Alternative Anlagen
10. November 2015

Wind- und Solarparks von der Börse

Infrastruktur ist eine komplexe Asset-Klasse – und kann doch so ­einfach sein. Infrastrukturaktien namens Yieldcos verbriefen die Teilhabe an einem diversifizierten Portfolio an Erneuerbaren Energien und bieten hohe Ausschüttungen in Form von Dividenden.

Anlegerherz, was willst du mehr: Liquidität, wenig Volatilität, ­konstante und zudem steigende Ausschüttungen, eine breite Diversifikation und für das grüne Gewissen Nachhaltigkeit – und das alles in einem Wertpapier, nämlich in einer sogenannten Yieldco. Bei ­Yieldcos, die bislang vor allem in Großbritannien und in den USA anzutreffen sind, handelt es sich um ein Börsen-Listing, vulgo Aktie, welches die Teilhabe an einem Portfolio von meist Wind- und/oder Solarparks verbrieft. Leidgeprüfte Investoren dürften, wenn mal wieder Illiquides ­liquide verpackt werden soll, an dieser Stelle ein Déjà-vu-Erlebnis ­haben und sich mit Schrecken an Hedgefonds und offene Immobilien­fonds erinnern. Nicht ganz zu Unrecht: Zwar können Aktien ­anders als Fondsanteile jederzeit verkauft werden – im Ernstfall aber nur zu Kursen, die weit unter dem vorgesehenen Risikobudget liegen. Der Liquiditätsvorteil besteht nur in einem normalen Umfeld. Trotzdem lohnt sich, insbesondere im Niedrigzinsumfeld, die Beschäftigung mit Yieldcos beziehungsweise das Weiterlesen!  
Gerade im Vergleich zu geschlossenen Fonds ist an Yieldcos ­attraktiv, dass der Anleger sofort in ein breites Infrastruktur-Portfolio investiert ist. Dagegen investiert der Zeichner eines geschlossenen Fonds in eine Black Box, muss erst diverse Capital Calls abwarten, sich mit einem Investitionsgrad von unter 100 Prozent arrangieren und Jahre auf die Rückzahlung warten. Attraktiv ist ferner, dass die ­Erträge als Dividenden ausgeschüttet werden. Einbehaltene Erträge fließen im Idealfall in den Kauf von neuen Energieparks, so dass die Dividendenrendite des Investors auf seinen Einstiegskurs kontinuierlich steigt. Anders als bei den artverwandten Reits ist eine feste Ausschüttungsquote aber nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Drei Yieldco-Paten und drei Fallbeispiele
Geburtshelfer von Yieldcos war in den USA, dass es kriselnden Versorgern und Entwicklern leichter fiel, sich über den Verkauf ihrer Assets an der Börse als mit Kapitalerhöhungen zu finanzieren. In Großbritannien stand Pate, dass für viele relativ kleine Energieparks Betriebsgrößenvorteile gesucht und in dem gesammelten Portfolio ­einer Yieldco gefunden wurden. Außerdem sind englische Pensionsfonds wegen der nicht nur niedrigen, sondern auch inversen Gilt-Kurven bezüglich Sterling-Ausschüttungen extrem ausgehungert. 

Yieldco-Beispiele bieten in Großbritannien Greencoat und Renew­ables Infragroup. Über Greencoat sind Aktionäre an derzeit 15 Onshore-Windparks und einem Offshore-Windpark mit 4,4 bis 36 Megawatt und insgesamt 271,5 Megawatt in England, Schottland, Wales und Nordirland beteiligt. Damit ist das meteorologische, wenn auch nicht das regulatorische Risiko breit diversifiziert. Unternehmensziel ist es, nachhaltig mit der Inflation wachsende Dividenden auszuschütten und den Wert des Portfolios langfristig real zu erhalten. Dafür soll überflüssiger Cashflow reinvestiert und nur vorsichtig gehebelt werden. Zumindest an der Börse ist der Werterhalt gelungen. Vom ersten Kurs von 100 Pence stieg der Kurs unter geringen Schwankungen auf 111 Pence Anfang Oktober. Für den Euroinvestor wäre zumindest in diesem Zeitraum eine deutlich bessere Performance angefallen. Damit liegt die aktuelle Dividendenrendite bei 5,6 Prozent. Die Marktkapitalisierung beträgt etwas mehr als 500 Millionen Pfund. Für den IRR werden acht bis neun Prozent angepeilt.

