Anbieter
24. Juni 2022

Zurich verkauft großen Lebensversicherungsbestand

Käufer ist die Run-off-Plattform Viridium. Für sie ist es die fünfte Übertragung binnen acht Jahren.

In Deutschland verkauft eine weitere Versicherungsgesellschaft einen großen Bestand an Lebensversicherungspolicen an eine sogenannte Run-off-Gesellschaft. Nachdem es in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe solcher Vereinbarungen gegeben hat, überträgt nun die Zurich Gruppe Deutschland ihren Bestand an traditionellen Lebensversicherungspolicen an Viridium, einen der großen Konsolidierer von Lebensversicherungspolicen in Deutschland.

Für Viridium ist es die fünfte Übertragung binnen acht Jahren. Sie hatte auch den Bestand der heutigen Proxalto Lebensversicherung (ehemals Generali Lebensversicherung) erworben. Die zuständigen Aufsichtsbehörden müssen dem jüngsten Geschäft aber noch zustimmen.

Laut einer Mitteilung der Zurich geht es diesmal um die Übertragung des traditionellen Lebensversicherungsgeschäfts der Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG. Die Tochter der Mehrspartenversicherung Zurich Insurance Group wurde vor 100 Jahren gegründet.

Den Angaben zufolge gehen von den insgesamt rund drei Millionen Lebensversicherungsverträgen des Unternehmens etwa 720.000 traditionelle Policen mit einer Deckungsrückstellung von rund 20 Milliarden Euro an eine zu diesem Zweck neu gegründete Gesellschaft über. Die Vereinbarung der Geschäftspartner sieht vor, dass diese neue Lebensversicherungsgesellschaft unmittelbar nach der geplanten Übertragung an Viridium verkauft wird. Die Käuferin werde die Gesellschaft in ihre Gruppe eingliedern, so der Plan.

Übertragung verbessert Kennzahlen

Im Geschäftsbericht für das Jahr 2020 beziffert die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG die Zahl der Versicherungsverträge im selbst abgeschlossenen Versicherungsgeschäft mit 2,88 Millionen. Der Bestand ist in den vergangenen Jahren schrittweise gesunken von zunächst 3,24 Millionen (2016). Parallel dazu ging der Jahresüberschuss ebenfalls zurück.

Der Vorstandschef der Zurich Gruppe Deutschland, Dr. Carsten Schildknecht, begründet den Verkauf des Teilbestandes nur oberflächlich: „Die Übertragung der traditionellen Lebensversicherungspolicen reduziert die Kapitalintensität der bestehenden Lebensversicherungsportfolios und hat einen positiven Einfluss auf unser Zinsrisiko.“ Man wolle sich auf Bereiche konzentrieren, in denen man den größten „Mehrwert“ erbringen könne. Ziel im Bereich der Lebensversicherung sei es, vor allem das Wachstum bei Fondspolicen, Biometrie-Produkten und im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge weiter voranzutreiben.

Auch Viridium kommentiert Übernahme

In einer eigenen Pressemitteilung macht die Viridium zusätzliche Angaben. Der Bestand, um den es bei der Übernahme geht, umfasse ein verwaltetes Vermögen von rund 21 Milliarden Euro (HGB-Zahlen). Das Produktportfolio umfasse überwiegend traditionelle Garantieprodukte. Weder Viridium noch Zurich machten Angaben zum Kaufpreis.

Durch die Übertragung wächst der Bestand der Viridium-Gruppe auf rund 4,5 Millionen Verträge. Das verwaltete Vermögen steigt auf insgesamt rund 92 Milliarden Euro. Als Run-off-Plattformen in Deutschland sind neben der Viridium auch die Frankfurter-Leben- und die Athora-Gruppe aktiv.

Assekurata beleuchtet Run-offs

Im vergangenen Jahr hatte eine Studie der Rating-Agentur Assekurata ein Schlaglicht auf den Run-off von Versicherungen geworfen. Darin heißt es, eine positive Ertragssituation sei wesentliche Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Lebensversicherern. „Diese lässt sich an den erzielten Rohüberschüssen und Bilanzergebnissen festmachen“, erläutert Lars Heermann.

„Insbesondere bei den externen Run-off-Gesellschaften fallen die Profitabilitätskennzahlen zum Teil deutlich marktüberdurchschnittlich aus.“ Laut dem Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata deuten sie darauf hin, dass es den Run-off-Plattformen gelungen ist, zuvor wenig profitable Versicherer zumindest kurzfristig zu deutlich rentableren Unternehmen zu formen. „Die meisten Run-off-Gesellschaften schaffen es, höhere Umsatz- und Kapitalrenditen als der Markt zu erzielen, da sie aus den schrumpfenden Prämieneinnahmen einen vergleichsweise hohen Ertrag generieren“, stellt Heermann fest.

Autoren:

Schlagworte:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.