Pension Management
21. Juni 2011

Von der Leyen: Deutschland wird 6,5 Millionen Arbeitnehmer verlieren

Die Zahl entspreche der ganzen Arbeitnehmerschaft von Baden-Württemberg.

FRANKFURT – Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen erwartet, dass Deutschland in den nächsten 15 Jahren 6,5 Millionen Arbeitnehmer aufgrund der geplanten Verrentung verlieren wird.

„Man kann diesen Verlust etwas dramatischer darstellen. Stellen Sie sich vor, die ganze Arbeitnehmerschaft von Baden-Württemberg würde verschwinden“, sagte von der Leyen auf dem diesjährigen Eurobörsentag, der von der Börsen-Zeitung und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC veranstaltet wird.

Um die starke Belastung für die umlagefinanzierte staatliche Rente darzustellen, verwies die Ministerin auf bekannte Schätzungen von Rentenexperten. Demnach wird es ab 2030 für jeden Rentner nur noch zwei Arbeitnehmer geben. Derzeit wird jeder Rentner von drei Arbeitnehmern finanziert.

Von der Leyen sagte, der Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge sei nur ein Teil der Lösung für das demografische Problem: „Der andere Teil der Lösung ist die Mobilisierung von drei Gruppen in der Gesellschaft.“ Zur ersten Gruppe gehörten unterqualifizierte Menschen sowie Hartz-IV-Empfänger und Langzeitarbeitslose, zur zweiten Gruppe zählen die qualifizierten Senioren und zur dritten Gruppe Frauen, die „weit unter ihrem Berufspotential“ seien.

Alleine bei den Senioren könne man bis zu 1,5 Millionen Menschen für die Arbeitswelt zurückgewinnen, wenn die Unternehmen sie über das Rentenalter hinaus beschäftigen würden. „Für viele Unternehmen wird dies auch wegen des Fachkräftemangels auch nötig sein“, so von der Leyen weiter. Für die erste Gruppe sei Bildung beziehungsweise Weiterbildung entscheidend, und für die dritte Gruppe komme es auf die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Privatleben an.

_Viele hätten vom Drei-Säulen-Modell niemals etwas gehört

Die Arbeitsministerin begrüßte auch die Fortschritte beim Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Diesen Schritt ist die Bundesregierung mit den riesterischen Rentenreformen vor zehn Jahren gegangen. Laut von der Leyen hätten inzwischen 60 Prozent der Arbeitnehmer eine betriebliche Altersversorgung (bAV). Außerdem seien 14,6 Millionen Riester-Verträge verkauft worden.

Das Potenzial sei aber bei weitem nicht ausgeschöpft, was zum Teil mit einer Wissenslücke zusammenhänge. Die Arbeitsministerin zitierte eine Studie von Fidelity-Investments, in der 60 Prozent der befragten Erwerbstätigen von dem Drei-Säulen-Modell niemals etwas gehört hatten.

portfolio institutionell newsflash 22.06.2011/jan/kbe

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