Strategien
20. Oktober 2020

Wo welche Governance-Faktoren relevant sind

Governance-Faktoren sind je nach Land für Performance unterschiedlich wichtig. Studie von Calvert.

Immer mehr institutionelle Investoren bekennen sich zu nachhaltigen Investments. Als relevant für die Performance gilt insbesondere die Corporate Governance. Damit, welche Governance-Faktoren wiederum besonders relevant für die Performance sind, hat sich eine Studie des Calvert Instituts befasst. Calvert Research and Management ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Eaton Vance.

Für diese Analyse untersuchte Calvert, wie zehn Governance-Faktoren, die vom Rechnungslegungsrisiko bis zu den Aktionärsrechten reichen, die finanziellen Ergebnisse von mehr als 8.500 Unternehmen in 72 Ländern wesentlich beeinflussten. Dabei stellte Calvert fest, dass die Auswirkungen dieser Faktoren auf die Unternehmensleistung je nach der relativen Stärke der Governance-Praktiken und -Regeln im Heimatland unterschiedlich waren. Diese Unterschiede können aus Sicht von Calvert für Investoren als Leitfaden dienen, der es ihnen ermöglicht, sich auf die Teilmenge der Governance-Faktoren zu konzentrieren, die innerhalb eines Länderkontextes wahrscheinlich finanziell wesentlich sind.

Folglich hat Calvert die vier folgenden Länder-Cluster gebildet. Hinzugefügt sind Länderbeispiele und die jeweils wichtigsten Governance-Faktoren:

Starke Praktiken/starke Regeln

Deutschland, Niederlande, USA
Accounting Risk, Board Effectiveness, Pay Performance Alignment

Starke Praktiken/schwache Regeln

Frankreich, Schweiz, Schweden
Accounting Risk, Pay Figures, Pay Oversight, Pay Performance Alignment, Ownership Structure

Schwache Praktiken/starke Regeln

China, Japan, Italien
Accounting Risk, Board Independence, Ownership Structure, Shareholder Rights

Schwache Praktiken/schwache Regeln

Chile, Polen, Südkorea
Pay Figures, Ownership Structure

Calvert interpretiert diese Zuordnungen folgendermaßen: Buchhaltungsrisiko und Eigentümerstruktur sind in den meisten Ländern „Einstiegsfaktoren“. Sowohl das Buchführungsrisiko als auch die Eigentumsstruktur erwiesen sich in drei von vier Länder-Clustern als wesentlich. Daher betrachtet Calvert diese Einstiegsfaktoren für Investoren in fast jedem Land, mit einigen wenigen Ausnahmen. Eine Ausnahme ist das Cluster „Starke Praktiken/starke Regeln“, in dem die Eigentümerstruktur nicht wesentlich ist. Investoren in diesen Ländern seien in der Regel bereits durch mehrere Schichten geschützt – das heißt durch starke Konventionen und angemessene Durchsetzung.

Wesentliche Faktoren für „weak-practices“-Cluster

Unabhängigkeit des Vorstands, Gehaltszahlen und Aktionärsrechte sind grundlegende Maßstäbe für die Leistung der Unternehmensführung, die sich in beiden „weak-practices“-Clustern als wesentliche Faktoren herauskristallisieren. So verfügten beispielsweise weniger als 40 Prozent der Unternehmen in den Märkten für „schwache Praktiken“ über eine unabhängige Mehrheit im Vorstand, verglichen mit 85 Prozent in den Rechtssystemen für „starke Praktiken“. In Jurisdiktionen mit „schwachen Praktiken/starken Regeln“ wie Brasilien, China, Hongkong, Indien und Japan sind die Governance-Grundlagen der Unabhängigkeit des Verwaltungsrates und der Aktionärsrechte neben den Einstiegsfaktoren des Rechnungslegungsrisikos und der Eigentümerstruktur für die Unternehmensleistung wesentlich. Dies sind Märkte, in denen es für die Unternehmensleistung von entscheidender Bedeutung sein kann, die Grundlagen richtig zu beherrschen. Dies bedeutet laut Calvert, dass man sich auf Unternehmen mit glaubwürdig unabhängigen Aufsichtsräten und klarer Achtung der Rechte von Minderheitsaktionären konzentrieren muss, wozu auch Bestimmungen zur Mitsprache gehören. Es handelt sich um Märkte, in denen die politischen Entscheidungsträger auf weit verbreitete schwache Praktiken reagiert haben, indem sie in dem Versuch, die Governance-Praktiken zu verbessern, die Regeln verschärft haben.

In Jurisdiktionen mit „schwachen Praktiken/schwachen Regeln“ wie ist neben dem Einstiegsfaktor der Eigentumsstruktur auch die grundlegende Frage der Lohnzahlen für die Unternehmensleistung von Bedeutung. In diesen Märkten haben die politischen Entscheidungsträger noch nicht mit einer Verschärfung der Regeln auf schwache Praktiken reagiert. Infolgedessen kann die Durchsetzung ohne angemessene Regeln zu einem strittigen Punkt werden.

In Jurisdiktionen mit „schwachen Praktiken/schwachen Regeln“ ist neben dem Einstiegsfaktor der Eigentumsstruktur auch die grundlegende Frage der Lohnzahlen für die Unternehmensleistung von Bedeutung. In diesen Märkten haben die politischen Entscheidungsträger noch nicht mit einer Verschärfung der Regeln auf schwache Praktiken reagiert. Infolgedessen kann die Durchsetzung ohne angemessene Regeln zu einem strittigen Punkt werden.

In Jurisdiktionen mit „starken Praktiken/schwachen Regeln“ stellt Calvert fest, dass alle drei Vergütungsfaktoren für die Unternehmensleistung wesentlich sind, zusätzlich zu den Einstiegsproblemen des Rechnungslegungsrisikos und der Eigentümerstruktur. Obwohl es sich hierbei um hochprofessionelle Märkte mit starken Gepflogenheiten handelt, schafft das Fehlen einer angemessenen Durchsetzung Herausforderungen im Bereich der Vergütung von Führungskräften, was ein Unternehmen vom anderen unterscheidet.

 

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