Pension Management
24. August 2021

Zu niedrige Zinsen, zu hohe Garantien – und die Auswege der Versicherer-bAV

Die Lebensversicherer stehen vor fundamentalen Herausforderungen. Neue Geschäftsmodelle sind ebenso gefragt wie ­modifizierte Garantien gerade auch in der bAV und eine Neupositionierung der staatlich geförderten Riester-Rente. portfolio institutionell befragt Vorstände und bAV-Führungskräfte maßgeblicher Anbieter.

Die Lebensversicherer haben im Neugeschäft mit den niedrigen Zinsen zu kämpfen und steuern mit Kostensenkung, innovativen Garantien und mehr kapitalmarktnahen Produkten dagegen. Ob dieser Schwenk ausreicht, um das Geschäftsmodell zu retten, wird sich zeigen. portfolio institutionell wollte schon jetzt wissen, welche Chancen die versicherungsförmige bAV überhaupt noch hat, welche Zusageformen in der bAV die Oberhand ­gewinnen, welche Kapitalanlagen aus der Niedrigzinskrise führen und ob eine Wiederbelebung der staatlich ­geförderten Rieser-Rente realistisch ist.

Die Redaktion berichtet seit langem immer wieder über die angespannte Lage und die Ausweg-Versuche der Branche, immerhin größter institutioneller Anleger. Nun haben wir eine große Sommer-Umfrage unter 15 namhaften Lebensversicherern gestartet. Bis Redaktionsschluss haben zwölf geantwortet: Allianz, Alte Leipziger, Canada Life, Generali, HDI, LV 1871, Nürnberger, Signal Iduna, Stuttgarter, Swiss Life, Volkswohlbund und Zurich. Axa hat auf die Teilnahme verzichtet, insbesondere wegen angespannter Hochwasser-Lage, R+V machte sich als einzige Gesellschaft nicht die Mühe, die Absage mitzuteilen. Für den Leser wird die Umfrage entsprechend der fünf Fragen gegliedert. Da sich manche Antwort ähnelt, ­haben wir dies redaktionell so bearbeitet, dass für den Leser ein breites inhaltliches Spektrum abgebildet wird.

1. Die Kunden bekommen keine Rendite mehr, die den Namen verdient! Hat die versicherungsförmige bAV in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld überhaupt noch eine Chance?

„Die bAV ist und bleibt ein Wachstumsfeld, denn zusätzliches ­Einkommen im Alter wird für die Menschen immer wichtiger“, ist Laura Gersch überzeugt. „Dazu gehen wir als Anbieter die Herausforderungen der anhaltenden Nullzins-Phase an, um weiterhin ­eine attraktive und sichere Altersvorsorge zu bieten“, betont der Firmenkunden-Vorstand der Allianz Lebensversicherung. Gleichwohl räumt Nadine Beeckmann, Head of Service bAV der Generali Deutschland, ein: „Bezogen auf Sparprodukte der versicherungsförmigen bAV braucht es eine Initiative des Gesetzgebers, um ein niedrigeres Garantieniveau zuzulassen.“ Im derzeitigen Zins­umfeld seien Beitragsgarantien kaum noch darstellbar.

Laura Gersch von der Allianz will künftig eine BoLZ mit nur 80 Prozent Garantie anbieten.
Laura Gersch von der Allianz will künftig eine BoLZ mit nur 80 Prozent Garantie anbieten.

Grundsätzlich sind die Anbieter mit ihrem Know-how selbst­bewusst genug, an eine Zukunft der Versicherer-bAV zu glauben, deren Bedeutung schon aufgrund der demografischen Entwicklung weiter zunehmen wird. Jürgen Bierbaum: „Der Markt bietet inzwischen viele zeitgemäße und chancenreichere Produkte, Tarife der Neuen Klassik ebenso wie fondsgebundene Produkte“, erinnert der Vize-Vorstandschef der Alte Leipziger-Hallesche-Gruppe. Die Regularien müsse der Gesetzgeber allerdings dringend an die Marktgegebenheiten des Niedrigzinses anpassen. Weniger Sorgen wegen der Garantien macht man sich naturgemäß bei Canada Life, wo mit Unitised-With-Profit-Fonds (UWP) gearbeitet wird. „Es kommt auf den Vertrag an“, meint Igor Radovi´c. „Wir bieten Kunden durch Sachwert-Investments einiges an Renditechancen, wie ­jährlich 5,5 Prozent Rendite des hinterlegten UWP-Fonds seit ­Auflegung Ende Januar 2004 unterstreichen“, informiert Radovi´c. Radovi´c ist ­Direktor ­Produkt- und Vertriebsmanagement bei ­Canada Life Deutschland.

Für die deutsche Modell-Welt sieht Mathematiker Fabian von ­Löbbecke ebenfalls nicht schwarz. „Nicht mehr zeitgemäße Mindestgarantien wie die Bruttobeitragsgarantie der Beitragszusage mit Mindestleistungen (BZML) bremsen zwar im Moment die ­Renditebildung, aber bei der beitragsorientierten Leistungszusage (BoLZ) sind weiterhin attraktive Renditen in der Kapitalanlage möglich“, so der bAV-Vorstand der HDI Lebensversicherung. ­„Zudem kommt stets die sogenannte Systemrendite der bAV ­hinzu, das heißt die positiven Effekte aus dem Bruttosparen und der ­nachgelagerten Besteuerung“, erinnert von Löbbecke. „Durch die staatliche Förderung in Form der Sozialabgaben- und Steuer­ersparnis in Verbindung mit einem Arbeitgeberzuschuss erhalten Kunden auf den investierten Nettobeitrag unterm Strich immer noch eine attraktive Rendite“, bestätigt Dominik Stadelbauer, Leiter Kunden-Vertragsservice Leben der Nürnberger. Voraussetzung ­dafür sei jedoch, dass die bAV-Produkte verstärkt auf investment­orientierte Anlagen setzen.

