Schwarzer Schwan
23. September 2016

Wohltäter, Spender, Mäzen

Ist jemals ein Präsidentschaftsanwärter der Vereinigten Staaten so verkannt worden wie Donald Trump? Von seinen Kritikern übersehen wird immer wieder, welch selbstloser Wohltäter, edler Spender und großer Mäzen in „The Donald“ steckt.

Ihr undankbaren Kritiker von Unternehmerlegende Donald Trump: Spitzt die Ohren und macht Euch auf eine Standpauke gefasst! Angeführt werden muss zunächst einmal, dass der wohl edelste unter den US-Republikanern bei einer Auktion anlässlich einer Wohltätigkeitsveranstaltung ein lebensgroßes Portrait seiner selbst für stolze 20.000 Dollar ersteigert hat. Genau genommen erstand seine bessere und noch ansehnlichere Hälfte, das Ex-Model und die künftige First Lady Melania, das Meisterwerk. Und ihr monetärer Einsatz könnte generöser nicht sein: Denn eigentlich hätte sie das Bildnis schon für schlappe 10.000 Dollar haben können. Aber da Melania Trump völlig überraschend die einzige Bieterin im Raum und sie es ihrem Status als Gattin des großen Wohltäters Donald schuldig war, überbot sie sich kurzerhand selbst mit 20.000 Dollar.
Alle Achtung! Man kann ja ruhig mal etwas großzügiger sein – vor allem dann, wenn es nicht das eigene Geld ist. Wie das? Denn streng genommen hatte Melania Trump das Geld der Donald Trump Foundation ausgegeben. Immerhin trägt die Stiftung ja den Namen von „The Donald“. Darum entspricht es selbstredend auch dem Stiftungszweck, wenn die „Donald J. Trump Foundation“ Portraits ersteigert oder auch mal Ordnungsgelder für private Rechtsstreitigkeiten ihres Namensgebers begleicht. 
Doch das Vermögen der Trump Stiftung kommt auch an anderer Stelle für den guten Zweck zum Einsatz: Bereits 2013 spendete die Trump-Stiftung 25.000 Dollar  freilich ohne jeglichen Hintergedanken an Pam Bondi, die Generalstaatsanwältin von Florida. Die Spende überschnitt sich nur zufälligerweise mit dem Zeitpunkt, als sich Florida anderen US-Bundesstaaten wie New York den Ermittlungen gegen die Trump-Universität anschließen sollte, wie die „Zeit“ berichtete. Honi soit qui mal y pense.
Alles halb so wild. Bondi und Trump gaben schließlich auch zu Protokoll, sie seien unschuldig. Die spätere Strafe wegen illegaler politischer Spenden über eine Stiftung in Höhe von 2.500 Dollar hat Trump dann auch anstandslos beglichen; damit war die Sache erledigt. Zugegeben, man könnte argumentieren, dass die Strafe rechtens war, denn Stiftungen dürfen nun mal nicht für politische Zwecke spenden. Aber sei’s drum.
Immerhin gibt der mit allen Wassern gewaschene Immobilienmogul das Geld, das an seine Stiftung geht, großherzig weiter. So auch jene 150.000 Dollar der Evans-Stiftung, welche die Trump Foundation wiederum an die Polizei in Süd-Florida spendete. Gut, er hat jetzt nichts von seinem eigenen Geld oben drauf gelegt. Immerhin hat Trump das Geld aber auch nicht behalten. Diese nicht mit Worten zu beschreibende Großzügigkeit hat ihm im Jahr 2010 immerhin den Palm Tree Award eingebracht, der dem Blondschopf für seine selbstlose Unterstützung verliehen wurde. Er ist eben ein ganz Großer! 
100.000 Dollar für „Lying Hillary“
Außerdem hat Donald Trump beziehungsweise seine Stiftung 100.000 Dollar an die Clinton-Stiftung gespendet. Moment mal: an die in seinen Augen „verbrecherische Organisation“, an die Konkurrentin, an die „Crooked” oder die „Lying“ Hillary? Ganz recht! Generöser geht es nimmer. Wer jetzt noch immer nicht von Donald Trumps Wohltätigkeit überzeugt ist, muss ihm und seiner Stiftung zumindest Folgendes zugutehalten: Was die Auslegung und die Dokumentation von Spenden angeht, sind beide äußerst kreativ.
So gingen exakt 1.136,56 Dollar an die Serena Williams Group. Wobei: An die Wohltätigkeitsorganisation des Tennisstars floss kein Geld, stattdessen bekam Serena Williams ein Flugticket und ein gerahmtes Foto mit ihrem Konterfei überreicht. Da traf es genau die Richtige: Bislang konnte der Tennisstar in ihrer Karriere auch nur ein Preisgeld von 82 Millionen Dollar einspielen. Geblendet von solcher Großherzigkeit spricht die portfolio-Redaktion an ihre abertausenden Abonnenten in den USA folgende Wahlempfehlung aus: Make America Great Again! Vote Trump! – und investieren sie vorher voll in Volatilität! 
Wir prophezeien einen haushohen Sieg im Rennen um das Weiße Haus. Damit könnte man ein echtes wohltätiges Werk vollbringen: eine Mauer um den Trump-Tower bauen – am besten 200 Meter hoch und ganz ohne Öffnung. 
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