Alternative Anlagen
5. September 2013

Wegweiser

Rund um den Globus sprießen die Investmentideen. Deren Gemeinsamkeit ist, dass sie möglichst direkt umgesetzt werden. Das Zinsumfeld fördert anscheinend die Kreativität und den Mut von internationalen Pensionsfonds. Fündig werden diese aber nicht nur in China und in Australien.

Altersvorsorgeeinrichtungen haben einen schweren Stand. Demografie, Langlebigkeit und natürlich die niedrigen Zinsen belasten sowohl die Aktiva als auch die Passiva. Darunter leiden deutsche und auch ausländische Einrichtungen. Erleichterungen auf der Liability-Seite sind notwendig, aber nicht besonders kreativ. Beispiel ABP: Der holländische Branchenführer sah im vergangenen Jahr keinen anderen Ausweg mehr, als die Leistungen um 0,5 Prozent zu reduzieren. Zwar erzielte ABP im vergangenen Jahr eine Nettorendite von knapp 14 Prozent, dummerweise stiegen aber auch die Pension Liabilities 2012 um knapp elf Prozent, so dass die Funding Ratio weiter unter 100 Prozent verharrt.

Auf der Asset-Seite zeigen sich Pensionseinrichtungen jenseits der Grenze aber kreativer, was das Thema „Renditeverstetigung trotz niedriger Zinsen“ betrifft. Im hohen Norden skizziert AP2 die „new routes to a solid return“. Diese neuen Wege unterbaut der schwedische Pensionsfonds mit einem größeren (Quote: 15 Prozent) alternativen, sehr breit diversifi zierten Portfolio. Ein wichtiger Bestandteil dieses Portfolios sind 56 Private-Equity-Fonds von 27 verschiedenen Beteiligungsmanagern. Diese fuhren 17 Prozent Rendite im vergangenen Jahr ein. Weitere Zutaten für solide Renditen: Wandelanleihen,
Immobilien, Wald- und Agrarinvestments sowie eigene Hedgefondsstrategien,
mit denen Risikoprämien eingesammelt werden sollen. Hinzu kommt noch ein Sahnehäubchen: AP2 ist der erste schwedische Investor, der von Peking huldvoll das Privileg verliehen bekam, direkt in chinesische Aktien investieren zu dürfen! Wenn dieses Potpourri-Portfolio funktioniert, führen nicht mehr alle Wege nach Rom, sondern in Stockholm zu soliden Renditen.

In Kanada führte die Suche der Long-Term Equity Group des Ontario Teachers‘ Pension Plan nach stetigen Renditen und Cashflows zu einem anderen, aber gleichwohl kreativen Ergebnis. Der Weg des größten Pensionsfonds Kanadas führte nach Australien. In Down Under übernahmen die Nordamerikaner als Finanzinvestor 70 Prozent an drei australischen Telekommunikationsunternehmen mit Aktivitäten in Glas faserkabel-Netzen, Rechenzentren und – hoch modern – Cloud-Services von der Beteiligungsfirma Leighton. Im Fokus der Long-Term-Equity-Abteilung liegen Direktinvestments mit stetigen Cashflows, langfristigem Wachstumspotenzial und einem moderaten Risiko.

Handelt es sich hier um ein wegweisendes Lehrbeispiel der kanadischen Lehrer? Die Nachahmung einer solchen Strategie kann nur bedingt, nämlich bei einem sehr großen Anlagevolumen, empfohlen werden. Das kanadische Pensionsschwergewicht bringt übrigens stolze 130 Milliarden kanadische Dollar auf die Waage. Noch ein interessanter Organisationshinweis für alle Freunde von stetigen Ausschüttungen: Der Ontario Teachers‘ Pension Plan, der seit 1990 im Schnitt zehn Prozent Rendite erzielte, fasst Fixed Income und Hedgefonds in einer Abteilung zusammen.