„Die Rentabilität der bAV hängt nicht allein vom Zins ab“, bringt es Clemens Vatter auf den Punkt. „Die Förderungen zusammen mit weiteren Kostenvorteilen ermöglichen der bAV eine Rendite, die keine andere Form der Altersvorsorge bietet“, so der im Konzernvorstand der Signal Iduna verantwortliche Mann für die Lebensver­sicherung. „Zudem erfährt die bAV die höchste Förderung überhaupt“, betont Hubertus Harenberg. Bis zu drei Beitragszahler – der Staat, der Arbeitgeber und viele Arbeitnehmer selbst – steuerten Geld ein. „Mit abgesenkten Garantien der BoLZ kann durchaus renditeorientiert am Kapitalmarkt, also in Aktien und andere ­chancenreiche Kapitalanlagen, investiert werden“, teilt der ­Bereichsleiter Vertrieb Firmenkunden und Konsortien der Swiss Life Deutschland mit.

Auch für Nadine Beeckmann, Head of Service bAV der ­Generali Deutschland, braucht es niedrigere Garantien.
Auch für Nadine Beeckmann, Head of Service bAV der ­Generali Deutschland, braucht es niedrigere Garantien.

Sicherlich sanken die Überschussbeteiligungen bei den klassischen Rentenversicherungen. „Durch eine Anlage in fondsgebundene beziehungsweise ­kapitalmarktnahe Produkte lässt sich aber auch künftig eine attraktive Rendite erwirtschaften“, bekräftigt Volkswohlbund-Vorstand Heike Bähner. „Jede Form der Altersvorsorge ist für die Bürger besser als gar keine“, wird Lars ­Golatka grundsätzlich. „Natürlich ist die Gesamtrendite über die letzten Jahre gesunken, hält sich aber im Marktvergleich immer noch überdurchschnittlich gut“, ­relativiert der Bereichsvorstand Corporate Life & Pensions bei ­Zurich und Vorstandschef des Deutschen Pensionsfonds. Insbesondere fondsgebundene Versicherungen ­böten hier ein Lösung, um Performancechancen bei gleichzeitigen Sicherungsmechanismen zu nutzen. Dies bestätigt Silke Mallwitz, Leiterin bAV der LV 1871: „Abgesenkte Garantien ermöglichen eine höhere Teilhabe am freien Kapitalmarkt.“ Unterstützung kommt auch von Guido ­Bader: „Moderne versicherungsförmige bAV-­Produkte bieten ­ausreichende Chancen-Komponenten, ohne dabei auf ein Mindestmaß an Sicherheit und Garantie verzichten zu müssen.“ So könnten auch auskömmliche Renditen für die Altersvorsorge ­erzielt werden, ist der Vorstandschef der Stuttgarter ­Lebensversicherung überzeugt, der in seinem Hause auch für ­Aktuariat, Produktentwicklung sowie Kapitalanlage ­verantwortlich ist.

2. Bisher lässt sich die Politik nicht auf eine Abschwächung der Garantie bei der weit verbreiteten Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) ein. Damit gerät diese Zusageform ins Abseits. Eine beitragsorientierte Leistungszusage (BoLZ) könnte in die Bresche springen. Woran fehlt es noch, um diese BoLZ in der Breite zu ­etablieren und welche Garantiehöhe ist angemessen?

Bei Marktführer Allianz steht künftig die BoLZ mit 80 Prozent ­Garantieniveau im Fokus, „auf Wunsch der Kunden auch 60 ­Prozent oder 90 Prozent“, sagt Vorstand Gersch. Bereits jetzt ­werde sie mit 90 Prozent Garantieniveau angeboten. Damit lasse sich die bAV über diese Zusageform zukunftsfähig aufstellen. „Die BZML bietet diese Flexibilität nicht und kann daher nur noch übergangsweise angeboten werden“, stellt Gersch klar. „Noch mangelt es aber an der gesetzlichen Regelung zum Garantieniveau der BoLZ und damit an verlässlichen Rahmenbedingungen“, gibt ­Generali-bAV-Chefin Beeckmann zu bedenken. Dennoch gibt es im Neugeschäft längst eine Abkehr von der BZML. „Der Trend zur BoLZ wird durch die Absenkung des Höchstrechnungszinses ­weiter verstärkt“, beobachtet AL-Vize-Vorstandschef Bierbaum. Die BZML werde dadurch nicht mehr darstellbar, auch die Alte Leip­ziger streicht sie ab 2022 im Neugeschäft. „Bei den fondsgebundenen Tarifen mit einer BoLZ werden dann 80 Prozent ­Garantieniveau zugesagt“, so Bierbaum. Das erlaube eine chancenreichere Anlage der Beiträge bei gleichzeitiger Begrenzung der ­Risiken.

