Pension Management
2. Januar 2013

Weg von festen Leistungszusagen – neue Trends am Pensionsmarkt

Die Pensionswelt kehrt dem Defined-Benefit-Prinzip den Rücken. Dieser Trend ist allerdings nicht einheitlich und muss differenziert betrachtet werden. Bei genauerem Hinsehen werden nationale Eigenheiten und das verstärkte Aufkommen von Hybridplänen deutlich erkennbar.

Die Pensionswelt ist im Wandel, und immer mehr Pensionspläne folgen nicht länger dem traditionellen Defined-Benefit-Prinzip. Dieser Trend ist nicht neu, wurde aber in der  Vergangenheit zu einfach durch die Medien dargestellt. Die Studie des Edhec-Risk Institute nennt die Gründe für die Ablösung fester Leistungszusagen durch feste Beiträge­ –­ also den Wechsel von Defined Benefit (DB) zu Defined Contribution (DC) – und weist insbesondere auf das vermehrte Aufkommen von hybriden­ Pensionsplänen mit DB- und DC-Elementen hin.

_Ein komplexer Wandel

Defined Benefit wird jedoch nicht einfach durch Defined Contribution­ ersetzt. Dieser Wandel ist komplexer, da es in Europa eine­ große­ Vielfalt an Pensionsplanvarianten gibt. Dies zeigte auch unsere Analyse, die wir in elf europäischen Ländern durchgeführt haben.­ Während einige Länder eindeutig auf das DC-Prinzip umsteigen, wechseln andere von der DB-Struktur zur Hybridstruktur oder betrachten sie als Zwischenschritt auf dem Weg zur endgültigen ­Umstellung auf DC. Diese Vielfalt zeigt vor allem eines: Es scheint kein ideales, länderübergreifendes Modell zu geben.

_Ein Anstieg der Hybridstrukturen

Entgegen allen Erwartungen haben hybride Pläne heute den größten Anteil am Pensionsplanmarkt – 48 Prozent des Gesamtvolumens, gefolgt von DB mit 34 Prozent und DC mit 18 Prozent. Vor zehn Jahren war das noch völlig anders. Im Jahr 2000 waren 72 Prozent des europäischen Pensionsplanvermögens DB. Anders als allgemein angenommen, ging der Rückgang der DB-Pläne mit einem Anstieg der Hybridstrukturen einher. Werfen wir also einen Blick auf die Auslöser dieses Trends.      

Die Antwort auf die Frage, warum das Volumen der hybriden Pensions­planstrukturen so stark gestiegen ist, hat eine geografische und eine historische Komponente. Konkret haben wir zwei wichtige Faktoren identifiziert: Erstens bevorzugen einige große Länder, in ­denen früher DB dominierte, heute Hybridpläne. Zweitens spielten hybride Strukturen in Ländern mit hohen Sparquoten, wie man sie in Nordeuropa findet, schon immer eine große Rolle.

Ein gutes Bespiel hierfür sind die Niederlande. Der gemessen am verwalteten Vermögen zweitgrößte Pensionsplanmarkt Europas ­wechselte von einem System mit automatischer Anpassung der Pensions­ansprüche und dem letzten Gehalt als Ausgangspunkt zu ­einem System mit dem durchschnittlichen Gehalt während der ­Betriebszugehörigkeit als Basis und einer an den Deckungsgrad des Pensionsplans zur Mitte des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends gebundenen Anpassung der Pensionsansprüche. Faktisch entsprach das einem Wechsel von DB-Struktur zu einer Hybridstruktur.

