Immobilien
28. Januar 2026

Der Klimawandel setzt Gewerbeimmobilien unter Druck

Versicherungskosten sind die am schnellsten wachsende Kostenart für Gewerbeimmobilien. Warum Eigentümer in die Widerstandsfähigkeit ihrer Gebäude investieren müssen, zeigt eine neue Analyse.

Der Klimawandel entwickelt sich zum größten Risikofaktor für Gewerbeimmobilien. Zunehmende Extremwetterereignisse verursachen nach Angaben des Gewerbeimmobilienspezialisten JLL hohe Schäden, mindern Immobilienwerte und lassen die Versicherungskosten in die Höhe schießen. Laut einer gemeinsamen Studie von JLL und Munich Re sind die Versicherungsprämien für Bürogebäude seit 2018 um durchschnittlich acht bis zwölf Prozent pro Jahr gestiegen.

„Versicherungskosten sind die am schnellsten wachsende Kostenart für Gewerbeimmobilien. Eigentümer müssen sich damit auseinandersetzen und in die Widerstandsfähigkeit ihrer Gebäude investieren, um Vermögenswerte zu schützen“, sagt Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany.

Ein Großteil der Schäden ist nicht versichert

Im ersten Halbjahr 2025 summierten sich die Gesamtschäden durch Naturkatastrophen weltweit auf 131 Milliarden Dollar. Das war der zweithöchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1980. Knapp 90 Prozent gehen davon auf das Konto von Extremwetterereignissen wie Stürme, Hagel und Überschwemmungen.

Ein wesentlicher Teil der Schäden ist nicht versichert. Die Deckungslücke lag zuletzt bei fast 60 Prozent. „Ein vollständiger Versicherungsschutz ist mittlerweile sehr teuer geworden. Die Eigentümer von Immobilien benötigen daher eine Anpassungsstrategie und sollten ein aktives Klimarisikomanagement betreiben“, rät JLL-Experte Scheunemann.

Als besonders gefährdet gelten Standorte in Küstennähe. Aber auch im Landesinneren drohten schwere Schäden infolge übertretender Flüsse, schwerer Stürme, Hitzewellen und Dürreperioden.

JLL hat das Klimarisiko für europäische Metropolen analysiert. Demnach vereinen die zehn am meisten gefährdeten Städte, darunter Frankfurt, Berlin und München, Immobilienwerte in Höhe von 580 Milliarden Dollar – mehr als ein Drittel des gesamten europäischen Gewerbeimmobilienmarkts.

Helge Scheunemann sagt, dass Investoren das physische Klimarisiko zunehmend in ihre Due-Diligence-Prüfung und ihre Anlagestrategien einbeziehen. Dadurch, so fährt er fort, „geraten anfällige Städte und Kommunen zunehmend unter Zugzwang. Das gilt besonders für jene Kommunen mit umfangreichen institutionellen Immobilienbeständen. Sie sind gefordert, Anpassungsmaßnahmen zum Schutz von privaten und öffentlichen Vermögenswerten zu ergreifen“, erklärt der Fachmann. Das könnten etwa Investitionen in den Hochwasserschutz und in Frühwarnsysteme sowie eine intelligentere Flächennutzung sein.

„Wir erleben einen fundamentalen Wandel bei der Bewertung von Immobilien“

Nicht zuletzt sind auch die Gebäudenutzer für das Thema sensibilisiert. In der JLL-Studie „Future of Work“ gab fast jedes zweite befragte Unternehmen an, bis 2030 nur noch Gebäude wählen zu wollen, die extremen Wetterverhältnissen standhalten. „Wir erleben einen fundamentalen Wandel bei der Bewertung von Immobilien“, erklärt Martina Williams, Head of Work Dynamics bei JLL Northern Europe. „Immobilien, für die heute Anpassungsmaßnahmen vorgenommen werden, sind die erstklassigen Vermögenswerte von morgen – alle anderen könnten zu den verlorenen Vermögenswerten werden.“

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