Die Systemrendite der bAV ist unschlagbar, hat HDI-Vorstand Fabian von Löbbecke ausgerechnet.
Die Systemrendite der bAV ist unschlagbar, hat HDI-Vorstand Fabian von Löbbecke ausgerechnet.

Was die Höhe der Garantiezusage betrifft, differieren in der ­Umfrage die Einschätzungen etwas. „Wenn bei ­Entgeltumwandlung der Beitrag vollständig in die Versorgung einfließt und tariflich ­eine Mindestgarantie von 80 oder 90 Prozent der Beitragssumme ausgesprochen wird, dann ist für uns das Gebot der Wertgleichheit erfüllt“, sagt Canada-Life-Direktor Radovi´c. Beim HDI hält man 80 Prozent für angemessen, beobachtet aber im Markt eine Spanne zwischen 50 und 100 Prozent. „Auch wenn die überwiegende Mehrheit der Experten der Meinung ist, dass bei der BoLZ keine Bruttobeitragsgarantie wie bei der BZML gefordert ist, wäre eine diesbezügliche Klarstellung des Gesetzgebers dennoch wünschenswert, um Rechtssicherheit zu schaffen“, meint HDI-Vorstand von Löbbecke mit Blick auf das politische Berlin nach der Bundestagswahl. Das sieht auch Signal-Iduna-Vorstand Vatter so. Die Nürn­berger Versicherung wünscht sich unter Renditegesichtspunkten eine „Grenze, die ­deutlich unterhalb der diskutierten 80 Prozent ­Beitragsgarantie festgesetzt wird“, so Stadelbauer. Gleichwohl ­werde die Direktversicherung bei den Franken schon lange nur noch als BoLZ angeboten.

Ab 2022 wird die BoLZ die vorherrschende Zusageform sein, ist man sich bei Swiss Life sicher. „Die Absenkung der Garantien ­steigert die Erfolgsaussicht auf eine ansprechende Rendite – mit Garantien zwischen 50 und 80 Prozent wird dies gelingen“, so der Firmenkundenverantwortliche Harenberg. Bezüglich der Garantiehöhe hält der Volkswohlbund „ein Mindestniveau von 50 Prozent der Beitragssumme für ausreichend“, geht Vorstand Bähner in die Offensive. Auch Zurich bietet seit Längerem die BoLZ mit einer Nettobeitragsgarantie an, die „gut angenommen wird“, bestätigt Golatka. Die Erklärung und Unterscheidung der Begriffe Sicherheit und Garantie und die Auswirkungen auf die Rendite bleibe aber eine Herausforderung. Er fordert wie die LV 1871 und andere Wettbewerber eine nötige Klarstellung vom Gesetzgeber. Sachlich müsse die Garantie angemessen sein. „Eine garantierte ­Mindestrente wird mit angemessenen Rechnungsgrundlagen aus einem Mindestkapital ermittelt – bei Betrachtung des Mindest­kapitals als Bezugsgröße wären aktuell 80 Prozent der ­eingezahlten Beiträge angemessen“, betont LV-1871-bAV-Chefin Mallwitz mit ­etwas mehr Vorsicht als andere.

Ihn sorgen die Garantien aufgrund der Produkte der Canada Life weniger: Igor Radovic.
Ihn sorgen die Garantien aufgrund der Produkte der Canada Life weniger: Igor Radovic.

„Die unverzeihliche Untätigkeit des Gesetzgebers hat die BZML tatsächlich auf das Abstellgleis manövriert“, erinnert Stuttgarter-Chef Bader. „Die BoLZ mit Garantieniveaus von 70 bis 80 Prozent der Beiträge zum Rentenbeginn kann und wird diese Lücke füllen“, sagt Bader, der auch Vorstand der Deutschen Aktuarvereinigung ist. Die bisherige Rechtslage aufgrund der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts lasse ein solches Garantieniveau zu.

3. Wäre strategisch für die bAV angesichts dauerhafter Niedrigzinsen nicht eine reine Beitragszusage der Problemlöser Nr. 1, da sie unabhängig von der Zinspolitik der Notenbanken funktioniert? Wie lässt sich dort Sicherheit und Rendite gut austarieren?

„In der Tat geht es darum, Renditechancen und Sicherheiten richtig abzuwägen: Die Menschen möchten attraktive Renditen für das ­angesparte Geld und zugleich zuverlässig ein zusätzliches Einkommen im Alter“, erinnert Allianz-Vorstand Laura Gersch. Bereits mit 60 oder 80 Prozent Garantieniveau in der bAV seien mehr ­Freiheitsgrade in der Kapitalanlage möglich. Auch mit einer reinen ­Beitragszusage ließen sich die „Anforderungen der Sozialpartner an die Balance von Renditechancen und Sicherheit erfüllen, wenn wir geeignete versicherungs- oder fondsbasierte und hybride ­Lösungen zur Verfügung stellen“, so Gersch. „Die Möglichkeit zur Implementierung einer reinen Beitragszusage auf Betriebsebene wäre ein Schritt in die richtige Richtung“, hofft Generali-bAV-­Chefin Nadine Beeckmann. Hausinterne Berechnungen zeigten, dass bei der Verwendung von Sicherheitspuffern in einer ­kollektiven ­Kapitalanlage Sicherheit und Rendite im Einklang stehen. „Das ­Sozialpartnermodell als reine Beitragszusage ist auch eine ­geeignete Antwort auf die fortwährende Nullzinspolitik“, erklärt Bierbaum. „Als Problemlöser Nr. 1 würde ich sie aber nicht ­bezeichnen, da je nach Kundenerwartung auch die BoLZ eine sehr gute Balance von Chancen und Risiken ermöglicht“, relativiert der ALH-Vize-Vorstandschef.

