, oder eher vom Golfplatz?
Scholz:
Nein, wir kennen uns nicht vom Sport, wenngleich dort so manche Bekanntschaft geschlossen wird. Das Vermögens­management von Kapital, das aus Stiftungen stammt, unterliegt einer besonderen Verantwortung. Diese Verantwortung zeigt sich nicht nur dadurch, dass das Vermögen der Stiftungen grundsätzlich in seinem Bestand zu erhalten ist, das heißt, es ist sicher und ­ertragsbringend anzulegen, um die in den Satzungen festgelegten Stiftungszwecke zu erfüllen. Verantwortung heißt für die Universität der Künste auch, worin das Vermögen der anvertrauten Stiftungen zweckgerichtet investiert wird. Unser ursprünglicher Gedanke war, dass wir uns mit anderen Stiftungen aus dem künstlerischen Bereich zusammenschließen wollten, um gemeinsam das Vermögensmanagement zu betreuen. Damit wollten wir einerseits einen größeren Umfang des Vermögens abbilden, um in einer besseren Verhandlungsposition gegenüber den Banken zu sein. Zum anderen war uns wichtig, von den Produkten der Banken unabhängig zu werden.
Wir sind im Rahmen dieser Recherche auf das Evangelische Johannisstift gestoßen, eine sehr bekannte Institution in Berlin. Als Stiftung des bürgerlichen Rechts hat sie ähn­liche Erfordernisse wie die von der Universität der Künste Berlin betreuten Stiftungen. Wir wollen das Vermögen in seiner Substanz erhalten und den Stifterwillen erfüllen. Insofern passen wir sehr gut zusammen.
Und was den Ansatz der nachhaltigen Investmentstrategie betrifft, die der EJS-Stiftungsfonds verfolgt, findet sich die Universität der Künste ebenfalls wieder. Sehen Sie, es geht bei unserer Arbeit nicht nur darum, die ­Substanz zu erhalten und das Grundstockvermögen nachhaltig zu sichern. Uns ist sehr wichtig, worin wir investieren. Und der ­Ansatz des Fonds, sich auf nachhaltige ­Investments zu konzentrieren, kam uns sehr entgegen.

Inwieweit sind Ihre Anlagerichtlinien hier passgenau aufgestellt?
Scholz:
Die Anlagerichtlinien der Universität der Künste Berlin legen die Rahmenbedingungen für die Vermögensanlage der Treuhandstiftungen verbindlich fest. Danach sind etwa Investitionen in Rüstungsgüter, Nahrung sowie in Anlagen, die Kinderarbeit ­unterstützen oder fördern, grundsätzlich ­unzulässig.

Wie sind die Mitspracherechte der Co-­Investoren geregelt?
Güldner:
Diese sind in den Beitrittserklärungen zum Fonds sehr übersichtlich geregelt. Wir beim Johannesstift sind alleiniger ­Weisungsgeber gegenüber Allianz Global ­Investors. Wir wären aber vermessen, uns ­gegen Meinungen der ganzen Anteilseigner zu sperren.

Würden Sie bitte das Ziel des Fonds noch ­einmal in Worte fassen.
Güldner:
Wir streben einen realen Substanzwerterhalt an. Das heißt der Fonds wurde nicht aufgelegt, um ausschließlich die Performance­ zu maximieren. Vielmehr soll er ­jedes Jahr stabile Erträge erwirtschaften und ausschütten. In der jüngeren Vergangenheit ist die Ausschüttungsrendite zwar von 2,5 Prozent auf zuletzt rund zwei Prozent gesunken.
Ungeachtet dessen ist es für uns alle sehr wichtig, dass wir ausschließlich die ­ordentlichen Nettoerträge ausschütten und zur zeitnahen Mittelverwendung freigeben. Aber nicht nur die Ausschüttung ist wichtig, vielmehr müssen Ausschüttung und Performance in einem gewissen Gleichgewicht ­stehen.

