Schwarzer Schwan
28. Februar 2020

Von Staats wegen französisch

Le Maires Schutzschild gegen aktivistische Aktionäre

Frankreichs Regierung hat dieser Tage eine Investmentidee aus der Taufe gehoben, die hierzulande bisher nur scharfe Kritiker fand: Mit einem Staatsfonds sollen französische Großunternehmen künftig vor vermeintlich superaktivistischen Hedgefonds, die nur an der Gewinnmaximierung interessiert seien, geschützt werden. Die Aufgabe des Staatsfonds sei es, den großen börsennotierten Aktiengesellschaften Frankreichs „ein langfristiges und stabiles Aktionariat“ zu sichern, sagte der Wirtschafts- und Finanzminister der Grande Nation, Bruno Le Maire, laut Handelsblatt am Montagnachmittag in Abu Dhabi. Dort traf er einen wichtigen Partner für die Finanzierung des Projekts „Lac d´Argent“, was sich mit Silbersee übersetzen lässt, aber auch einfach schlichtweg nur als „Geldsee“ übersetzt werden kann.

Man schwimmt also künftig im Geld, so die Idee, mit Hilfe aus VAE (Vereinigte Arabische Emirate): Waleed Al Mokarrab Al Muhairi, der Leiter des dortigen Staatsfonds „Mubadala“, hat bereits eine Beteiligung an dem französischen Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro angekündigt. „Der erste ausländische Staatsfonds, der sich beteiligt, ist Mubadala“, sagte Le Maire. Wie das Handelsblatt weiter berichtet, seien die VAE auch ein guter Kunde Frankreichs bei Rüstungsexporten.

Le Maires Amtskollege Peter Altmaier wird das französische Vorgehen mit Interesse verfolgen – und womöglich auch ein bisschen neidisch werden. Schließlich war sein Vorschlag für einen Staatsfonds zur Sicherung des Standorts Deutschland im vergangenen Jahr kläglich gescheitert. Zunächst. Denn die neue Industriestrategie stieß auf heftige Kritik aus der Wirtschaft. Durch das französische Vorbild könnte Altmaier nun neuen Rückenwind erhalten. Wir haben ein paar Vorschläge für ihn:

Der deutsche Wirtschaftsminister könnte zur Finanzierung des Fonds mal in Saudi-Arabien anfragen. Schließlich pflegt man schon lange gute Rüstungsgeschäfte mit Deutschland und ist von einem – wenn auch indirekten – Investment in deutsche Konzerngrößen sicher nicht abgeneigt.

Allerdings könnte dies zu Problemen bei der Governance führen und der Gender Diversity im Staatsfonds. Und die Faktoren E und S würden bei so einem Modell gegeneinander ausgespielt: Denn so ein Fonds Mitten in Europa, so er denn von Staats wegen investiert, kommt natürlich an einer climate change mitigation und climate change adaptation nicht vorbei. Vielleicht könnte der Staatsfonds auch ein Weg sein, deutsche Konzerne zum Wandel in Sachen Klima- und Ökobilanz zu verdonnern. Doch Klimaschutz mit Ölmilliarden zu finanzieren, war auch beim norwegischen Ölfonds schon wenig glaubwürdig. Und das S von ESG müsste angesichts der Rüstungsgeschäfte und der Menschenrechtsverletzungen, die dadurch andernorts begangen werden, zu einem drastischen Downgrade führen.

Gegenbeispiel Daimler

Die Franzosen machen es überhaupt geschickter, indem sie auch nicht China ins Visier nehmen, sondern bei den Unternehmenslenkern nicht allzu beliebte superaktivistische Hedgefonds aus dem Ausland, wie Muddy Waters oder Elliott. Aber wenn Lac d´Argent, der Geldsee, darüber hinaus auch noch hilft, zu verhindern, dass das chinesische Reich der Mitte sich flächendeckend an großen französischen Konzernen beteiligt, dann wäre man am Ziel.

Was aber gegen die Idee spricht: Ankerinvestoren aus der Golfregion tragen nicht unbedingt zu einer besseren Unternehmensführung bei. Ein Beispiel ist die seit Jahren bescheidene Wertentwicklung von Daimler, zu dessen größten Anteilseignern bereits seit 1974 der Staatsfonds von Kuwait zählt. Die arabische Beteiligung hält auch chinesisches Kapital nicht davon ab, immer mehr Daimler-Anteile zu kaufen. Aber vielleicht steht dahinter ein Plan von Strategen aus den Schwellenländern: sich an europäischen Konzernen zu beteiligen, diese aber nicht anzutreiben oder weiterzuentwickeln?

Eine Lösung könnte sein: Wir verclustern uns alle. Deutschland investiert in Frankreich und Frankreich in Deutschland. Es lebe Alstom, es lebe Siemens – tja, schade, die Idee war gut. Ein hoch auf die EU-Champions, sponsert by Government!  Aus der ehemaligen Deutschland AG würde ein Eurovision Fonds Contest.

Ein entspanntes Wochenende ohne Mergerfantasien wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell.

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