 

Für Jürgen Bierbaum von der Alten Leipziger bietet der Markt viele zeitgemäße Produkte.
Für Jürgen Bierbaum von der Alten Leipziger bietet der Markt viele zeitgemäße Produkte.

„Der Gesetzgeber lässt eine reine Beitragszusage nur dann zu, wenn sich Tarifvertragsparteien darauf geeinigt haben – das ­sogenannte Sozialpartnermodell“, bedauert Canada Life. Diese ­Zusageform stehe dem Markt daher nur sehr eingeschränkt zur Verfügung und spiele in der Praxis heute noch keine Rolle. „Für die Sicherheit und Rendite ist nach unserer Einschätzung vielmehr ein starker Finanzpartner und das gewählte Produkt entscheidend“, meint Direktor Radovi´c. Man biete mit dem bAV-Tarif langfristig ­attraktive Renditechancen und Garantien, die vor Kursschwankungen schützen. „Das Modell der reinen Beitragszusage ist überall dort richtig und wichtig, wo Arbeitnehmer auf Garantien ­zugunsten attraktiver Renditechancen verzichten können und wollen“, ent­gegnet von Löbbecke, der bei HDI/Talanx zusammen mit Zurich im gemeinsamen Konsortium („Die Deutsche Betriebsrente“) das erste Sozialpartnermodell auf den Weg gebracht hat. Im Niedrigzinsumfeld könnten überhöhte Garantien kontraproduktiv wirken. „Das Modell der Deutschen Betriebsrente bietet im Zusammenspiel aus Produktgestaltung und Kapitalanlage zahlreiche Sicherheitselemente, die sich in der Corona-Krise bereits sehr gut ­bewährt haben“, so der Vorstand, dessen PB Pensionsfonds zum ­Konsortium gehört. „Durch die garantiefreie Auslegung des Modells kann die Rente stärker von den Chancen der Kapitalmärkte profitieren und so dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld entgegensteuern“, ergänzt Zurich-bAV-Vorstand Lars Golatka, dessen Deutscher Pensionsfonds das Konsortium mit HDI/Talanx führt. Golatka rät dem ­Gesetzgeber, „die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass die reine Beitragszusage in der Breite, also auch auf Betriebsebene, möglich ist“.

„Eine reine Beitragszusage für die versicherungsförmige bAV, ­neben dem Sozialpartnermodell, würde das Produktspektrum bis hin zu fondsgebundenen Produkten ohne Garantie deutlich erweitern“, meint auch die Nürnberger. Damit könnten Mitarbeiter von kleinen Unternehmen, die keine Aussicht auf Teilnahme an einem Sozialpartnermodell haben, ihre Renditechancen deutlich erhöhen. „Sofern hier auch die Übertragbarkeit der bAV zum nächsten ­Arbeitgeber analog zur BoLZ geregelt ist, könnte dies der Zukunftsweg der bAV in langanhaltenden Niedrigzinsphasen sein“, urteilt bAV-Experte Dominik Stadelbauer. „Unsere Kunden legen nach wie vor ­großen Wert auf Garantien, verstehen aber zunehmend, dass im Niedrigzinsumfeld hohe Garantien die Renditechancen stark einschränken“, entgegnet SI-Konzernvorstand Vatter. Das Sozialpartnermodell sei aber sehr komplex und mit großen Hürden in der Ansprache verbunden. „Außerdem sind die vom Gesetzgeber untersagten Garantien ein Knackpunkt – gerade auf Arbeitnehmerseite“, so Vatter. Aus Renditesicht biete die reine Beitragszusage die größten Freiräume für eine flexible und chancenorientierte Kapitalanlage. Dem pflichtet Swiss Life bei. „Den Problemlöser Nr. 1 wird es nicht geben, sondern die breite Palette und einen Mix aus verschiedenen Lösungen“, so Harenberg, der stark auf die BoLZ setzt.

Dominik Stadelbauer, Leiter Kunden-Vertragsservice Leben der Nürnberger, denkt an kleinere Unternehmen.
Dominik Stadelbauer, Leiter Kunden-Vertragsservice Leben der Nürnberger, denkt an kleinere Unternehmen.

Auch beim Volkswohlbund registriert man das Beharren vieler ­Verbraucher auf einem gewissen Garantieniveau. „Um auch ­künftig bAV anbieten zu können, sind wir Mitglied der ‚Initiative Vorsorge‘ für Sozialpartnermodelle geworden“, berichtet Vorstand Bähner. Obwohl dieser Weg der reinen Beitragszusage bereits seit 2018 möglich ist, sei die Resonanz bisher eher gering. „Bei der reinen Beitragszusage erfolgt die Anlage am freien Kapitalmarkt – doch wer trägt hier die Verantwortung für die Auswahl der Anlageart und die Entwicklung der Performance?“, fragt die LV 1871 rhetorisch und antwortet selbst: „Wir müssen Arbeitnehmern eine ­zuverlässige und sichere Altersvorsorge ermöglichen“, so bAV-­Chefin Mallwitz.

