Vorsicht bei Börsengängen
Für IPOs gilt: Der Aktionär hats schwer und der LP gewinnt viel! Europe VC-Backed IPO Index über fünf Jahre bei minus 75 Prozent.
Bei Börsengängen machen die Verkäufer von Unternehmen aus Beteiligungsfonds offenbar einen besseren Job als die Käufer an der Börse. Dies gilt im Fall von mit Venture Capital finanzierten Unternehmen noch mehr, als wenn auf der Verkäuferseite ein Private-Equity-Fonds steht.
Wie eine IPO-Analyse von Pitchbook zeigt, liegt der Europe VC-Backed IPO Index Stand 30. Juni über ein Jahr bei minus 14 Prozent. Dagegen kam der Stoxx 600 über diese zwölf Monate auf ein Plus von 15,4 Prozent. Über fünf und sieben Jahre lag der Wert von ehemaligen Venture-Capital-Unternehmen in Europa um 75,4 beziehungsweise 55,3 Prozent niedriger. Der Aktienindex verbesserte sich in diesen Zeiträumen dagegen um 36 beziehungsweise 67,5 Prozent.
In den USA ist für VC-Unternehmen über zwölf Monate an der Börse sogar ein Minus von 29,1 Prozent zu verzeichnen – obwohl der S&P 500 in diesem Zeitraum um 22,3 Prozent zulegte. Über fünf Jahre liegt das Minus bei VC-Unternehmen bei 13,5 Prozent, das Plus des US-Aktienmarkts dagegen bei 87,6 Prozent. Aber: Über sieben Jahre verzeichnen VC-finanzierte Unternehmen ein Plus von 90,4 Prozent. Relativ betrachtet handelt es sich jedoch um ein schlechtes Ergebnis, da der S&P 500 über sieben Jahre mehr als doppelt so gut rentierte.
IPO-Index fast immer schlechter als Aktienindex
Etwas weniger schlecht als Venture Capital schneidet der PE-Backed IPO Index ab. In Europa liegt dieser Index über sieben Jahre mit 6,7 Prozent im Plus. Über alle betrachteten Zeiträume war jedoch mit dem breiten europäischen Aktienmarkt deutlich mehr zu verdienen. Dagegen liegt in den USA der PE-Backed IPO Index in allen betrachteten Zeiträumen im Plus und über sieben Jahre sogar über dem S&P 500 – und zwar mit 83,5 gegenüber 67,5 Prozent.
Die Studienmacher von Pitchbook warnen, dass diese Renditen das IPO-Fenster künftig deutlich verkleinern könnten. Pitchbook betont, dass die Renditen entscheidend für das Vertrauen in Investitionen in Börsengänge sind. „Kaum etwas ist so wichtig wie die Kursentwicklung nach dem Börsengang – nicht einmal Spekulationen über die Bewertungen bei der Notierung. Da sich die Renditen im vergangenen Jahr nicht verbessert haben, sehen wir darin das größte Hindernis für die Nachhaltigkeit eines künftigen IPO-Fensters und der Pipeline sowohl in Europa als auch in den USA“, so Pitchbook. Für die anstehenden Börsengänge von Anthropic und Open AI dürften die Verkäufer also noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Private Equity | Venture Capital
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