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3. März 2021

Zwei Billionen Euro in Spezialfonds

Viel Bilanzkosmetik in Q4. „Spezialfonds Quarterly“ von Kommalpha durchleuchtet die Anlagevehikel.

Totgesagte leben bekanntlich länger – und dies manchmal sogar besonders vital. So zum Beispiel der deutsche Spezialfonds, der Ende 2020 mit einem Volumen von 1,979 Billionen Euro kurz vor dem Durchbrechen der 2-Billionen-Euro-Grenze stand. Dazu beigetragen hat das vergangene Jahr, in dem sich trotz aller Widrigkeiten das Nettomittelaufkommen auf 97 Milliarden Euro belief.  Vor zehn Jahren waren noch „nur“ 800 Milliarden Euro in Spezialfonds allokiert. Diese Daten lassen sich dem neuen „Spezialfondsmarkt Quarterly“ von Kommalpha entnehmen. Durchleuchtet wird der deutsche Spezialfonds mit Hilfe von Statistiken der Bundesbank.

„Der Trend zur Verlagerung von Kapitalanlagen in Spezial-AIF ist ungebrochen“, kommentiert Stefan Adam von der DZ Bank. „Der deutsche Spezial-AIF ist das bekannteste, bestregulierte und flexibelste Vehikel für eine Vielzahl von Kapitalanlagen. Oft erfolgt deshalb auch bei Endfälligkeiten eine Umschichtung von der Direktanlage in Fondsstrukturen“, so Adam.

Ingo Biermann, BNP Paribas Securities Services, geht davon aus, dass der deutsche Spezial-AIF auch in den kommenden zehn Jahren die attraktivste Anlageform für Kapitalanlagen institutioneller Investoren in Deutschland bleibt. Dem Spezial-AIF sei zwar in den vergangenen 20 Jahren immer wieder ein Ende vorausgesagt worden. Trotzdem ist er aber „weiterhin die Anlageform für die Kapitalanlagen institutioneller Investoren in Deutschland“. Es gebe auch keine Anzeichen, dass sich das auf absehbare Zeit ändert.

Als „ideal“ bezeichnet Denis Fries, Deka Investment, das Vehikel für institutionelle Anleger. „Die Bündelung der Risiken in einer Fondsstruktur und eine entsprechende Vergabe eines individuellen Anlageauftrages trifft die Anforderungen, die durch die gestiegene Liquidität auf die Anleger zugekommen ist.“

Anschwellende Zuflüsse

Die gestiegene Liquidität zeigte sich insbesondere im vierten Quartal als 96 Milliarden Euro an frischen Geldern in die Spezialfonds flossen. Allein im Dezember waren es 41 Milliarden Euro, die vor allem Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen neu anzulegen hatten. Das Nettomittelaufkommen lag in den letzten drei Monaten des Jahres 2020 bei 43 Milliarden Euro, was auf rege Umschichtungen schließen lässt. Studienautor Clemens Schuerhoff von Kommalpha interpretiert dies mit Neupositionierungen, die mit Blick auf den nahenden Bilanzstichtag durchgeführt wurden. „Spitzenreiter“ bei den Umschichtungen – auch auf Jahressicht – war der November mit Mittelzuflüssen von 30 Milliarden Euro und einem Nettomittelaufkommen von leidglich knapp vier Milliarden Euro.

Eine Analyse der Fondskategorien offenbart ebenfalls die Vitalität eines Totgesagten: Gemischte Wertpapierspezialfonds sammelten in Q4 netto insgesamt 22 Milliarden Euro ein. Die übrigen Fondskategorien folgen mit weitem Abstand. Bei Rentenspezialfonds, denen netto drei Milliarden Euro zuflossen, fällt ein negativer November und ein sehr positiver Dezember auf. Auch dies lässt sich mit bilanziellen Motiven der beiden genannten Anlegergruppen begründen. Im Gesamtjahr 2020 sammelten die gemischten Fonds netto 50 Milliarden Euro ein, die Mittelzuflüsse betrugen 155 Milliarden Euro.

„Die Analyse der Mittelzuflüsse und der Vergleich mit dem Mittelaufkommen zeigt bei gemischten Wertpapierspezialfonds und bei Rentenspezialfonds rege Anteilscheinaktivitäten. In beiden Fondskategorien wurden im vierten Quartal 2020 viele Spezialfondsanteile gedreht und es landete von den Mittelzuflüssen im Sinne von frischem Geld in Summe relativ wenig netto in den Vehikeln. Das lässt auf rege Allokationsänderungen und Positionierung auf den Bilanzstichtag schließen“, fasst Schuerhoff das vierte Quartal zusammen. Gemischten Wertpapierspezialfonds flossen im vierten Quartal 2020 rund 46 Milliarden Euro frisches Geld zu. Bei Rentenspezialfonds beträgt dieser Wert 27,2 Milliarden Euro. Die übrigen Fondskategorien folgen mit großem Abstand und mit der Charakteristik, dass eine vergleichsweise geringe Differenz zwischen Mittelzuflüssen und Nettomittelaufkommen zu verzeichnen ist.

2020: 122 Milliarden Euro für Versicherungen

In der Gesamtjahresbetrachtung fällt auf, dass die Altersvorsorgeeinrichtungen mit 28 Milliarden Euro ein höheres Nettommittelaufkommen aufweisen als Versicherungen, die auf 26 Milliarden Euro kommen. Es folgen private Organisationen ohne Erwerbszweck mit 18,9 Milliarden Euro. Corporates folgen auf Rang vier mit 9,4 Milliarden Euro, dann kommen die Kreditinstitute mit 6,3 Milliarden Euro. Bei den Mittelzuflüssen führen Versicherungen mit 122 Milliarden Euro deutlich vor den Altersvorsorgeeinrichtungen, die auf 63 Milliarden Euro kommen. Damit weisen Versicherungen auch mit Abstand die größte Differenz zwischen Mittelzuflüssen und Nettomittelaufkommen auf. Schuerhoff: „Insofern bestätigt sich auch an dieser Stelle, dass es sich bei Versicherungen um die Anteilseignergruppe mit der höchsten Dynamik beim Drehen von Spezialfonds sowie dem größten Liquiditätsbedarf handelt.“

Ebenfalls auffällig in der Gesamtjahresbetrachtung ist das Faible der Anleger für Rentenspezialfonds. Sie kamen in 2020 auf ein Nettomittelaufkommen von 25 Milliarden Euro – sechs Milliarden mehr als in 2019. „Es ist bemerkenswert bis skurril, dass in Zeiten von Nullzinsen bzw. negativen Renditen bei guter Emittentenbonität Rentenspezialfonds nach wie vor so hoch in der Gunst institutioneller Anleger stehen“, merkt Schuerhoff an. Dies gilt vor allem mit Blick auf Aktienspezialfonds, die in 2020 netto lediglich eine Milliarde Euro einsammeln konnten.

Das “Spezialfonds Quarterly”, das zudem noch interessante 10-Jahres-Statistiken zur Allokation von verschiedenen Staatsanleihen enthält, wird in Kürze veröffentlicht und liegt portfolio institutionell bereits exklusiv vor.

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