„Eine reine Beitragszusage ist nicht der alles ersetzende Problem­löser“, relativiert auch Stuttgarter-Chef Bader. Sicherheit und ­Rendite seien kommunizierende Röhren: Wer ein Mehr an Rendite will, muss auf Sicherheit verzichten – und umgekehrt. „Für sicherheitsorientierte Arbeitnehmer ist die reine Beitragszusage weniger geeignet“, so Bader. Wie eine Studie des Institutes für Finanz- und Aktuarwissenschaften zeige, seien abgesenkte Garantien wie bei der BoLZ auch für sicherheitsorientierte Arbeitnehmer in der ­Niedrigzinsphase bedarfsgerecht.

4. Wie sieht die Strategie zu mehr chancenorientierter Kapital­anlage in der bAV derzeit bei Ihnen aus? Wie wächst bei Ihnen der Anteil von Immobilien, Aktien und Fonds sowie „Sonstiges“ ­(Infrastruktur, Private Equity oder Erneuerbare Energien) im bAV-Portfolio?

Mit den gesenkten Garantien der BoLZ lässt sich vielversprechend investieren, so Swiss Lifes Hubertus Harenberg.
Mit den gesenkten Garantien der BoLZ lässt sich vielversprechend investieren, so Swiss Lifes Hubertus Harenberg.

Basis der bAV-Angebote beim Marktführer ist das Sicherungs­vermögen der Allianz Lebensversicherung, betont Firmenkundenvorstand Gersch. Man habe die vergangenen Jahre genutzt, um den Anteil der chancenorientierten Kapitalanlagen stetig auszubauen – Aktien, Immobilien, Infrastrukturinvestments, Erneuerbare ­Energien sowie Unternehmens- und Schwellenländeranleihen. „Diese Assets hatten Anfang 2021 schon einen Anteil von 45 ­Prozent im Sicherungsvermögen, 2010 lag dieser Anteil noch bei 32 Prozent“, berichtet Gersch. Zugleich empfehle man den bAV-Kunden das Vorsorgekonzept „Komfort Dynamik“, weil es das ­Sicherungsvermögen mit einem weiteren, chancenreichen Sondervermögen kombiniert. Wie breit die Spannweite bei den Kapital­anlagen außerhalb der Festverzinslichen bei Lebensversicherungen inzwischen ist, zeigt sich bei der Generali. „Zunächst fokussieren wir uns auf das Angebot von nachhaltigen Kapitalanlagen, um der Kundennachfrage nach grünen und ESG-konformen Investment­lösungen gerecht zu werden“, informiert bAV-Chefin Beeckmann. „Perspektivisch arbeiten wir an unserer Infrastruktur, um beispielsweise Offshore-Windkraftanlagen über Fondskonstruktionen ­anbieten zu können.“ Chancenorientierte Kapitalanlage sei auch ­typisch für die neue bAV-Rentenversicherung („AL DuoSmart“) der Alten Leipziger, die 80 Prozent Beitragsgarantie bietet: „Die ­Beiträge werden sowohl in einem ertragsorientierten Fonds, der ökologische und soziale Kriterien in der Anlagestrategie berücksichtigt, als auch im Sicherungsvermögen der Alte Leipziger ­angelegt und umfassen so ein breit diversifiziertes Portfolio“, ­urteilt AL-Vize-Vorstandschef Bierbaum. Neben weltweiten Aktieninvestments gehörten dazu Anleihen von Ländern und Unternehmen ­sowie Infrastruktur und Immobilien. Die Aufteilung des ­Guthabens in klassische und dynamische Anlage werde börsentäglich überprüft. Die gewählte Garantiehöhe sei geeignet, den Spielraum für die Kapitalanlage zu erweitern, die Ertragschancen zu verbessern und das Inflationsrisiko aufgrund der Investition in Substanzwerte zu verringern.

Bei Canada Life hält man die bisherige Anlagestrategie für den bAV-Tarif („Generation business“), die auf jahrzehntelanger Erfahrung beruht, für ausreichend. „Der UWP-Fonds ist ein Mischfonds, der derzeit rund 45 Prozent Aktien sowie rund zehn Prozent ­Immobilien und alternative Investments hält“, erklärt Radovi´c. Derzeit strebe man aber eine nachhaltigere Ausrichtung des Fonds an. „Bei HDI Leben stellen wir einen Trend zu fondsgebundenen Versicherungsprodukten fest, bei denen der Kunde sich für chancenorientierte Kapitalanlage entscheiden kann“, beobachtet bAV-Vorstand von Löbbecke. Sobald jedoch mehr Garantien gewünscht seien, agiere man nach dem Prinzip „langfristig und sicher“. „Konkret heißt das, dass wir in einen Mix von Anlageklassen investieren, zu dem ­neben einer relativ geringen Aktienquote auch festverzinsliche Wert­papiere und renditestarke alternative Investments gehören“, so der Vorstand weiter. Das seien zum Beispiel Infrastrukturprojekte wie Solar- oder Windenergie-Parks. Rund 98 Prozent der Kapital­anlagen von HDI Leben seien in festverzinslichen Wertpapieren im Investmentgrade angelegt. Davon sind gut 80 Prozent mit AAA und AA bewertet. „Das zeigt, dass wir hier eher konservativ ­herangehen, was gerade in der Krise entscheidend ist“, sagt von Löbbecke. Darüber hinaus gebe es kapitalmarkteffiziente Produkte im Angebot, die in höherem Maß am Kapitalmarkt investieren. „Bei unserem Sozialpartnermodell der Deutschen Betriebsrente ­erfolgt die Kapitalanlage in einem Spezialfonds, der je zur Hälfte in internationale Aktien und in internationale Rentenpapiere investiert“, so von Löbbecke weiter. Darüber hinaus würden ESG-­Kriterien berücksichtigt. Hierzu gehörten beispielsweise die zehn universellen Prinzipien des UN Global Compact oder die Gestaltung entsprechend nachhaltiger Versicherungsprodukte.

