Jahreskonferenz
2. Mai 2026

Zeitenwechsel bei EM Debt

Dass Schwellenländer immer für eine Überraschung gut sind, weiß wohl jeder, der schon einmal mit dieser Anlageklasse zu tun hatte. Auch in den vergangenen beiden Jahren haben Emerging Markets überrascht – mit robustem Wirtschaftswachstum und guter Performance. Trotzdem stellt sich die Frage: Wird der Schwung irgendwann – und mit dem Irankrieg vielleicht früher als später – nachlassen? Oder haben die Emerging Markets den berüchtigten Zyklus von „Boom-and-Bust“ tatsächlich überwunden?

Dieser Frage gingen die Experten der Panel-Diskussion „Zeitenwechsel: EM sind die besseren DM!“ nach. Einblicke in die Investorenperspektive gaben Christoph Metz, Leiter Kapitalanlage bei der KZVK, und Marko Jäschke, Abteilungsleiter Kapitalanlagemanagement beim Versorgungswerk der Apothekerkammer Nordrhein.

Die Sichtweise der Asset Manager vertraten Witold Bahrke, Senior Macro & Allocation Strategist bei Global Evolution, Wolfgang Sussbauer, Head of Institutional Germany & Austria bei PGIM Fixed Income, und Christopher Watson, Senior Portfolio Manager bei Principal Asset Management. Moderiert wurde die Runde von portfolio-institutionell-Redakteur Jochen Hägele.

Sowohl die KZVK als auch das Versorgungswerk der Apothekerkammer Nordrhein sind seit vielen Jahren in EM Debt allokiert mit einem Exposure im einstelligen Prozentbereich. „Wir sehen EM Debt als einen Diversifikator mit dem Potenzial für zusätzliche Prämien“, erklärt Marko Jäschke vom Versorgungswerk der Apothekerkammer Nordrhein. Dort investiert man vor allem im Hartwährungsbereich über Mandate und ausgewählte Publikumsfonds.

Die KZVK wiederum investiert rund drei Viertel ihres EM-Debt-Engagements in Staatsanleihen und ein Viertel in Corporates über Mandate. Zwei Drittel der EM-Debt-Anlagen seien dabei in Hartwährungen und ein Drittel in Lokalwährungsanleihen investiert, so Christoph Metz, der drei Hauptgründe für die EM-Allokation nennt. Erstens: Emerging Markets stellen mit rund 20 bis 30 Prozent einen bedeutenden Anteil am globalen Anleihemarkt. Zweitens: EM Debt ist als Anlageklasse gereift und die Länder haben aus früheren Krisen gelernt. Und dazu kommt drittens der Rendite-Pick-up, auch wenn der gesunken sei.

Krisen der Industriestaaten

Ein interessanter Markt in einem unsicheren globalen Umfeld: Doch gerade wenn man sich die Gründe für die globale Unsicherheit anschaue, so Global-Evolution-Experte Bahrke, dann seien diese fast durchweg in den Industriestaaten zu finden. Zwar würden die Folgen auch die Schwellenländer treffen, doch diese seien nicht im Epizentrum.

Ähnlich sieht das PGIM-Experte Sussbauer: „Die Emerging Markets haben über die letzten Jahrzehnte Resilienz aufgebaut und ihre Fundamentaldaten deutlich verbessert.“ Das spiegle sich auch in der positiven Rating-Migration wider.

Die Länder hätten zudem unterschiedlichste volkswirtschaftliche Geschäftsmodelle, einige seien Rohstoffimporteure, andere -exporteure, und auch die lokalen Finanzmärkte seien heute viel stärker entwickelt. Das mache die Schwellenländer viel widerstandsfähiger bei externen Schocks und Kapitalabflüssen in die Industriestaaten. Die Diversifikation betont auch Christopher Watson von Principal Asset Management: „Emerging Markets decken heute praktisch die gesamte Ratingskala ab.“ Diese reiche von den Ländern der Golfregion mit sehr guten Ratings und dehne sich auf die Frontiermärkte in Lateinamerika und Afrika aus.

Vielfältig und chancenreich: Was die Anlageklasse Emerging Market Debt auszeichnet, erörterte Moderator Jochen Hägele (oberes Gruppenbild v. l. n. r.) mit Marko Jäschke, Wolfgang Sussbauer, Christopher Watson, Witold Bahrke und Christoph Metz. Bild: Alex Habermehl.