Anders als Greencoat diversifiziert die Renewables Infragroup auch Segmente und regulatorische Risiken. Derzeit hält die ­Gesellschaft 24 Onshore-Windparks und zwölf Photovoltaikparks in Großbritannien, Irland und Frankreich. Zudem werden begrenzt ­Projektrisiken eingegangen. Insgesamt produzieren die Parks 446 Megawatt. Ziel der Renewables Infragroup ist es, für die Investoren langfristige und stabile sowie mit der Inflation steigende Dividenden auszuschütten und den Kapitalwert zu erhalten. Dies ist je nach Einstiegszeitpunkt gelungen: Der Kurs liegt nach einem Zwischenhoch heute knapp über dem Emissionskurs, womit sich eine Dividendenrendite von 6,1 Prozent und eine Marktkapitalisierung von etwa 650 Millionen Pfund ergibt. Das IIR-Ziel liegt bei acht bis neun Prozent nach Kosten und Gebühren auf den Emissionspreis und soll über ­aktives Portfoliomanagement und Reinvestitionen von überschüssigem Cash erfolgen. Weiterer wichtiger Unterschied zu Greencoat: Die Renewables Infragroup hat ein Vorkaufsrecht auf die Pipeline eines Entwicklers. Damit handelt es sich um eine sogenannte Sponsored Yieldco, die häufig in den USA anzutreffen ist. Greencoat zählt dagegen­ zu dem in Großbritannien größeren Lager der sogenannten Independent Yieldcos.

Ein Pionier und Marktführer ist mit Brookfield Renewable in Amerika zu Hause. Brookfield bringt eine Marktkapitalisierung von knapp vier Milliarden Dollar und eine Erzeugungskapazität von über 7.400 Megawatt auf die Waage. Zur Stromerzeugung trägt zu fast drei Viertel Wasserkraft bei, was ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal ist. Laut einer Branchenanalyse von SMC Research („Investment-Case Yieldco“) weist Brookfield eine Dividendenrendite von etwa sechs Prozent sowie vor allem eine historische Dividendensteigerung von durchschnittlich zwölf Prozent pro Jahr auf. Die Ziele anderer US-Yieldcos, die in der Regel 80 bis 90 Prozent des Cashflows als Dividende ausschütten, sind teilweise noch einen Tick aggressiver. Dagegen setzen sich UK-Yieldcos ein Wachstumsziel für die Ausschüttungen nur in Höhe der Inflationsquote. Damit kann auch mehr Cash für ­Zukäufe thesauriert und das Potenzial für Dividendensteigerungen gelegt werden. So generierte Greencoat im ersten Halbjahr 2015 eine „Net Cash Generation“ von 29,2 Millionen Pfund. Ausgeschüttet wurde­ in den ersten sechs Monaten aber nur etwa die Hälfte.
Anders als die ebenfalls gelisteten Reits und Master Limited Partnerships, mit denen der amerikanische Staat Infrastrukturprojekte wie Pipelines steuerlich fördert, genießen Yieldcos in den Vereinigten Staaten auf Unternehmensebene keine Steuervergünstigungen. ­Trotzdem sind die Gesellschaften laut SMC Research bemüht, die Steuerbelastung zu minimieren. Relative niedrige Steuerzahlungen resultieren laut dem Research Paper zum einen aus steigenden ­Abschreibungen aus dem kontinuierlichen Erwerb neuer Anlagen, die regelmäßig aus Kapitalerhöhungen finanziert werden. In Relation zum ausgewiesenen Gewinn werde so ein relativ hoher Cashflow aus den Bestandsanlagen erwirtschaftet, der die Basis für hohe Ausschüttungsquoten darstellt. Zum anderen werden für Investitionen in ­Renewables Steuererleichterungen gewährt, die entweder von der ­Investitionssumme (Investment Tax Credit) oder von dem Output der Anlage (Production Tax Credit) abhängen.  