Zurich-Vorstand Golatka ergänzt: „Unsere Investmentpolitik zielt ­grundsätzlich darauf ab, den optimalen Anlageklassen-Mix mit der höchsten langfristigen zu erwartenden Rendite unter der Berücksichtigung der Verpflichtungen umzusetzen.“ In diesen Zusammenhang rückten neben Aktien und Anleihen auch alternative ­Investments wie Immobilien, Private Debt und Private Equity ­weiter in den Vordergrund. „Wesentlich für uns ist auch eine nachhaltige Ausrichtung durch die Berücksichtigung von ESG-Kriterien bei Anlageentscheidungen und Investitionen, etwa in Green Bonds (Impact Investing)“, so Golatka weiter. Auch für die fondsgebundenen bAV-Produkte biete Zurich daher „vermehrt nachhaltige ­Anlageformen, um unserem Anspruch gerecht zu werden, eines der nachhaltigsten und verantwortungsvollsten Unternehmen weltweit zu sein“, fasst der Vorstand zusammen.

Das Sozialpartnermodell ist „sehr komplex“, moniert Clemens Vatter, Konzernvorstand der Signal Iduna.
Das Sozialpartnermodell ist „sehr komplex“, moniert Clemens Vatter, Konzernvorstand der Signal Iduna.

„Die Nachfrage nach konventionellen Tarifen geht immer weiter zurück“, bestätigt bAV-Experte Stadelbauer für die Nürnberger. ­Daher konzentriere sich sein Haus bei der Produktentwicklung auf index- sowie fondsorientierte Anlagekonzepte und da insbesondere auf Fonds, die das Thema Nachhaltigkeit im Fokus haben. Die ­Signal Iduna lässt sich nicht so tief wie manch anderer in die ­Karten gucken. „Wir verbinden in unserem versicherungsförmigen Anlagemodell klassische Garantiekomponenten mit einer hohen Partizipationsmöglichkeit an den Kapitalmärken und setzen dabei auf ein breites Anlagespektrum“, gibt Vorstand Vatter zu Protokoll. Swiss Life ist überzeugt, in der bAV zukunftsfähige Produkte parat zu haben. „Bereits seit 2014 sind wir in der bAV mit einem dynamischen Kapitalanlagekonzept präsent, das ganz bewusst auf ­verschiedene Asset-Klassen mit ertragsstarken Investments setzt („Swiss Life Maximo“)“, erklärt Harenberg. Dabei sei schon früher als bei anderen eine reduzierte Bruttobeitragsgarantie in der BoLZ geboten worden. „Rund 70 Prozent der Kunden wählen reduzierte Garantien zugunsten eines bereits bei Vertragsbeginn hohen ­Aktien-/Fondsinvestments“, so Harenbergs Erfahrung.

Interessant ist die Einordnung beim Volkswohlbund: „Ein ­separates bAV-Portfolio wird bei uns nicht geführt, sondern ist als Teilmenge des Deckungsstocks zu verstehen“, sagt Vorstand Bähner. Laut der strategischen Asset-Allokation habe man schon vor Jahren begonnen, den Anteil an alternativen Anlagen, darunter Erneuerbare Energien, Infrastruktur oder Private Equity, auszubauen, um ­gezielt Überrenditen zu erwirtschaften. „Bis Ende 2020 hat sich der Anteil alternativer Anlagen auf rund 25 Prozent erhöht, ­während er 2014 erst bei rund zehn Prozent gelegen hatte“, so ­Bähner. Die LV 1871 nimmt Chancen auf eine Zusatzrendite bei tolerier­baren Risiken für den Deckungsstock vornehmlich bei ­illiquiden Asset-Klassen wahr. „Die weit über dem Branchenschnitt liegende Solvenzquote erlaubt uns hier einen komfortablen ­Spielraum“, berichtet bAV-Chefin Mallwitz. Schon seit vielen ­Jahren liege der Anteil der Immobilieninvestments mit etwa 16 Prozent zu Marktwerten – alle in Deutschland mit dem Schwerpunkt auf Wohnimmobilien – weit über dem Durchschnitt der deutschen Lebensversicherungsbranche. „Diese Asset-Klasse wird opportunistisch weiter ausgebaut“, so Mallwitz weiter. Die ­Stuttgarter legt den Fokus auf ihre Hybrid- und Indexprodukte („performance+“ und „index-safe“) als BoLZ, berichtet Vorstands- und Kapitalanlagechef Bader. Garantieniveaus von 80 Prozent ­stellten sicher, dass in großem Umfang in renditestarke Fonds ­investiert werden kann. „Die zur Sicherstellung der Garantien in das Sicherungsvermögen der Stuttgarter investierten Kunden­gelder weisen seit Jahren eine Substanzwertquote von nahezu 20 Prozent aus und sind damit ebenso chancenorientiert ausgerichtet“, gibt Bader Einblick in die Strategie.