Mancher Stiftungsfonds schüttet in der Not auch außerordentliche Erträge aus. Ist das nicht mittelfristig sehr kritisch?
Güldner:
Wir haben unsere Ausschüttungen auch schon unter Zuhilfenahme außerordentlicher Erträge geglättet, allerdings nur in Höhe von wenigen Cent, um beispielsweise genau auf eine Ausschüttung von zwei Euro pro Anteilschein zu kommen und nicht auf 1,98 Euro. Aber es ist nicht unser Ziel, außerordentliche Erträge regelmäßig zu nutzen, um die Ausschüttung zu pushen.

Wie arbeiten Sie, Herr Dr. Bernhard als Asset Manager und Herr Güldner mit seinen Co-­Investoren, bei der Umsetzung und Weiterentwicklung zusammen?
Güldner:
Die Frage könnte auch lauten: Wie strebt man eine Win-win-Sitution an? Nun, wir reden sehr offen mit dem Portfolio­management von AGI: Wo wollen wir hin als Stiftung, welche Risiken sind wir ­bereit zu tragen, wie wollen wir uns entwickeln zum Thema Nachhaltigkeit beziehungsweise zur Nachhaltigkeitsqualität? Wie können wir in Zukunft noch wesentlich ­detaillierter Nachhaltigkeit messen? Und zwar mit absoluten wie mit relativen Kennziffern. Da setzen wir uns hin, es gibt einen schriftlichen Austausch, wir telefonieren und wenn es an die Umsetzung geht, setzen wir uns hier einen halben Tag lang zum Thema in einem Workshop zusammen. Und das nicht nur unter uns, sondern auch mit den Co-Investoren.
Bernhard: Bei der Zusammenarbeit ist uns wichtig, dass wir dem EJS-Stiftungsfonds ein maßgeschneidertes Multi-Asset-Konzept anbieten können, das an den Bedürfnissen des Hauptinvestors und der Co-Inverstoren ausgerichtet ist. Bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien legen wir Wert darauf, dass diese in unseren dynamischen ­Multi-Asset-Investmentprozess so integriert werden, dass sie auf die Anforderungen des EJS-Stiftungsfonds bezüglich Rendite und Risiko abgestimmt sind. Eine Win-win-­Situtation haben wir dadurch erreicht, dass der EJS-Stiftungsfonds durch eine regel­mäßige Gewinnentwicklung zukunftsfähig aufgestellt ist. Daher sind wir überzeugt, dass der Fonds auch für weitere Investoren ein ­attraktives Fondskonzept ist.

Zum Abschluss unserer Gesprächsrunde brennt mir noch eine Frage unter den Nägeln. Wie ist das mit der Vergleichbarkeit von Stiftungsfonds, von denen es bereits eine ganze Reihe in Deutschland gibt. Mancher Investor könnte beim Blick auf den EJS-Stiftungsfonds geneigt sein, ausschließlich die Rendite und vielleicht noch die Sharpe Ratio für ­einen Vergleich heranzuziehen, während der Nachhaltigkeitsansatz unter den Tisch fällt. Was sagen Sie denjenigen, die bestimmte Stiftungsfonds präferieren, nur weil sie mehr Rendite erzielt haben?
Güldner:
Wir erleben immer wieder Situationen und Gespräche, in denen man ausschließlich die Renditekennziffern hinterfragt. Dabei kann man unseren Fonds nicht ohne weiteres mit jedem anderen Stiftungsfonds vergleichen. Hier suche ich immer das Gespräch und weise darauf hin, dass die ­Rendite ein Punkt von vielen ist. Wenn man die Rendite in den Vordergrund stellt, geht das zu Lasten vieler anderer wichtiger ­Punkte wie Nachhaltigkeit, Risiko und Ausschüttungsstetigkeit. Und das würden wir nicht empfehlen.

Von Tobias Bürger

portfolio institutionell, Ausgabe 08/2016

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