Die Ausschüttung ist der Dreh- und Angelpunkt
Bei Yieldcos gilt das Hauptaugenmerk aber nicht der Steuer, ­sondern natürlich der Dividende. Interessant ist, dass die Dividendenrendite von Greencoat etwas niedriger als die der Renewables Infra­group ausfällt. Eigentlich müssten das größere Konzentrationsrisiko und die geringere Marktkapitalisierung mit einer höheren Dividendenrendite entgolten werden. Holger Steffen, Analyst bei SMC ­Research, sieht hier eine „Anomalie“, die auch generell für den ­gesamten Markt zu beobachten ist. „Nach Marktkapitalisierung und Megawatt sind Sponsored Yieldcos deutlich größer als Independent Yieldcos. Je größer und besser diversifiziert, desto niedriger müsste wegen des höheren Sicherheitsversprechen eigentlich die Dividendenrendite sein“, so Steffen. „Die Dividendenrendite von Sponsored Yieldcos liegt aber im Durchschnitt mit 6,5 Prozent knapp über der Dividendenrendite von Independent Yieldcos.“

Der Grund hierfür ist schnell gefunden: Sponsored Yieldcos, die wie erwähnt primär in den USA anzutreffen sind, erlitten in den ­vergangenen zwölf Monaten einen Kurseinbruch von fast 22 Prozent! Aktionäre der Gattung der Independent Yieldcos erfreuten sich dagegen einer Kurssteigerung von knapp sieben Prozent. Die Ursache des Kurseinbruches sieht Steffen mit einem überhitzten Markt, einem ­aggressiven Leverage und IPO-Pricing, in dem Engagement von Hedgefonds, in niedrigen Energiepreisen und der seit langem erwarteten US-Zinswende in mehreren Aspekten. Steigende Zinsen wären für die amerikanischen Yieldcos wegen des aggressiven Fremdkapitalhebels doppelt bitter.

Aus diesen Dividendenrenditen lässt sich noch eine weitere Schlussfolgerung ziehen: Die Börse verlangt eine geringere Rendite als ein Limited Partner eines geschlossenen Fonds oder als Investoren, die direkt in Erneuerbare Energien gehen. Die nicht vorhandene Illiquiditätsprämie und das wegen der breiten Diversifikation ­geringere Risiko spiegeln sich in den genannten Renditen wider. ­Hinzu kommt aber auch die Marktentwicklung, dass die Börse in der jüngeren Vergangenheit zu einem Exit-Markt mutierte. Zuvor war die Situation andersherum: Private-Equity-Fonds nahmen gelistete Infrastrukturunternehmen von der Börse, weil auf dem Privatmarkt mehr gezahlt wurde als auf dem öffentlichen Markt. 2007 stiegen Private-Equity-Häuser im Rahmen des bislang größten Buyouts beim Stromversorger TXU ein. Aktuell scheint sich das Yieldco-Interesse der Börse, insbesondere wegen des Kursdebakels in den USA, wieder etwas abgekühlt zu haben. Ein Indiz hierfür ist auch der jüngst in Deutschland erfolgte Börsengang der Chorus Clean Energy. Dieser IPO ­gelang erst im zweiten Anlauf und am unteren Ende der Preisspanne.

Holger Steffen beschreibt die Kapitalkosten in seiner Branchenstudie „Investment-Case Yieldco“ als einen „Schlüsselfaktor“. ­Demnach liege der zentrale Reiz für eine Bündelung von Projekten in einer Yieldco insbesondere in der Projektentwicklung in den niedri­geren Kapitalkosten. Zudem konnte man sich neue Anlegerkreise ­erschließen. Dem Argument, dass man mit dem Börsengang arglose Kleinanleger zur Finanzierung heranziehen kann, lässt sich entgegnen, dass die das Risiko reduzierende breite Asset-Streuung auch ­eine geringere Rendite rechtfertigt.  

In Deutschland heißt der Marktführer Capital Stage, der nun an der Börse mit etwa 650 Millionen Euro bewertet wird. Dank der jüngsten Akquisition – ein Brandenburger Windpark – kommt das im ­S-Dax gelistete Unternehmen auf eine Erzeugungskapazität von über 500 Megawatt. Diese Kapazität wurde seit 2009 mit Solarkraftwerken und Windparks in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien aufgebaut. Im Rahmen einer Partnerschaft stellt die Gothaer Versicherung im November des vergangenen Jahres Capital Stage über 20 Jahre ein Genussrechtskapital in Höhe von 150 Millionen ­Euro mit einem festen Zinssatz von vier Prozent für den Ankauf ­neuer Solarparks zur Verfügung. Dank der Finanzspritze, die noch gehebelt werden kann, wurde eine Verdoppelung des bestehenden Energieerzeugungsportfolios realistisch. Diese Perspektive spiegelte auch der Aktienkurs wider, der in den vergangenen zwölf Monaten um stolze 130 Prozent zulegte, wodurch jedoch die für 2015 erwartete Dividendenrendite für Neuaktionäre auf kümmerliche 2,2 Prozent zusammenschmolz.

