Strategien
21. Juli 2020

Zentralbanken müssen Klimawandel berücksichtigen

Isabel Schnabel: Zentralbanken dürfen nicht abseitsstehen. Auch Invesco-Studie thematisiert Klimawandel.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel betonte in einer Rede die Wichtigkeit einer Kohlenstoff-armen Wirtschaft. Die nötige Transition soll auf drei Säulen stehen: auf einem effektiven Kohlenstoffpreis, einem starken Investitionsprogramm und einem umweltfreundlicheren Finanzmarkt. Zudem betonte Schnabel, dass auch Zentralbanken eine Rolle bei der Minderung klimabedingter Risiken zu spielen haben, und zwar selbst im Rahmen ihrer traditionellen Mandate. Denn die globale Erwärmung stelle ein ernstes Risiko für die Preisstabilität dar.

Die Coronavirus-Pandemie zeige, vor welchen Herausforderungen die Zentralbanken bei der Bewältigung großer und anhaltender globaler Schocks stehen, während sie gleichzeitig ihrem primären Mandat treu bleiben. „Mit dieser Motivation untersuchen wir derzeit, wie wir klimabedingte Risiken in unsere makroökonomischen Kernmodelle integrieren können“, so die EZB-Direktorin.

Schnabel argumentiert weiter, dass steigende Temperaturen und eine zunehmende Häufigkeit von Naturkatastrophen das potenzielle Produktionswachstum und damit den realen Gleichgewichtszinssatz, um den die Zentralbanken ihre Politik kalibrieren müssen, weiter dämpfen könnte. Jahre eines gedämpften Inflationsdrucks und einer schwachen Nachfrage hätten den konventionellen politischen Spielraum in den Industrieländern bereits erschöpft. Und obwohl die Zentralbanken die Beschränkungen der Nulluntergrenze erfolgreich gelockert hätten, werden laut Schnabel die Risiken für die Finanzstabilität und andere Nebenwirkungen, die sich aus einer langwierigen und intensiven Anwendung von Nicht-Standardmaßnahmen ergeben, wahrscheinlich zunehmen.

„Aus diesen Gründen können die Zentralbanken beim Thema Klimawandel nicht einfach abseitsstehen. Und die Covid-19-Pandemie hat uns gelehrt, dass Geld- und Finanzpolitik am wirksamsten sind, wenn sie sich gegenseitig ergänzen. Dies wird auch im Kampf gegen den Klimawandel zutreffen“, so Schnabel.

Invesco: Klimawandel zentrales Thema

Auch die gerade von Invesco veröffentlichte achte Global Sovereign Asset Management Studie (2020), die Einblicke in das Anlageverhalten von 139 Institutionen aus aller Welt gibt, betont den Klimawandel als zentrales Thema. Laut der Studie sieht ein immer größerer Teil der Zentralbanken und Staaten den Klimawandel als eine Priorität an und leitet weitreichende Maßnahmen ein. Zunehmend werde der Klimawandel in den Anlagestrategien berücksichtigt.

Autoren:

Schlagworte: |

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.