Schwarzer Schwan
24. Februar 2017

Wer kann dazu schon nein sagen?

CPPI, Puts, Cost Averaging, Futures, Stop Loss: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sein Geld zu schützen. Der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, setzt dagegen auf Co-Performance-Shares.

Was wird aus meinem Geld? Diese heikle Frage dürfte sich Ende 2015 der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, gestellt haben. Zumal die Frage für den Finanzprofi, damals erst seit wenigen Monat im Amt bei den Hessen, einen durchaus realen Hintergrund hat: Für seine Zeit bei der UBS soll Kengeter nämlich mit einer Gage von über 20 Millionen Franken entschädigt worden sein. Seine Vergütung bei der Deutschen Börse fällt dagegen vergleichsweise bescheiden aus, so dass er offenbar fürchten musste, unter die Armutsgrenze zu fallen. Folglich brauchte es einen „Zustupf“, wie man in der Schweiz eine zusätzliche finanzielle Unterstützung bezeichnet. 
Kurzerhand erhielt Börsenlenker Kengeter von seinem neuen Aufsichtsrat die seltene Gelegenheit, im ganz großen Stil Aktien des eigenen Unternehmens zu erwerben – und durch eine ausgefeilte Regelung langfristig noch eine Art Bonus abzustauben. Es war so wie früher in der „Mon-Chéri“-Werbung, deren Macher die rhetorische Frage in den Raum stellten: Wer kann dazu schon nein sagen? Wie man der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) jüngst entnehmen konnte, spendierte der Börsenbetreiber zur Belohnung für den Aktienkauf „Co-Performance-Shares“ – gute Führungskräfte müssen schließlich (bei Laune) gehalten werden.
Der Clou: „Während Kengeter für 4,5 Millionen Euro 60.000 Aktien kaufte, wurden die ‚Co-Performance-Shares‘ auf einen günstigeren Zeitpunkt zurückdatiert, so dass knapp 69.000 Aktien und ein Basiskurs von 65 statt 75 Euro zu Buche stehen“, berichtet die „FAZ“. Wenn es in den nächsten Jahren gut läuft, kann für Carsten Kengeter „ein Vielfaches der eingesetzten 4,5 Millionen Euro zur Auszahlung kommen“. Ein „Vielfaches“, bei dem selbst ein Martin Winterkorn blass werden dürfte. 
Pikant an den privaten Aktienkäufen des Carsten Kengeter ist insbesondere deren Zeitpunkt: Zwei Monate später, am 23. Februar 2016, machte die Deutsche Börse eine detaillierte Fusionsvereinbarung mit der London Stock Exchange publik, die nach Einschätzung von Analysten zu erheblichen Kurszuwächsen führen kann. Bei dem äußerst komplexen Unterfangen, beide Börsen unter einem Dach anzusiedeln, hat sich zwar bis heute kein Ergebnis abgezeichnet. Aber das haut einen Macher wie Carsten Kengeter nicht um. Was übrigens auch für die laufenden Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel gilt.
Börsen und Autos
Die Bundesregierung interessiert sich im Übrigen nur peripher dafür, dass Kengeter zur Verwirklichung seiner Vorstandsambitionen in dem fusionierten Unternehmen bereit ist, den Firmensitz in das baldige EU-Ausland nach London zu verlegen. Wenn juckt es schon, wenn die Deutsche Börse nach UK zieht – trotz anstehendem Brexit. Viel spannender ist doch die geplante Opel-Übernahme. Da kann die Bundesregierung – obwohl es hier keinerlei Bundes- oder Länderbeteiligung gibt – wenigsten ordentlich auf Stimmenfang gehen. Immerhin 19.000 potenzielle Wählerstimmen von Opelanern winken. Da kann die Deutsche Börse mit ihren läppischen 2.118 Mitarbeitern in Deutschland nicht mithalten, auch wenn das Land Hessen zumindest minimal an der Aktiengesellschaft beteiligt ist. Carsten Kengeter juckt ein Unternehmenssitz in London dagegen schon. Schließlich wohnt er in Wimbledon. 
In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein schönes Wochenende.
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