Freuen können sich jedoch Altaktionäre wie die Familie Kreke, die den Parfüm-Händler Douglas ihr Eigen nennen, die gleichnamige Eignerfamilie der Wacker-Chemie und die beiden Immobilienunternehmer Dr. Cornelius Liedtke und Albert Büll, die fünf bis 27 Prozent an Capital Stage halten. Dank offenbar geregelter finanzieller Verhältnisse konnten die Familien im Jahr 2013 bei einer Kapitalerhöhung ­eine Verwässerung ihrer Anteile verhindern. Grundsätzlich sind Kapitalerhöhungen ein Nachteil für Altaktionäre, der bei geschlossenen Fonds nicht besteht.

Weitere deutsche, aber recht kleine Yieldcos sind 7C Solarparken, deren Anteilsscheine sich in den vergangenen zwölf Monaten um 75 Prozent verteuerten, ABO Invest und KTG Energie. Bei letzterem handelt es sich um ein Biomasse-Yieldco. Während andere Biomasseunternehmen daran scheiterten, ausreichend viel Energiepflanzen und Bioabfälle zu besorgen, baut KTG Energie auf seine gesellschaftliche Verbindung zur KTG Agrar, die die Belieferung mit Input-­Stoffen für die Herstellung von Biogas durch den Anbau auf eigenen Flächen garantiere und somit Versorgungssicherheit für die KTG Energie AG und ihre Energiekunden gewährleiste.

Auf dem deutschen Kurszettel findet sich seit diesem Monat nun auch die Chorus Clean Energy. Chorus machte mit dem Börsengang aus Kommanditisten verschiedener geschlossener PV- und Windparkfonds Aktionäre. Nicht zuletzt dürfte Chorus die Kursentwicklung der Capital Stage motiviert haben, an den ­Börsenplänen festzuhalten. Wie bei Capital Stage handelt es sich um keine pure Yieldco, weil nicht nur Assets, sondern auch das komplette Dienstleistungspaket vom Asset Sourcing über Due Diligence, Anlagenmanagement, Monitoring bis hin zur Veräußerung von Anlagen an die Börse gebracht wurden. Derzeit wird ein Portfolio aus Solar- und Windparks mit einer ­Gesamtleistung von über 250 Megawatt ­gemanagt. Aktionären muss klar sein, dass man nicht nur einen ­Anteil an einem Portfolio Erneuerbarer Energien erwirbt, sondern auch an unternehmerischen Risiken beteiligt ist. Zur Dividendenpolitik hält Chorus im Emissionsprospekt fest: „Da die Emittentin den wesentlichen Teil ihrer Tätigkeit durch ­direkte oder indirekte Betriebsgesellschaften durchführt, hängt ihre Fähigkeit zur Ausschüttung von Dividenden erheblich von den ­Gewinnen und Ausschüttungen der Betriebsgesellschaften ab.“ ­Damit ist auch die Verwendung von im Rahmen von Kapitalerhöhungen eingesammelten Mitteln weniger klar als bei einer Independent oder Sponsored Yieldco.

Ebenfalls strebt die bereits gelistete PNE Wind mit einer Yieldco den Sprung auf das Börsenparkett oder den Verkauf an einen ­einzelnen Investor an. Das Cuxhavener Unternehmen will hierfür ­eigenentwickelte Windparks in ein Yieldco einbringen und plant, die Betriebsführung der Windparks langfristig zu übernehmen. PNE Wind verfolgt also das Modell einer Sponsored Yieldco. Geplant ist ­eine Yieldco mit rund 150 Megawatt an die Börse zu bringen. Bislang besteht für den Börsengang eine Kapazität von Windparks mit 94 ­Megawatt, die bereits in Betrieb genommen wurden oder sich noch im Bau befinden. Auch bei der PNE Wind zeichnet sich der allgemein für Sponsored Yieldcos typische Interessenkonflikt ab: Den Yieldco-Aktionären gehören zwar die Windparks, sie müssen aber die Konditionen für die Betriebsführung als gegeben hinnehmen. Der Sponsor ist aber an hohen Gebühreneinnahmen und einem hohen Verkaufspreis für die eingebrachten Windparks interessiert.

