Versicherungen
4. September 2020

Zurich sucht Duration, Private Debt und Immobilien

CFO Utecht erläutert Kapitalanlagestrategie. Impressionen von der Fin-Pro.

Im und vor dem historischen Gemäuer von Schloss Bensberg konnte man diese Woche, real und virtuell, viel zur Asset-Management-Moderne lernen. Einblicke gab es auf der 7. Fin-Pro-Veranstaltung unter anderem zu Novitäten bezüglich Faktorprämien, Impact Investing, Emerging Markets, Loans, ESG-Reporting und natürlich zu – Investors Liebling – Infrastruktur. Diese Anlageklasse wurde gleich von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Interessante Einblicke ermöglichte aber auch Dr. Torsten Utecht, CFO der Zurich Gruppe Deutschland. Er sprach – vor Ort – zu „Versicherungen im Spannungsfeld von Niedrigzinsen und regulatorischen Herausforderungen“ und ging dabei auch auf die Kapitalanlage seines Hauses ein. Ein Aspekt von Utechts Vortrag war, dass es in der Branche zu höheren Realisierungen von außerordentlichen Erträgen kommt. Diese brauche es für die Zinszusatzreserve, um Überschüsse ausweisen und Dividenden ausschütten zu können. „Derzeit liegt die Verzinsung über der laufenden Durchschnittsverzinsung“, so Utecht. Damit sinken jedoch die stillen Reserven.

Kleiner Exkurs: Für Aktionäre sind nicht zuletzt die Dividenden ein Kaufargument für Versicherungsaktien. Für die Branchenriesen Allianz, Zurich, Generali und Axa werden die erwarteten Dividendenrenditen für 2020 auf fünf, sechs, sieben beziehungsweise acht Prozent geschätzt. Ausgeschüttet haben die Häuser trotz Bedenken der Aufsichtsbehörden auch dieses Jahr, wobei die Axa die Dividende in etwa halbiert hat, allerdings in Aussicht stellt, die andere Hälfte im vierten Quartal auszuschütten. Insgesamt sprechen diese Dividenden auch für Torsten Utecht dafür, dass Aktionäre Freude an Lebensversicherungen haben. Womöglich mehr als deren Kunden?

Bei der Zurich Gruppe Deutschland liegt der Verzinsungsanspruch an die Kapitalanlage bei 3,5 Prozent. Dafür wird die Strategische Asset Allocation, deren Ausgangspunkt jedoch immer das ALM ist, entsprechend ausgerichtet. Utecht ging auf verschiedene Stellhebel ein. „Die Duration haben wir von 9,2 auf 11,8 Jahre verlängert und liegen somit nun im Branchendurchschnitt. Wir wollen die Duration aber noch weiter erhöhen.“ Länger laufende Anleihen führen auch zu höheren Einstiegsrenditen.

Lieber Private Debt als Bankanleihen

Renditeorientiert waren auch die Entscheidungen, die Quoten für Corporate Bonds und für Immobilien zu erhöhen. Letztere kommen Mitte 2020 nun auf einen Anteil von acht Prozent, Aktien auf immerhin fünf Prozent. „Zudem suchen wir mehr Illiquiditätsprämien über Private Debt“, so Utecht. Mit Credits und Private Debt will die Versicherung höhere Spreads einfahren. Auch auf Grund eines relativen hohen Anteils an Staatsanleihen kommt die Zurich jedoch trotzdem auf ein Durchschnitts-Rating von AA-. Zu dieser Bonität trägt jedoch ein Sektor immer weniger bei. Bankanleihen bezeichnete Utecht in seinem Vortrag als „aussterbenden Teil des Portfolios“.

Zurich lagert aus

Für die Umsetzung der Kapitalanlage nutzt die Zurich externe Expertise. „Wir haben kein internes Asset Management, arbeiten relativ viel mit Externen zusammen“, erläuterte Utecht. „Global arbeiten wir mit 30 Asset Managern und in Deutschland mit zehn Asset Managern zusammen.“ Die Bereitschaft, die Umsetzung auszulagern, war bei der Zurich schon immer groß. Die Versicherung war lange der größte Outsourcing-Kunde der Deutsche Insurance Asset Management, die fiduziarisch die Kapitalanlage der Zurich umsetzte. Wie ein Sprecher der Zurich Gruppe Deutschland auf Anfrage von portfolio institutionell mitteilt, ist aber die Zusammenarbeit mit den Anlagespezialisten der Deutschen Bank, die heute in der DWS gebündelt sind, mitnichten beendet. „Für die Zurich Gruppe Deutschland gilt, dass unsere vertrauensvolle Geschäftsbeziehung mit der DWS selbstverständlich weiter fortbesteht. Daneben arbeiten wir auch mit einer kleinen Zahl weiterer Asset Manager zusammen.“

Zu den Asset Managern mit denen zumindest die Muttergesellschaft, die Zurich Insurance Group, zusammenarbeitet, zählen auch Hedgefonds. Bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Halbjahr wies die Zurich darauf hin, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die Finanzmärkte zu einer schwächeren Wertentwicklung der Anlagen der Gruppe geführt habe. Dies gelte „insbesondere bei den Hedgefonds-Anlagen“.

Bewährt haben dürfte sich jedoch, wie bei der deutschen Tochter, die breitere Diversifikation. Anregungen für den weiteren Ausbau der Kapitalanlage gab es auf der Fin-Pro.

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