Hybride Strukturen haben in Nordeuropa eine lange Tradition. Vor allem in den nordischen Ländern werden die Renten entweder von Lebensversicherungen gezahlt oder von betrieblichen Pensionskassen. Letztere werden rechtlich genauso behandelt wie Versicherungen, etwa die Pensionskassen in Deutschland. Da Versicherungen im Falle einer Unterdeckung keinen Sponsor um zusätzliche Mittel ­bitten können, nehmen sie Risiken ernster und verteilen sie besser als ­traditionelle DB-Modelle. In der Regel geschieht dies, indem den Versicherten­ eine jährliche Mindestverzinsung ihrer Beiträge garantiert wird und sie bei überdurchschnittlichen Anlageergebnissen am ­Gewinn beteiligt werden. Da dieser Garantiezins für gewöhnlich sehr gering ist, waren Hybridpläne im Zeitablauf so stabil, dass sie keiner größeren Anpassung bedurften. Dennoch sind einige Pensions­pläne mit hohen Zahlungsverpflichtungen aufgrund ihrer großzügigen Garantie­zusagen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld unter Druck geraten.

Probleme haben beispielsweise dänische Pensionspläne, die ihren Kunden zum Teil eine Rendite von vier Prozent pro Jahr garantieren. Deshalb haben Samenpension, die Managementeinheit von drei dänischen Pensionsfonds mit 17 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen, und Industriens Pension mit zwölf Milliarden Euro verwaltetem ­Vermögen vergangenes Jahr ihre hybriden Produkte in DC-Pläne­ ­umgewandelt und Marktzinsprodukte genannt.

_Südeuropa und UK setzen auf DC

DC-Pläne gibt es vor allem in Südeuropa: Italien, Frankreich, ­Spanien. Manche mag es überraschen, dass vor allem jene Länder mit DC-Modellen arbeiten, deren Sozialsysteme kollektivistisch organisiert sind statt auf Eigenverantwortung zu setzen. Aber dafür gibt es eine Erklärung: Diese Länder haben ihre Altersversorgung erst relativ spät um die zweite Säule ergänzt, und die meisten neuen Altersver­sorgungssysteme folgen dem DC-Ansatz. In Italien sorgte erst die Renten­reform im Jahr 1993 dafür, dass viele Menschen Mitglied von DC-Pensionsplänen wurden, und in Frankreich machte sogar erst die Rentenform im Jahr 2003 DC-Pläne einer breiteren Masse an Arbeitnehmern zugänglich. Auch die Gesetzgebung in Nordeuropa fördert zunehmend den DC-Ansatz. Ein Beispiel hierfür ist Schweden, wo 1998 mit der Rentenreform das Premium Pension System eingeführt wurde, bei dem 2,5 Prozent des Gehalts jedes Arbeitnehmers in DC-Pensionspläne investiert werden.

Am stärksten ist das Wachstum von DC-Plänen allerdings in Großbritannien, wenn auch noch nicht sehr lange. Hier gibt es schon seit Mitte der 1980er Jahre DC-Pensionspläne – eingeführt von amerikanischen Finanzinstituten. Diese begannen damals, ihre Produkte in Großbritannien zu vertreiben. Richtig erfolgreich wurde der DC-­Ansatz aber erst nach der Jahrtausendwende, als traditionelle DB­Betriebsrentenpläne aufgrund von Unterdeckungen und neuen Rechnungslegungsvorschriften geschlossen werden mussten. Stattdessen werden jetzt DC-Pensionspläne angeboten.

_Große Vielfalt in der europäischen Pensionswelt

Zwar gibt es eindeutig immer weniger DB-Pläne, jedoch keinen allgemeingültigen Trend weg von Defined Benefit hin zu Defined ­Contribution. Nach unserer Analyse sind europäische Pensionspläne erheblich vielfältiger als zunächst gedacht. Jedes europäische Land sucht nach einer Möglichkeit, sein Rentensystem zu stabilisieren und auf die Herausforderungen des demografischen Wandels, der Lang­lebigkeit und der niedrigen Zinsen vorzubereiten. Länder, die von ­Natur aus sehr flexibel sind, wie Deutschland und die nordischen ­Länder, brauchen ihre Rentensysteme nicht radikal umzustellen. ­Andere, die großzügige Garantien in Form von DB-Plänen gegeben haben, mussten oder müssen neue Wege finden – entweder durch Umwandlung ihrer bestehenden Pensionspläne in hybride Strukturen­ oder durch neue DC-Pläne.­

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