Versicherungen
20. Mai 2026

Wem Versicherer das Geld anvertrauen

Outsourcing-Markt wächst, wird internationaler und komplexer. Mehr Private Assets in externer Verwaltung.

Der 2026 Insurance Investment Outsourcing Report, kurz IIOR, kann mit einigen interessanten Details zur Kapitalanlage von Versicherungen aufwarten. Diese betreffen die mandatierten Asset Manager und die Private Markets. Veröffentlicht wurde der Report von Clearwater Analytics, der in Zusammenarbeit mit DCS Financial Consulting erstellt wurde. Der Bericht umfasst ein verwaltetes Versicherungsvermögen von 5,5 Billionen Dollar (AuM) an ausgelagerten Kapitalanlagen, verteilt auf 96 Vermögensverwalter – eine Steigerung von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 65 Prozent seit 2021 – ergänzt um 1,8 Billionen Dollar an beratenen Vermögen bei zwölf Anlageberatungsgesellschaften.

„Der IIOR 2026 macht eines unmissverständlich klar: Externe Vermögensverwaltung ist das neue Standardmodell, mit dem Versicherer weltweit ihr Kapital anlegen“, so Steve Doire, Inhaber von DCS Financial Consulting und Strategic Advisor von Clearwater Analytics. „Die nahezu Verdopplung der von Anlageberatungsgesellschaften betreuten Vermögen innerhalb von zwei Jahren belegt, dass Versicherer gezielt externe Experten einbinden, um zunehmend diversifizierte und komplexe strategische Anlageprogramme zu konzipieren und zu steuern. Ebenso bedeutsam ist die Dynamik in Europa. Der Markt hat sich klar von der Vorherrschaft Nordamerikas gelöst.“

Spannend ist aber nicht nur das Wachstum des Vermögens, sondern auch, dass sich dieses – wie anderen Studien zu entnehmen ist – nicht auf immer weniger Asset Manager konzentriert. Bei Versicherungen lässt die Studie vielmehr eine gegenteilige Entwicklung erkennen. Laut der IIOR ist in den vergangenen zehn Jahren der Anteil der zehn größten Vermögensverwalter am gesamten verwalteten Vermögen von 70 auf 59 Prozent zurückgegangen. Dies zeigt, so die Studienmacher, dass eine wachsende Zahl von Häusern um Mandate von Versicherern konkurriert. Spezialisierte und mittelgroße Vermögensverwalter würden an Boden gewinnen – durch ausgewiesene Versicherungsexpertise, Kompetenzen im Bereich der Private Markets und regionale Stärke.

In das Bild, dass mehr Asset Manager sich den Versicherungs-Asset-Kuchen aufteilen, passt die regionale Entwicklung, dass der Auslagerungsmarkt nicht mehr primär nordamerikanisch geprägt ist. Europa und Großbritannien seien zu einer bedeutenden und wachsenden Kraft in der externen Vermögensverwaltung für Versicherer geworden: Die gemeldeten verwalteten Vermögen legten im Jahresvergleich um 32 Prozent zu und haben sich seit 2021 von 1,0 auf 2,1 Billionen Dollar mehr als verdoppelt. Dazu hat neben organischem Wachstum allerdings auch eine breitere Beteiligung am IIOR beigetragen. Damit entfallen 38 Prozent der gesamten ausgelagerten Versicherungsvermögen auf die Region.

Blackrock vor BNP Paribas AM

Trotzdem bleibt auch bei ausgelagertem Versicherungsvermögen Blackrock der größte Asset Manager. Er legt 746 Milliarden Dollar. Auf Platz 2 folgt allerdings mit 584 Milliarden Dollar ein französisches Haus. Für BNP Paribas dürfte die Übernahme von Axa IM von wesentlicher Bedeutung für die Top-Platzierung gewesen sein. Platz drei geht an Goldman Sachs. Danach folgen Ostrum, JP Morgan Asset Management, Amundi und auf Platz sieben die DWS. Allianz Global Investors wird als zweites deutsches Haus auf Rang 44 aufgeführt. Mit Abstand größter Berater ist mit knapp 1,4 Billionen Dollar AuA Mercer.

Knappe Billion in Private Assets

Stark wachsend sind auch die auf den Private Markets investierten Gelder. Diese haben sich seit 2021 auf 947 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt und machen knapp ein Drittel der ausgelagerten Versicherungsallokationen aus. Versicherer, so die Studie, hätten sich schrittweise über traditionelle Privatplatzierungen hinaus entwickelt und investieren in Mittelstandsfinanzierungen, Infrastrukturanleihen und strukturierte Kreditprodukte.

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