Die enge Bindung der Yieldcos an ihre Sponsoren sieht Steffen „zwiespältig“. Einerseits könne man von der Exklusivität profitieren. Andererseits bestehe, auch aufgrund des substanziellen Anteils der Sponsoren an der Yieldco, die Gefahr von Interessenkonflikten in Form überhöhter Preise. Frank Trauboth, Geschäftsführer und ­Gründer von Envisory, einem Berater und Krisenmanager für Renewables, sieht eine solche gesellschaftliche Verflechtung kritischer: „Die Motivation der Muttergesellschaft stimmt nicht mit den Interessen der Yieldco-Aktionäre überein. Der Asset Manager einer Yieldco muss ­gegen die Mutter, das heißt, den Verkäufer der Assets arbeiten. Entscheidend für den Erfolg eine Yieldco ist, dass die Assets im ­Interesse der Aktionäre gemanagt werden. Wenn die Verträge dem ­Interesse der Yieldco-Aktionäre entgegenstehen, müssen auch alternative Dienstleister engagiert werden können“, erklärt Trauboth.

Wichtig für den Erfolg einer Yieldco ist aber auch, dass die Assets nicht nur im Interesse der Aktionäre gemanagt, sondern auch eingekauft werden. Die Anreize für das Management müssen dergestalt sein, dass Projekte nicht zu jedem Preis gekauft werden. Der Zugang zu interessanten Projekten bleibt schlussendlich für alle Yieldco-­Typen wegen der ­großen Nachfrage nach interessanten Projekten ­kritisch. Mindestens so kritisch wie der Einkauf ist aber auch der Stromverkauf. Änderungen in der Regulierung oder in der Bonität ­eines Partners, mit dem ein Power Purchase Agreement vereinbart wurde, hat schon manches ­Investmentkalkül durchkreuzt.

Zu Wachstum verdammt
Besonders kritisch – und das gilt für alle Yieldco-Typen – ist ­natürlich der Punkt, um den alle Yieldco-Diskussionen kreisen: Ist ­eine Aktie wirklich ein passendes Vehikel für ein Erneuerbare-­Energien-Portfolio? Für eine Aktie ist eine Risikoprämie von etwa fünf Prozent, für die die Dividendenrendite sorgen soll, definitiv nicht viel. Dieses Problem verstärkt sich noch dadurch, dass sich Einspeisevergütungen nicht ewig fortschreiben lassen und auch aktuelle Bewertungen keinen Ewigkeitswert haben. Die Assets verlieren Jahr für Jahr an Wert. „Prinzipiell ist eine Yieldco ein sich selbst abbauendes Vehikel“, so Trauboth. Erneuerbare Energien sorgen also noch lange nicht für erneuerbare Portfolios. Damit ist eine eigentlich als ausschüttendes Vehikel konzipierte Yieldco zum Wachstum verdammt. Ein ­Ausbau des Portfolios kann mit nicht ausgeschütteten Erträgen aus dem Stromverkauf oder per Kapitalerhöhung finanziert werden. Greencoat schüttete zwar im ersten Halbjahr nur die Hälfte des generierten Cashs aus, (Alt-)Aktionäre müssen aber davon ausgehen, dass Wachstum in der Regel nur durch Kapitalerhöhungen möglich sein dürfte. Nächstes Problem: „Die Zielrenditen aus den vergangenen Jahren sind mit neuen Projekten in den meisten Fällen nicht mehr möglich“, gibt Christian Banzer von Prime Capital zu bedenken. Mit einem laufenden Asset-Erwerb besteht also die potenzielle Gefahr ­einer laufenden Verwässerung der Renditen. Noch schlechter kann es aber mit Blick auf die laufende Wertminderung des Altbestands ­kommen, wenn für Neuakquisitionen erst gar kein Eigenkapital ­aufgebracht werden kann. Andreas Kalusche, Vorstand bei Prime ­Capital, weist darauf hin, dass im Vergleich zu einem IPO Kapital­erhöhungen zwar grundsätzlich einfacher zu realisieren sind. „Aber auch für Kapitalerhöhungen muss das nötige Marktumfeld im Aktien­markt gegeben sein. Erfahrungsgemäß ist es in volatilen Zeiten vor ­allem für kleine und mittelgroße Unternehmen, die ausschließlich in Randthemen aktiv sind, schwierig, zeitnah notwendige Eigenmittel einzuwerben. Yieldcos begeben sich somit – entgegen dem Naturell der Asset-Klasse Infrastruktur – in Abhängigkeit der Zyklizität der Kapital­märkte.“