Heike Bähner, Vorstand der Volkswohlbund Versicherungen: mehr Alternatives, höhere Renditen.
Heike Bähner, Vorstand der Volkswohlbund Versicherungen: mehr Alternatives, höhere Renditen.

5. Was muss sich sofort nach der Bundestagswahl ändern, um die bAV samt Riester als politisch gewollte Ergänzung zur gesetzlichen Rente nicht endgültig zu beerdigen?

Der Marktführer gibt sich staatstragend. Das Motto sei ­„reformieren, modernisieren, optimieren“, so Laura Gersch. „Wir müssen stärker auf kapitalmarktnahe Angebote mit höheren Freiheitsgraden in der Kapitalanlage setzen, um damit die Renditechancen nachhaltig zu erhöhen, und dazu ist eine Absenkung des Garantieniveaus nötig“, so der Firmenkundenvorstand der Allianz Leben. Es gehe in der aufsichtsrechtlichen Regulierung gleichermaßen um Flexibilität und Sicherheit. „Der wichtigste Faktor ist aber eine optimistische, zukunftsorientierte Stimmung: Wir müssen in Deutschland eine Diskussion führen, die Menschen Mut macht, für ihre Zukunft und für das Alter vorzusorgen“, so Gerschs Resümee. Auch ­Generali Deutschland meldet Wünsche an: „Eine sofortige Klar­stellung hinsichtlich des zulässigen Garantieniveaus ist nötig, ­perspektivisch müssen auch die Themen Doppelverbeitragung und Rechnungszins nach Paragraf 6a EStG angegangen werden“, meint bAV-Chefin Nadine Beeckmann. Bei allen Ideen zur Neuordnung der Alterssicherung würde die Altersvorsorgeexpertin sich ­zunächst grundsätzlich ein klares Bekenntnis zur zweiten Säule der Alters­sicherung wünschen.

Für Lars Golatka von Zurich hat sich das Modell der reinen Beitragszusage in der Pandemie schon bewährt.
Für Lars Golatka von Zurich hat sich das Modell der reinen Beitragszusage in der Pandemie schon bewährt.

„Es ist dringend nötig, dass die neue Regierung die notwendigen Rahmenbedingungen für die BZML und Riester-Verträge schafft“, bestätigt Jürgen Bierbaum. „Garantien sind bei vielen Kunden ­weiterhin gefragt, um Risiken zu begrenzen, aber der Gesetzgeber muss die Garantie-Mindestanforderungen an die Kapitalmarkt­gegebenheiten anpassen, um auch im aktuellen Zinsumfeld eine gute Zusatzvorsorge zu ermöglichen“, gibt der stellvertretende ­Vorstandsvorsitzende der Alte Leipziger-Hallesche Gruppe in der Umfrage zu Protokoll.

„Anstatt zusätzlich neue, staatlich gemanagte Einheitslösungen zu promoten, sollte man sich ansehen und fördern, was die Alters­vorsorge schon jetzt bietet – bedarfsorientierte Lösungen“, ­widerspricht Igor Radovi´c von Canada Life den politischen ­Wunschträumen mancher Parteien in Richtung Staatsfonds. Die Diskussionen über neue Wege müssten vor allem faktenbasiert ­geführt und nicht von Ideologien getrieben sein, hofft man bei HDI Leben. „Das beste und gleichermaßen tragischste Beispiel, wie es nicht gehen darf, ist die Riester-Rente“, urteilt Fabian von Löbbecke. „Das Produkt wurde vom Gesetzgeber in einem eigens dafür geschaffen Gesetz minutiös verbindlich definiert, und seit Jahren unterbreiten die Produktanbieter konkrete Reformvor­schläge zur Vereinfachung, ohne Gehör zu finden“, kritisiert der Vorstandsvorsitzende von HDI Pensionsmanagement und bAV-Vorstand der HDI Leben. Stattdessen mache ihnen die Politik noch Vorwürfe, dass die Riester-Rente zu kompliziert und zu unattraktiv sei. „Das ist so, als würden die Autohersteller dafür verantwortlich gemacht, dass die Straßen marode sind“, vergleicht von Löbbecke. Dieses Schicksal dürfe der bAV nicht widerfahren.

Bauen auf Immobilien: die LV 1871 und deren Leiterin bAV, Silke Mallwitz.
Bauen auf Immobilien: die LV 1871 und deren Leiterin bAV, Silke Mallwitz.