Auch bei Infrastrukturinvestments, wo deutsche Investoren derzeit ihre ersten Schritte machen, kann der Lehrerpensionsfonds schon einen großen Erfahrungsschatz mit stabilen, langfristigen Cashflows vorweisen. Bereits seit 2001 wird direkt investiert. Die Lehrer in Ontario dürften die einzigen Vertreter ihrer Berufsgruppe sein, denen weltweit Flughäfen, Kraftwerke, Wasserwirtschaftsbetriebe, Gasnetze, Container-Terminals, Pipelines, eine Hochgeschwindigkeits-Zugstrecke und eine Entsalzungsanlage in Sydney gehören. In den Vorstellungen der Mitglieder des Infrastrukturteams finden sich
zahlreiche Board-Sitze in den einzelnen Beteiligungen. Wohl um noch einen Überblick zu behalten, ist das Infrastruktur-Portfolio in drei (Erlös-)Kategorien aufgeteilt: Assets, deren Erlöse von der Nutzung und der makroökonomischen Entwicklung abhängen; Assets, deren Erlöse von einem regulatorischen Rahmen bestimmt werden; Assets, deren Erlöse durch langfristige Verträge bestimmt werden. Die Stufe, auf der man sich noch fragt, ob Infrastruktur zu Real Estate oder Private Equity gehört, hat der Ontario Teachers‘ Pension Plan also schon weit hinter sich gelassen. Eine solche Aufteilung und ein siebenköpfiges Team kann sich aber auch nur der leisten, der wie der Lehrerpensions fonds zehn Milliarden Dollar allein in Infrastruktur investiert. Der Aufwand scheint sich aber auch zu lohnen. In einer Vierjahresbilanz ist eine Rendite von 6,6 Prozent per annum vermerkt.

Weniger glücklich dürfte der Ontario Teachers‘ Pension Plan dagegen mit seinen Timberland-Investments sein. Diese Asset-Klasse, die zumindest bis zur Finanzkrise als stetiger Renditebringer vermarktet wurde, performte in diesem Zeitraum mit minus 3,2 Prozent pro Jahr.

Ein großer Freund von stetigen Ausschüttungen ist auch Tiaa-Cref, und ein Lieblings-Income-Investment des US-Finanzdienstleisters ist Agrikultur. Tiaa-Cref ist einer der weltweit größten institutionellen Besitzer von Farmland. Mit Ländereien in den USA, Australien, Brasilien und Osteuropa geht im Tiaa-Cref-Reich die Sonne nie unter. Co-Investoren des im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Unternehmens Tiaa-Cref Global Agriculture LLC sind übrigens – wie es der Zufall (?) so will – unsere Bekannten vom schwedischen Pensionsfonds AP2. Damit besteht also noch eine neue Route zu einem soliden
Return. Das Anlagevolumen von AP2: etwa 28 Milliarden Euro.

Die weltweite Suche nach Yield Assets wird sich nach der jüngsten Erläuterung der EZB-Politik von Mario Draghi – „for an extended period of time“ – noch verschärfen. Doch mangels Ressourcen werden die deutschen Fixed-Income-Freunde mehrheitlich nicht in Australien neue Cashflow-Quellen anzapfen können. Deshalb ist aus einem deutschen Blickwinkel insbesondere das jüngste Infrastrukturinvestment von PGGM interessant. Der holländische Pensionsfonds- Service-Provider beteiligt sich über ein Joint Venture an einer Autobahn, wobei die Erlöse von der Anzahl der Lkw abhängen. PGGM sichert sich somit ein sofort ausschüttendes Asset mit einem langfristigen Inflations schutz. Für deutsche Investoren ist der Standort der Autobahn offenbar zu exotisch, um selbst zu investieren. Australien? Ontario? Nein, es ist der Freistaat Bayern! Und bei der Autobahn handelt es sich um die A8 zwischen München und Augsburg. Für PGGM führen also vielleicht nicht alle Wege nach Rom, aber bayerische Wege zu stetigen Renditen. Bleibt nur noch die Frage, ob auch holländische Wohnwagen mitgezählt werden.

portfolio institutionell, Ausgabe 7/2013

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