Die Renaissance der Witwen- und Waisenpapiere?
Der Schlüssel für den Yieldco-Erfolg liegt also nicht nur in der ­Generierung von Dividenden, sondern auch in einem Management, das ausschließlich im Interesse der Aktionäre handelt. Dazu gehört vor allem, den Net Asset Value des Portfolios zumindest konstant zu halten. Frank Trauboth: „Wenn die Chancen und Risiken der Kraftwerke in Yieldcos richtig gemanagt werden, können sie ein interessantes Vehikel für Ausschüttungen sein. Der Net Asset Value pro ­Aktie wird aber nicht steigen.“ Diese Kennzahl kann nur durch Asset-Zukäufe steigen, deren Wert den Wertverlust der bestehenden Assets übersteigt, und diese Neuerwerbungen nicht durch die Ausgabe ­neuer Aktien finanziert werden. Gänzlich illusorisch ist die Suche nach ­höher rentierlichen Assets nicht. Doch dafür muss beim Einkauf auch an Entwicklungsrisiken, Offshore-Windparks oder Schwellenländer gedacht werden.

Mit Blick auf für Yieldcos geeignete Investorengruppen sei ­zunächst ein sehr optimistischer Gedankengang erlaubt: Wenn es dem Yieldco-Management tatsächlich gelingt, den Wertverfall nicht nur zu stoppen, sondern sogar den Net Asset Value pro Aktie zu ­steigern, dann mutieren Yieldcos zu dem, was Versorger früher ­waren: Witwen-und-Waisenpapiere. Anders als für Witwen und ­Waisen sind Yieldcos für Versicherungen und Pensionskassen, trotz deren groß­em Infrastrukturappetit, nicht attraktiv. Zu den Hindernissen zählt einmal, dass VAG-Anleger kaum noch direkt in Aktien ­investieren und für ein Yieldco-Mandat das Universum zu klein ist. Eine ­Ausnahme von der Regel: Die Versicherung Prudential hält zurzeit über ihre Töchter The Prudential Assurance Company und M&G je zehn Prozent an Renewables Infrastructure und hat diesen Anteil vor kurzem aufgestockt. Yieldcos können aber Teil von ausgelagerten ­Dividendenstrategien sein. Unter anderem aus Nachhaltigkeitsüberlegungen investiert Hermes Investment Management, eine Tochtergesellschaft des Pensionsfonds der British Telecom, in Yieldcos.

Wann für wen für was
Zum anderen spricht die Regulierung – Solvency II und Stresstests – gegen Aktien. Nach Solvency II haben sich Yieldcos sogar noch relativ verschlechtert. Während Infrastrukturaktien nach wie vor mit 39 Prozent Eigenkapital unterlegt werden müssen, sank die Unter­legung für Infrastruktur-Equity von 49 auf 30 Prozent. Attraktiver sind Yieldcos dagegen für die auf ordentliche Erträge angewiesenen und auf Real Assets fokussierten Stiftungen. Allerdings nur unter der ­Voraussetzung, dass der Werterhalt gegeben ist. Wie das Beispiel ­Capital Stage zeigt, sind Yieldcos für Family Offices attraktiv, die als Großaktionäre auch ihren unternehmerischen Neigungen nachgehen können. Allerdings dürfte der Kostenapparat eines gelisteten Unternehmens nur bei einem besonders großen Portfolio günstiger als ­Direktinvestments sein. Zudem möchte nicht jedes Family Office im meldepflichtigen Aktionärskreis publiziert werden.

Im aktuellen Zinsumfeld sind Yieldcos eine Überlegung wert. Als wertvoll werden sich diese Aktien aber nur erweisen, wenn das ­Geschäftsmodell und die Interessen aller Beteiligten wirklich verstanden wurden. Grundsätzlich sind Yieldcos keine Schafe im Wolfspelz, sondern Aktienrisiken. Motivation für eine Due Diligence findet sich in der Performance der britischen Yieldcos und von Capital Stage.

Von Patrick Eisele

portfolio institutionell, Ausgabe 10/2015

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