 

Doch auch vor EM Debt hat die Spread-Kompression nicht haltgemacht: „Bei den klassischen Hartwährungsanleihen sind die Spreads stark eingelaufen”, sagt Bahrke. Wenn man aber den Horizont etwa um die Frontier Märkte erweitere, finde man noch immer Renditen von rund zwölf Prozent und gleichzeitig Diversifikationsmöglichkeiten: „Hier hat man ein einzigartiges Rendite-Risiko-Verhältnis, da Investoren in diesem Segment immer noch unterinvestiert sind.“ Langfristig sieht auch Sussbauer Potenzial in den Frontiermärkten, doch angesichts der Eskalation im Nahen Osten mahnt er zunächst zur Vorsicht: „Kurzfristig dürften die Frontier Markets eher leiden, aber langfristig halte ich das Risiko-Rendite-Verhältnis für sehr attraktiv.“

Harte Währungen, weicher Dollar

Da Hartwährungsanleihen überwiegend in Dollar denominiert sind, stellt sich auch hier für Anleger die FX-Thematik. Bei der Versorgungskammer der Apotheker Nordrhein sichert man Dollar-Risiken in Spezialfonds über ein FX-Overlay ab. Anders sei das teils bei Publikumsfonds mit einem diversifizierten Währungskorb, so Jäschke. Da könne man auch gezielt Opportunitäten nutzen. Er nennt das Beispiel einer rumänischen Staatsanleihe, deren Dollar-Tranche bei gleicher Laufzeit rund 50 Basispunkte mehr Rendite als die Euro-Tranche bringe. Nach Hedge rutschte die Dollaranleihe aber rund 120 Basispunkte unter die Euro-Anleihe. Solche Verwerfungen könne man durchaus ausnutzen, so Jäschke. Auch die KZVK sichert Hard-Currency-Mandate über ein FX-Overlay ab – im Gegensatz zu Lokalwährungen: Hier mache Hedging keinen Sinn, betont Metz, da Währung und Zins Renditetreiber seien.

Zu Lokalwährungsanleihen sind die Asset Manager geteilter Meinung: Principal-Asset-Management-Experte Watson ist eher vorsichtig. Oft seien FX-Bewegungen unberechenbar, wie die Erfahrung mit dem Dollar immer wieder zeige. Er sieht zwar bei zahlreichen Lokalwährungen Potenzial, rät aber nicht zu massiven Long-only-Wetten. PGIM-Experte Sussbauer hält auch Blend-Strategien für interessant, bei denen der Investor die Entscheidung zwischen Hart- und Lokalwährungen an den Manager delegiert. Nur die wenigsten Investoren könnten mit Gremienentscheidungen wirklich rasch auf Marktveränderungen reagieren. „Besser hat dann das Mandat die Flexibilität, zwischen den Währungen umzuschichten“, so Sussbauer. Grundsätzlich optimistischer für Lokalwährungen ist Global-Evolution-Experte Bahrke: „Wir werden auch in Zukunft Schwächephasen haben, aber das lokale Währungssegment wird der Hauptnutznießer der verbesserten volkswirtschaftlichen Performance der Schwellenländer sein.“

Einig sind sich die Panelisten im Hinblick auf aktives Management. In vielen Anlageklassen sei der Vergleich aktiver Manager mit dem Index sehr sinnvoll, so Jäschke: Aber bei Emerging Markets sei die Gefahr groß, sich und dem Manager am Ende ein zu enges Korsett vorzugeben. „Ein Manager muss Freiheitsgrade und eine aktive Meinung haben.“ Als Investor müsse man sich im Umkehrschluss intensiv mit dem Manager auseinandersetzen. Auch die KZVK gibt ihren Managern große Freiheitsgrade, sagt Metz: „Krisen kommen schnell und man muss dann auch agieren können.“ Er hält gerade bei EM Debt den Vergleich mit der Vergangenheit für wenig aussagekräftig: „Wir können die heutigen Indizes nicht mit denen von vor 20 oder 30 Jahren vergleichen.“

Die Welt ist im Wandel: „Schwellenländeranleihen haben nicht trotz erhöhter Unsicherheit performt, sondern aufgrund erhöhter Unsicherheit, weil diese von den Industrieländern getrieben wird”, sagt Bahrke. Und auch PGIM-Experte Sussbauer sieht im globalen Süden „den Gewinner einer multipolaren Welt“. Auch für Metz steht fest: „Wir glauben an das Wachstum dieser Länder und wollen daran teilhaben.“ Wichtige strukturelle Treiber wie Wachstum, Verschuldung und Demografie würden stark gegen die westlichen Industrieländer und für Schwellenländer sprechen. Die KZVK investiert folgerichtig neben EM Debt auch in EM Equity. Beide Komponenten ergänzen sich von der regionalen Gewichtung gut und bringen so ein Stück Zukunft ins Portfolio.

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