Immobilien
28. Oktober 2020

Wohnimmobilienpreise steigen weiter

Bundesbank sieht keine abrupte Preiskorrektur. Stadt und Land mit gleicher Preisdynamik.

Trotz der Co­ro­na-Pan­de­mie zeich­net sich keine ab­rup­te Kor­rek­tur der Wohn­im­mo­bi­li­en­prei­se in Deutsch­land ab, so die Ein­schät­zung der Bun­des­bank. Dies setze al­ler­dings vor­aus, dass die Kon­junk­tur­er­ho­lung nicht „gra­vie­rend“ ge­stört werde. Die Pan­de­mie habe bis­lang kaum Spu­ren am Wohn­im­mo­bi­li­en­markt hin­ter­las­sen. „Die Preis­ent­wick­lung bei Wohn­im­mo­bi­li­en ver­lief in der Co­ro­na­vi­rus-Krise bis­lang ro­bust. Ins­be­son­de­re weist sie bis­her keine Brems­spu­ren auf“, heißt es im jüngs­ten Mo­nats­be­richt.

Q2: Preisanstieg um 6,8 Prozent

Im zwei­ten Vier­tel­jahr 2020 stie­gen die Wohn­im­mo­bi­li­en­prei­se gemäß den An­ga­ben des Ver­bands deut­scher Pfand­brief­ban­ken um 6,8 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum und damit nicht schwä­cher als im Vor­jahr. 2019 waren die Prei­se etwas we­ni­ger stark als in den Vor­jah­ren ge­stie­gen. In den sie­ben Gro­ß­städ­ten zog die Rate im zwei­ten Vier­tel­jahr mit 4,6 Pro­zent ge­gen­über dem Vor­jah­res­quar­tal laut An­ga­ben des Verbands etwas an. Sie lag aber wie be­reits 2019 im Ver­gleich zu den Jah­ren davor auf be­reits deut­lich nied­ri­ge­rem Ni­veau.

An­zei­chen für ab­ge­schwäch­te Wohn­raum­nach­fra­ge

Die Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten schlie­ßen in ihrem Be­richt nicht aus, dass die Nach­fra­ge nach Wohn­im­mo­bi­li­en etwas nach­ge­las­sen haben könn­te. Das ver­füg­ba­re Ein­kom­men der pri­va­ten Haus­hal­te habe im zwei­ten Quar­tal sta­gniert, zudem sei die Un­si­cher­heit wei­ter­hin hoch, was An­zei­chen für eine ab­ge­schwäch­te Wohn­raum­nach­fra­ge sein könn­ten. „Die Er­schwing­lich­keit des kre­dit­fi­nan­zier­ten Er­werbs von Wohn­ei­gen­tum dürf­te sich – an­ge­sichts des an­hal­ten­den Preis­auf­triebs – trotz der nach wie vor über­aus güns­ti­gen Fi­nan­zie­rungs­kon­di­tio­nen im Durch­schnitt ver­schlech­tert haben“, heißt es im Be­richt. Soll­te die ab­ge­schwäch­te Ein­kom­mens­ent­wick­lung al­ler­dings nur vor­über­ge­hend sein, dürf­te sich die Nach­fra­ge nach Wohn­raum nur ge­ring­fü­gig ver­än­dern. Zudem dürf­ten Wohn­im­mo­bi­li­en im Nied­rig­zin­s­um­feld eine at­trak­ti­ve An­la­ge­al­ter­na­ti­ve blei­ben.

Kaum Un­ter­schie­de zwi­schen Stadt und Land

Zudem sei die Ver­teue­rung von Wohn­raum bis 2015 auf die Städ­te be­grenzt ge­we­sen. Seit dem Jahr 2015 habe der kräf­ti­ge Preis­auf­trieb bei Wohn­im­mo­bi­li­en auch auf die länd­li­chen Ge­bie­te über­ge­grif­fen. „Im Jahr 2019 be­stan­den kaum noch Un­ter­schie­de in der Preis­dy­na­mik zwi­schen den städ­ti­schen und länd­li­chen Ge­gen­den“, schrei­ben die Öko­no­min­nen und Öko­no­men. Nach Bun­des­bank-Be­rech­nun­gen auf Basis von An­ga­ben der Bul­wi­en­ge­sa AG stie­gen die Prei­se für Wohn­im­mo­bi­li­en in Deutsch­land ins­ge­samt bis 2015 um 4,25 Pro­zent im Durch­schnitt des Zeit­raums, wäh­rend sie zwi­schen 2015 und 2019 im Durch­schnitt um 7,75 Pro­zent ge­stie­gen waren. Auch bei den Mie­ten habe es bei der Teue­rung im ver­gan­ge­nen Jahr kaum noch re­gio­na­le Ab­wei­chun­gen ge­ge­ben. „Al­ler­dings über­traf das Aus­maß der Preis­zu­wäch­se beim Im­mo­bi­li­en­kauf das­je­ni­ge der Miet­an­he­bun­gen bei Neu­ver­trä­gen deut­lich“, so die Fach­leu­te.

Warnung vor Immobilienblase

Die Bundesbank warnt bereits seit längerem vor eine Immobilienblase. Im Februar 2018 schrieb sie, dass in deutschen Städten Eigentumswohnungen und Häuser deutlich zu teuer seien. „In den Städten liegen die Preise von Wohneigentum weiterhin deutlich über dem Niveau, das durch die längerfristigen wirtschaftlichen und demografischen Einflussfaktoren gerechtfertigt erscheint.“ Diese Preisübertreibungen lagen nach Bundesbank-Schätzungen im Jahr 2017 zwischen 15 und 30 Prozent. Noch stärker überteuert seien Wohnimmobilien in Großstädten. Dort dürften die Preisabweichungen nochmals zugenommen haben und mittlerweile bei 35 Prozent liegen, heißt es im Monatsbericht.

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