Strategien
16. Dezember 2015

Vom Zwang zu höheren Risikobudgets

Dieser Umstand ist dem Niedrigzinsumfeld geschuldet. Im Vergleich mit Anfang 2002 sind die Risikobudgets heutzutage um gut vier Prozentpunkte gestiegen. Allerdings: Antizyklisches Agieren passiert noch viel zu selten.

Das anhaltende Niedrigzinsumfeld zwingt institutionelle Anleger, stärker ins Risiko zu gehen. Das hat sich nicht nur in diversen Studien aus diesem Jahr gezeigt, in denen Großanleger entsprechende Bekenntnisse abgegeben haben. Auch die Taten sprechen eine eindeutige Sprache. Wie Union Investment in einer Analyse seiner Wertsicherungsportfolios von institutionellen Investoren festgestellt hat, sind die von den Investoren zur Verfügung gestellten Risikobudgets in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen. So stiegen die Budgets bei Wertsicherungskonzepten mit einjährigem Sicherungshorizont beispielsweise von fünf Prozent zum Jahresanfang 2002 auf neun Prozent Anfang 2015.
Allerdings wies Union Investment in seiner Analyse darauf hin, dass die Risikobudgets im Durchschnitt zwar gestiegen sind, dennoch würden sich viele institutionelle Anleger bei der Entscheidung über dessen Höhe immer noch zu sehr von kurzfristigen Kapitalmarktentwicklungen leiten lassen. Dadurch verzichten sie auf Renditechancen, ist Thomas Bossert, der als Geschäftsführer von Union Investment Institutional für das Portfoliomanagement zuständig ist, überzeugt: „Anleger könnten ihren Durchschnittsertrag je Einheit Risiko deutlich steigern, wenn sie nach schlechten Kapitalmarktjahren ihre Risikobudgets nicht beschneiden und stattdessen antizyklisch handeln würden.“ Zu diesem Schluss kommt er angesichts eines Vergleichs der im Zeitraum von 2002 bis 2015 bei Wertsicherungskonzepten jeweils zu Jahresanfang zur Verfügung gestellten Budgets mit der Markt-Performance des Vorjahres. Demnach haben Investoren nach Markteinbrüchen signifikante Kürzungen vorgenommen und konnten dadurch anschließende Erholungsphasen kaum nutzen. 
Dass institutionelle Investoren durchaus in der Lage sind, antizyklisch zu agieren, zeigt ein Vergleich zwischen der Entwicklung von Risikobudgets und dem jeweiligen Zinsniveau. Bis zum Jahr 2009 war der Zinssatz einjähriger Bundesanleihen der wesentliche Einflussfaktor für die Höhe des Risikobudgets institutioneller Anleger bei Wertsicherungskonzepten. Dann kam es zu einem Strukturbruch im Anlageverhalten, so dass die Risikobudgets der Investoren ab dem Jahr 2010 trotz weiter sinkender Zinssätze wuchsen. Grund für das fundamental veränderte Anlageverhalten ist nach Einschätzung von Bossert der stark erhöhte Anlagedruck im Niedrigzinsumfeld. „Hinzu kommt, dass seit der Finanz- und Staatsschuldenkrise das Risiko bei einzelnen Asset-Klassen wie Staatsanleihen der Euro-Peripheriestaaten gestiegen ist und hierfür deutlich höhere Risikobudgets benötigt werden“, ergänzt der Union-Geschäftsführer.
Wie sich die Wertsicherungskonzepte von Union Investment und verschiedene andere Wertsicherungskonzepte 2015 mit ihren Anfang des Jahres zur Verfügung gestellten Risikobudgets geschlagen haben, wird portfolio institutionell – wie Sie es bereits aus den Vorjahren kennen – analysieren. Die Ergebnisse dieser Analyse werden in der Januar-Ausgabe 2016 erscheinen. Die Analyse zu 2014 finden Siehier. 
portfolio institutionel newsflash 16.12.2015/Kerstin Bendix 
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