„Mit dem BRSG ist die bAV eher gestärkt worden“, findet Dominik Stadelbauer von der Nürnberger. Um die politisch gewollte ­stärkere Verbreitung jedoch zu erreichen, müsse auch auf der Anlageseite mehr Attraktivität her. „Für eine investmentorientiertere Anlage muss der Gesetzgeber Klarheit bei den nötigen Mindestgarantien schaffen und die vorteilhafte Beitragszusage auch für die ‚alte‘ bAV-Welt aufnehmen“, schlägt der Leiter Kunden-Vertragsservice Leben der Nürnberger vor. Um das Potenzial vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen besser auszuschöpfen, wünscht sich die Signal Iduna von der Politik „Impulse für eine attraktivere und ­weniger komplexe bAV“. „Wenn das Sozialpartnermodell ohne ­Garantien weiterhin abgelehnt wird, könnte eine Zusage mit einem abgesenktem Garantieniveau eine gute Lösung sein“, meint der für die Lebensversicherung zuständige Konzernvorstand Clemens ­Vatter. „Zudem muss der vollständige Beitragserhalt bei Riester und der BZML umgehend reformiert und das Garantieniveau ­abgesenkt werden“, lautet die Ergänzung von Hubertus Harenberg, Bereichsleiter Vertrieb Firmenkunden und Konsortien bei Swiss Life Deutschland.

Das fordern auch alle anderen Befragten einmütig, obgleich nicht alle mit einem identischen Garantieniveau. „Grundsätzlich wäre es wünschenswert, wenn für die BoLZ aber eine klare Regelung ­getroffen wird“ hofft Heike Bähner, Vorstandsmitglied der Volkswohlbund Versicherungen. „Idealerweise unter einer mittel- bis langfristig vorausschauenden Betrachtung“, ergänzt Silke ­Mallwitz. „Ein Anreiz wäre sicherlich, die im Rahmen der Gehaltsumwandlung steuerlich geförderte 8-Prozent-Grenze bei Direktversicher­ungen auch auf die Sozialversicherung auszuweiten“, so die ­Leiterin bAV der LV 1871. Grundsätzlicher wird die Stuttgarter: „Die neue Bundesregierung muss sich sofort nach der Wahl klar zur ­kapitalgedeckten betrieblichen und geförderten Altersvorsorge ­bekennen“, fordert Guido Bader. „Ein weiteres Schlechtreden aller Konzepte außerhalb der gesetzlichen Rente würde der Alters­vorsorge in Deutschland insgesamt schweren Schaden zufügen“, warnt der Vorstandsvorsitzende der Stuttgarter Leben. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels dränge die Zeit.

Die Untätigkeit des Gesetzgebers manövrierte die BZML aufs Abstellgleis, kritisiert Stuttgarter-Chef Guido Bader.
Die Untätigkeit des Gesetzgebers manövrierte die BZML aufs Abstellgleis, kritisiert Stuttgarter-Chef Guido Bader.

In ­diese Kerbe haut auch Lars Golatka. „Wir erwarten von der ­neuen Bundesregierung Kontinuität und Verlässlichkeit für den Bürger, zumal das Thema Altersvorsorge in der Vergangenheit zu oft zum Opfer eines politischen Zick-Zack-Kurses wurde“, reklamiert der Bereichsvorstand Corporate Life & Pensions der Zurich-Gruppe Deutschland und Vorstandschef des Deutschen Pensionsfonds. „In der Konsequenz wurden die Bürger verunsichert, was dazu führte, dass Deutschland beim Thema Altersvorsorge weit hinter dem ­zurückliegt, was notwendig wäre“, urteilt Golatka. Zu mehr ­Verlässlichkeit würden keine staatlichen Zwangsmodelle benötigt.

Fazit: Gut Ding kann keine Weile mehr haben

Die großen Player der LV-Branche haben offenbar genug Innova­tionskraft, um der Zinskrise erfolgreich zu trotzen. Dennoch muss der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen bei den Beitrags­garantien nachschärfen. Die jetzige Bundesregierung hat unter ­Federführung des SPD-Finanzministers Olaf Scholz das Problem nur ausgesessen und damit den Fortbestand vor allem tariflich ­organisierter Versicherer-bAV gefährdet, wo die BZML vorge­schrieben ist. Unter den aktuellen Zinskonditionen können die Versicherer für immer mehr Jahrgänge, deren Verträge nur noch eine kurze Laufzeit haben, kaufmännisch keine Garantie mehr ­darstellen beziehungsweise Arbeitnehmer müssten Laufzeiten von über 100 Jahren erreichen, um die Mindestleistung zu bekommen. Der Gesetzgeber sollte ihnen schnellstens aus der gesetzlichen 100-Prozent-Garantie-Falle helfen, weil sonst kein Neugeschäft mehr für diese Zusagen kommt. Da der vollständige Beitrags­erhalt zudem in einen Realwertverlust mündet, ist die Genera­tionengerechtigkeit in der bAV gefährdet.

Weiteres politisches Zögern nach der Bundestagswahl würde die explosive Lage weiter zuspitzen. DAV-Vorstand Guido Bader ­machte darauf schon vor Monaten aufmerksam. „Da die BZML in vielen Tarifverträgen und Gruppenverträgen fest verankert ist, würde eine politisch erzwungene Schließung dieser bAV-Zusageform gravierende Nachteile gerade für junge Arbeitnehmer haben. Denn ­Arbeitgeber müssten die Versorgungswerke wegen unhaltbarer ­Garantien schließen und neue Versorgungswerke für andere ­Zusageformen aufbauen, was zusätzliche Kosten verursacht und damit zu Lasten der Versorgungsberechtigten geht.“ Ein „Weiter so“ würde also vor allem die nachrückenden Genera­tionen treffen, bei denen sich dann eine noch größere Versorgungslücke auftut.

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